Kampf um jeden Hausanschluss

Verdener Firma bietet Glasfaser Nordwest beim Internet-Ausbau die Stirn

Glasfaserstrang in der Landschaft
+
Das superschnelle Internet kommt nach Verden. Zwei Unternehmen führen einen scharfen Wettbewerb.

Verden – Das Verdener Stadtgebiet entwickelt sich weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit zum Schauplatz eines Kampfes zwischen David gegen Goliath. Es geht um das Glasfasernetz für ein superschnelles Internet, das eines Tages zwischen Reeperbahn und Osterkrug die Menschen endlich ruckelfrei mit dem Rest der Welt verbinden soll. Während einerseits die Glasfaser Nordwest Minibagger und Co in Marsch gesetzt hat, bringt sich andererseits ein Verdener Unternehmen in Stellung.

Entschieden ist diese Auseinandersetzung von Groß gegen Klein noch lange nicht, im Gegenteil, sie nimmt sogar immer weiter an Schärfe zu. Auf dem Spiel steht ein millionenschwerer Markt, der eigentlich keine Teilung erlaubt. Der Auslöser des Duells liegt zwei Monate zurück. In einer schnöden Pressemitteilung stellte die Glasfaser Nordwest zunächst sich und dann ihre Pläne vor. Sie sei ein Unternehmen von Telekom und EWE, sie wolle knapp 1 900 Haushalte in Verden mit Glasfaseranschlüssen ausstatten. Und das ab sofort.

Resonanz kam vor allem aus ungewöhnlicher Richtung. „Uns hat dieser Startschuss völlig überrascht“, sagt der Verdener Marco Bungalski. Mit seinem Unternehmen T-M-Net hat er sich in den vergangenen Jahren einen Namen als Breitband-Ausstatter in meist unterversorgten Gebieten des Landkreises Verden und des Heidekreises einen Namen gemacht. In Neubaugebieten seiner Heimatstadt hat er ebenfalls die bunten Kabel mit dem Highspeed-Anspruch verlegt. Sukzessive sollte das Netz ausgebaut werden.

T-M-Net drückt beim Glasfaser-Ausbau in Verden aufs Tempo

Jetzt will er deutlich aufs Gaspedal drücken. „Erste weitere Haushalte werden ab dem 1. September angeschlossen“, kündigt Bungalski auf Nachfrage an. Und das aus gutem Grund, wie er findet: „Wir werden den Wettbewerbern den Markt nicht schenken. Verden ist meine Heimatstadt. Wir werden kämpfen.“ Werbeplakate seien in Vorbereitung, vor Supermärkten werde man Info-Stände platzieren.

Gleichzeitig bringe man schon die nächste Geschwindigkeitsgeneration nach Verden, Nutzer könnten mit 2,5 Gigabit pro Sekunde surfen, Konkurrent Glasfaser Nordwest renommiert mit 1,0 Gigabit, und auch beim Preis wolle man dem Wettbewerber die Stirn bieten. „Wir sind günstiger.“ Der niedrigere Tarif resultiere aus der besseren Ortskenntnis. Vor allem bei der Kalkulation der sogenannten letzten Meile, des Hausanschlusses, sei ein profundes Wissen um innerörtliche Gegebenheiten von Vorteil.

Glasfaser Nordwest fehlt offenbar ein wenig Ortskenntnis

Tatsächlich kennen sich die Verantwortlichen von Glasfaser Nordwest an der Aller nur so mittelmäßig aus. „Wir werden in Plattenberg und Teilen von Dauelsen ein komplett neues Netz aufbauen“, ließ sich einer der Geschäftsführer in der Pressemitteilung Anfang Juni zitieren. Verdener runzeln die Stirn: Eigentlich heißt es am Plattenberg.

Gleichzeitig wird erste Kritik am Ausbaustandard laut. Anwohner stellten fest, das Kabel der Glasfaser-Nordwest nur notdürftig verscharrt seien. Vorwürfe, die es bereits bis ins Verdener Rathaus geschafft haben. „In einem einzigen bisher bekannten Fall ist uns ein Foto zugegangen, auf dem das Glasfaserbündel lediglich 30 bis 40 Zentimeter unter dem Gehweg-Pflaster liegt“, sagt auf Nachfrage Rainer Kamermann. Er leitet den Fachbereich Straßen und Stadtgrün, der Genehmigungs- und Kontrollbehörde für den Tiefbau auf städtischem Grund. Abgesprochen sei eine Tiefe von 50 bis 60 Zentimetern, mindestens, gleichzeitig seien Baumwurzeln zu schonen.

Und dann buddeln die Firmen vor sich hin? Und ziehen die Strippen mal aus Richtung Aller nach Osten, mal aus Richtung Osterkrug nach Westen? Pustekuchen! Der scharfe Wettbewerb um jedes Haus spielt sich auf engstem Raum ab. Während die Glasfaser Nordwest den Meldauer Berg und Neumühlen ins Auge fast, hat jetzt auch Bungalski seine Pläne öffentlich gemacht. Sein Los 1 und 2 umfasst, na was wohl, genau: Meldauer Berg und Neumühlen. „Renommierte örtliche Tiefbau-Unternehmen sind mit den Arbeiten beauftragt. Das erste Teilgebiet ist halb fertig, das zweite in Bau.“

In Verden verlaufen an vielen Stellen noch Kupferkabel

Auf die Resonanz in der Bevölkerung reagieren die Unternehmen unterschiedlich. Bungalski schätzt, in den betreffenden beiden Gebieten bestehe bei rund 600 Haushalten ein Interesse an einem Glasfaser-Anschluss. Rund die Hälfte haben sich seinen Angaben zufolge bereits für ihn und damit das T-M-Net entschieden. „Es werden täglich mehr.“ Die Glasfaser Nordwest verfolgt eine andere Strategie. „Im Bereich Plattenberg sind wir schon weit vorangekommen“, sagt Pressesprecher Tim Bunjes, „in Dauelsen werden wir kurzfristig starten“. Man baue unabhängig von den schon angemeldeten Kundenzahlen aus. Bunjes: „Die Vermarktung übernehmen dann anschließend EWE und Telekom. Das beginnt voraussichtlich im Oktober.“ Dann erst würden auch die Hausanschlüsse verlegt. Insgesamt geht es in der Stadt Verden um rund 10.000 Haushalte, erwartet wird allgemein eine Anschlussquote von rund 60 Prozent. Zurzeit herrscht an der Allermündung außer in einigen wenigen Neubaugebieten das gute alte Kupferkabel vor.

Auf regulierende Eingriffe seitens der Behörden können die Unternehmen nicht setzen. Die Bundesnetzagentur vergibt das sogenannte Wegerecht zum Verlegen der Glasfaserkabel an jeden, der das technische Knowhow vorweisen kann, über eine entsprechende Zertifizierung verfügt und seine finanzielle Leistungsfähigkeit dokumentiert. Auch die Stadtverwaltung schreitet nicht schützend generell, sondern allenfalls bei Ausbaufehlern ein. „Die Arbeiten müssen in der Weise ausgeführt werden, wie sie beantragt und genehmigt wurden“, sagt Kamermann.

Mit dem scharfen Wettbewerb kommt der Stadt Verden immer mehr eine Signalfunktion zu. Insider gehen inzwischen davon aus, wer das Rennen an der Allermündung gewinnt, dürfte sich auch in weiten Teilen des Landkreises durchsetzen. Vorentscheidungen sind indes schon gefallen. Achim wird dem EWE-Telekom-Unternehmen zugeordnet. Gleichzeitig wächst ein neuer Glasfaser-Hauptstrang für den Landkreis. Entlang der Autobahn zieht die Gasline wie berichtet das mächtige Versorgungskabel, an dem die Ortsnetze angeschlossen werden.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Die übelsten Fehltritte von Armin Laschet

Die übelsten Fehltritte von Armin Laschet

Die deutschen Bundeskanzler und die Bundeskanzlerin seit 1949

Die deutschen Bundeskanzler und die Bundeskanzlerin seit 1949

Die lustigsten Grimassen der Kanzlerin und Kanzlerkandidaten

Die lustigsten Grimassen der Kanzlerin und Kanzlerkandidaten

Wahrscheinlichste neue Ministerinnen und Minister

Wahrscheinlichste neue Ministerinnen und Minister

Meistgelesene Artikel

Strahlen-Alarm in Verden: Pinkel-Pause löst Großeinsatz aus

Strahlen-Alarm in Verden: Pinkel-Pause löst Großeinsatz aus

Strahlen-Alarm in Verden: Pinkel-Pause löst Großeinsatz aus
Burger King in Verden öffnet und sucht noch Verstärkung

Burger King in Verden öffnet und sucht noch Verstärkung

Burger King in Verden öffnet und sucht noch Verstärkung
Neue Heimat für den FC Verden 04

Neue Heimat für den FC Verden 04

Neue Heimat für den FC Verden 04
Erdbeben in Verden: Experten haben These für heftige Erderschütterungen

Erdbeben in Verden: Experten haben These für heftige Erderschütterungen

Erdbeben in Verden: Experten haben These für heftige Erderschütterungen

Kommentare