Gewagte Zukunftsprognose

Blick in die Glaskugel: Das erwartet die Stadt Verden 2022

Glaskugel vor Rathaus
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Eine spektakuläre Lösung für Bahnfahrer, eine ungewöhnliche Aussicht auf die Landschaft und ein ganzes Stadtviertel, das autofrei sein wird: Das sind nur drei von zwei Dutzend erstaunlichen Entwicklungen, die auf die Stadt Verden hereinbrechen. Sagt jedenfalls der Blick in die Glaskugel.

Vielleicht kommt es tatsächlich soweit. Der Blick in die Glaskugel sagt erneut einiges für die Stadt Verden voraus. Die Frage eben nur, ob die Passanten am Holzmarkt tatsächlich wegfallenden Nervenkitzel beklagen, ein Streit um den schönsten Arbeitsplatz der Stadt ausbricht und der Ruderverein den ÖPNV übernimmt. Oder ist doch alles nur Kokolores?

Verden – Wer vor einem Jahr an dieser Stelle den Blick in die Glaskugel gelesen hat, wird feststellen, bei gutem Willen jedenfalls, es ist vieles eingetreten. Deshalb jetzt die nächste Vorschau, diesmal natürlich aufs Jahr 2022. Oder alles nur Kokolores? Die Antwort in exakt 365 Tagen an dieser Stelle. Und das verrät der Blick in die Glaskugel:

Januar

Gute Nachricht aus der Straßenbaubehörde. Interne Berechnungen haben ergeben, die Nordbrücke wird nun doch einen Tag früher fertig als erwartet. Die Hinweisschilder in der Stadt werden vom 24.01.25 auf den 23.01.25 umdatiert.

Erste Maßnahme gegen die Rattenplage. Ein externes Büro soll Lösungsvorschläge erarbeiten. Es müsse einschlägige Erfolge vorweisen können. Einstimmig entscheidet sich der Stadtrat für ein Unternehmen aus Hameln.

Februar

Eis und Schnee schon seit drei Tagen über der Region. Der Straßenverkehr leidet unter Behinderungen, Radfahrer sind ganz aus dem Stadtbild verschwunden. Die Grünen schlagen Alarm. Sie fordern beheizbare Radwege. „Wir müssen endlich ernst machen mit dem Klimaschutz.“

In der Staatsanwaltschaft ist ein Riesenstreit ausgebrochen, wer in Verdens schönstes Büro in der obersten Etage unter der Glaskuppel des sanierten Gaswerks am Allerufer einziehen darf. Jeder will den einzigartigen Blick auf Fluss und Auen genießen. Am Ende entscheidet man sich für eine Drehscheibe mit acht Büros, die jeden Tag um eines weitergestellt wird. Die zusätzlichen Kosten liegen bei einer Million Euro. „Aber das macht jetzt auch nichts mehr.“

März

Gibt’s eigentlich überhaupt nichts Neues vom Podest auf dem Rathausplatz? In den politischen Gremien verstummen die Debatten regelmäßig, kommt dieses Thema auf den Tisch. „Es ist, als hätten wir ein Brett vorm Kopf.“ Einstimmig beschlossen wird die Einstellung eines Podestbeauftragten. Die CDU kämpft nur kurz gegen noch mehr Personal. Sie sieht ein, das Podest muss in die Schlagzeilen zurück.

Der Landrat wehrt sich wiederholt und jetzt immer massiver gegen die Vorwürfe, an dem Wirrwarr um die Corona-Beschränkungen trage auch die Kreisverwaltung Mitschuld. „Das sind alles Vorgaben aus Hannover. Wir finden sie teilweise auch nicht gut.“ In Hannover weiß man von Nichts.

April

Mehr als eine Million Euro sind jetzt in den Erhalt der Innenstadt geflossen, aber der große Durchbruch bleibt aus. Einstimmig beschließt der Stadtrat deshalb, die Stadt kauft sämtliche Läden leer. Um die Kosten gering zu halten, soll die Ware bei Ebay versteigert werden und um dennoch Besucher in die Fußgängerzone zu holen, wird im Rahmen der Probierstadt ein Laden mit Internetplätzen ausgerüstet.

Das Rattenbüro meldet sich mit einem ersten Vorschlag. Benötigt werde ein Musikinstrument. Der Stadtrat will nichts dem Zufall überlassen und gibt einstimmig nicht den Kauf irgendeiner Flöte, sondern eines besonderen Instruments frei. Erworben wird eine Oboe. Die Ratten rufen zum Boykott auf. „Wir sind doch keine Kirchenmäuse.“

Mai

Der zweite Geburtstag der Brache auf dem ehemaligen Kaufhallen-Gelände wird beschwingt gefeiert. „Greifen wir den Hanf doch gleich vor Ort ab und erfreuen uns der neuen Cannabis-Freiheit“, heißt die Losung. Hunderte Menschen begehen einen glückseligen Nachmittag, der schwebend endet. Kritik kommt aus der Gastronomie. „Wir sind auf unserm Alkohol sitzengeblieben.“

Das Fischerviertel schmiedet erste Pläne für die autofreie Zeit in 20 Jahren. Anfangs wird genörgelt. „In den vielen Pfützen holen wir uns nasse Füße.“ Daraus entsteht eine bahnbrechende Idee. „Dann können wir die Fischerstraßen ja gleich zu Kanälen umbauen.“ Der Ruderverein bewirbt sich für den ÖPNV. Ein nächster Achter wird bestellt.

Juni

Die Domweih fällt zum dritten Male aus. Die SPD sieht darin die Chance, endlich Pluspunkte vor der nahen Landtagswahl zu sammeln. „Dann rüsten wir unsere Spielplätze mit Autoscooter, Kettenkarussell und Riesenrad aus.“ Den Hinweis aus der FDP, das Angebot sei unvollständig, und bleibe es auch, es passten ja wohl keine Bierstände zu Spielplätzen, kontern die Sozialdemokraten aus. „Im Allerpark funktioniert’s ja auch.“

Die Stadtverwaltung meldet erste Erfolge beim Ebay-Verkauf, allerdings müsse in zwei Segmenten nachgebessert werden. Man werde der Masse sonst nicht Herr. Im Ratssaal entsteht daraufhin eine Mensa, in der es ausschließlich Döner gibt, außerdem wird nur noch Personal eingestellt, das auf Sehhilfen angewiesen ist.

Juli

Ein schöner Slogan, und schon wird eine neue Ortsdurchfahrt gebaut. Nachdem dieses Prinzip in Walle und Armsen zu schnellen Erfolgen führte, meldet eine dritte Ortschaft Ambitionen an. Allerdings gibt man sich noch bedeckt. „Mitten im Sommer würde unser Vorstoß verpuffen. Wir planen den Kampagnenstart im Herbst. Nur so viel: Es hat einiges mit Verden zu tun.“

Der Podestbeauftragte präsentiert in der ansonsten nachrichtenfreien Zeit erste Ideen. „Stellen wir doch große Bäume auf das Podest. Und nageln vielleicht auch einige weitere Bretter zum Sitzen drauf.“ Und schon muss er um seinen Job fürchten. „Alles nicht neu“, heißt es aus der Politik. Drastisch reagieren vor allem die hinteren Reihen im Rat. „Das Podest muss weg.“

August

Die Grünen schlagen erneut Alarm. „Keinen einzigen neuen Radweg angefangen.“ Sie bringen einen solchen in Richtung Döhlbergen ins Spiel. Kritik kommt sofort von der FDP. „Der Radweg über die Eisenbahnbrücke führt wenigstens noch ins Niemandsland, nach Wahnebergen. Der Radweg nach Döhlbergen führt ins Nichts.“

Am Fahrradstand des Verdener Campus wird pünktlich zum Ferienende eine neue LED-Glühbirne eingeschraubt. Der Bürgermeister in einer eilig einberufenen Pressekonferenz: „Damit leisten wir erneut einen Beitrag zum Klimaschutz. Gleichzeitig entlasten wir die Stadtkasse. Eine Win-Win-Situation.“

September

Die Ratten sollen endlich die Stadt verlassen. Der Tipp aus Hameln: Stellt einen Rattenfänger ein! Das ruft die CDU auf den Plan. „Auf keinen Fall noch mehr Personal.“ Vorsorglich werden die Türen der Kitas und Grundschulen nach Eintritt der Allerkleinsten abgeschlossen. „Das kostet erstmal nix“, stellt der Stadtkämmerer zufrieden fest.

Erneut gute Nachrichten aus der Straßenbaubehörde. Die Nordbrücke werde sogar noch einen Tag früher fertig. Allerdings können die Schilder nicht unendlich oft umgeschrieben werden. Es müssen neue her. Die Kosten steigen um einen mittleren sechsstelligen Betrag.

Oktober

Hannover meldet sich. Die Drehscheibe oben in der neuen Staatsanwaltschaft sei nun wirklich zu teuer. Zum Glück weiß man in Verden Rat. Eines der acht Büros wird zur Besucherplattform umgestaltet. 12 Euro kostet der Blick über die Allerauen. Die Anmeldelisten füllen sich schon. Der Ausguck kann nur außerhalb der Dienstzeiten besucht werden, neben den Wochenenden also nachmittags an jedem Mittwoch, Donnerstag und Freitag. „Damit refinanzieren wir die Plattform locker.“

Jetzt ist es raus: Eine kleine Ortschaft bewirbt sich um eine neue Ortsdurchfahrt. „Wir haben viel gemein mit der Allerstadt“, heißt der Slogan aus Allerdorf. „Zwar keinen Fluss, aber unsere Straße ist wellig wie das Meer.“ Das zieht.

November

Endlich liegt die Lösung für die gigantischen und umstrittenen Wasserlieferungen nach Bremen auf dem Tisch. Die Leitungen in die Hansestadt werden nicht mehr ans Verdener Grundwasser, sondern ans Verdener Regenwasser angeschlossen. Kritik kommt aus Bremen. Man habe gehört, im Zuge der Domweih werde gelegentlich an den Straßenrand gepinkelt.

Der Verdener Stadtkämmerer schlägt Alarm. Der Haushalt werde lediglich mit einem Plus von zehn Millionen abschließen. Würden nicht sofort Steuern erhöht, sei damit zu rechnen, in 45 Jahren müsse das Guthaben angeknabbert werden. Der Stadtrat lehnt ab. Zu wenig Ratsmitglieder, die dann damit noch behelligt würden.

Dezember

Bahnbrechende Idee für die größte Zukunftsinvestition: An die Stelle der elf neuen Tunnel, die für 1,2 Milliarden unter die Eisenbahnstrecke gebaut werden, soll ein einziger Tunnel reichen, etwas länger zwar, einige Kilometer, und in den komme dann die Bahnstrecke selbst. Kritik kommt sofort von den Passanten am Holzmarkt. „Wo kriegen wir dann jeden Tag unseren kostenlosen Nervenkitzel her?“

Der Stadtrat verabschiedet zum Jahresende noch eine gemeinsame Resolution. Im nächsten Jahr solle mit dem Klimaschutz begonnen werden. Wirklich! Alle stimmen

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