Sexueller Missbrauch

Verden Freikirchler gesteht pädosexuelle Taten – Prozess erst 20 Jahre später

Landgericht Verden
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20 Jahre später kommen die Taten des pädophilen Straftäters vor Gericht, nachdem die eigene Tochter die an ihr verübten Taten angezeigt hatte. 

Vor 20 Jahren gestand ein Verdener Freikirchler der Gemeinde seine pädosexuellen Taten. Damals geschah nichts. Keine Anklage. Kein Prozess. Erst jetzt muss er vor Gericht.

  • Ein heute 54 Jahre alter Verdener gestand Mitgliedern einer Freikirche in Verden, dass er pädophil sei und sich an Kindern vergangen habe.
  • 20 Jahre später kommen diese Taten vor Gericht, nachdem die eigene Tochter die an ihr verübten Taten angezeigt hatte.
  • In einer Berufungsverhandlung verurteilte das Verdener Amtsgericht den Mann zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und zu einer Zahlung von 6 000 Euro an die Stiftung Opferhilfe.

Verden – Ein Mantel des Schweigens lag 20 Jahre auf dem sexuellen Missbrauch durch einen heute 54 Jahre alten Verdener. Obwohl er sich damals schon als Mitglied einer Freikirche in Verden auf der Kanzel als pädophil und Täter offenbart hatte, blieben die Vergehen ohne Folgen. Schließlich brachte seine jetzt 33 Jahre alte Tochter, die an ihr verübten Taten zur Anzeige.

Ihre Motivation sei es gewesen, andere Kinder zu schützen, sagte die Frau in der Berufungsverhandlung vor der 5. Kleinen Strafkammer des Landgerichts Verden. In dem Prozess ging es um zwei an ihr verübte Taten aus den Jahren 1999 und 2000 sowie eine Tat aus dem Jahr 2001, verübt an einer Nichte des Angeklagten. Die inzwischen ebenfalls erwachsene Frau war als Nebenklägerin an dem Strafverfahren beteiligt. Eingeräumt hat der Angeklagte noch weitaus mehr. Von 20 bis 40 und mindestens zwei weiteren Opfern war die Rede.

Sexueller Missbrauch: Zu Gott um Befreiung von seinen Neigungen gebetet

Das Amtsgericht Verden hatte den gebürtigen Rheinland-Pfälzer am 13. August 2019 wegen drei Fällen des sexuellen und schweren sexuellen Missbrauchs zu zwei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt. In dem vom Angeklagten angestrebten Berufungsverfahren wurde die Strafe auf zwei Jahre reduziert und zur Bewährung ausgesetzt. Zudem muss der bislang nicht vorbestrafte Mann 6 000 Euro an die Stiftung Opferhilfe zahlen.

Der Angeklagte im Berufungsverfahren.     

Laut dem erstinstanzlichen Urteil hatte der Mann bereits 1987 ein Kind aus der Familie seiner Ehefrau missbraucht. Einer „sektenartigen“ freien christlichen Gemeinde soll er damals angehört und „danach zu Gott gebetet und um Befreiung von seiner sexuellen Neigung gebeten haben“.

Pädophiler Straftäter aus Verden: Auch neun Jahre alte Nichte missbraucht

Bei der 1999 verübten Tat habe die Familie noch in Rendsburg gelebt. Seine Tochter war elf oder zwölf Jahre alt. Sie lag schlafend in ihrem Hochbett, in einem Zimmer mit ihren drei Geschwistern. Aufgewacht sei sie während der Tat, habe dies aber nicht zu erkennen gegeben, sondern durch Hin- und Herdrehen versucht, sich den Berührungen zu entziehen. Sich zu ihr ins Bett gelegt und sie missbraucht habe der Vater bei der zweiten angeklagten Tat. Damals soll die Familie schon in Verden gelebt haben. Hier soll der Mann auch im Jahr 2001 die damals neun Jahre alte Nichte missbraucht haben.

Zweimal soll er in „seiner“ Gemeinde die Kanzel betreten und sich in einem Fall vor rund 50 Leuten dazu bekannt haben, „pädophil zu sein und Kinder missbraucht zu haben“. Dass er Mädchen namentlich benannte, empfanden diese als „Bloßstellung“. In der Familie und der Gemeinde soll damals nicht mehr passiert sein, als dass für den Täter gebetet und für ihn um Vergebung gebeten wurde. Er habe sich als Opfer gesehen und war „beseelt von dem Gedanken, die Absolution durch die Gemeinde zu bekommen“, hieß es in der Urteilsbegründung der 5. Kleinen Strafkammer.

Pädophiler Täter inzwischen in Therapie

„Er hat einen Seelsorger in Anspruch genommen. Dass das keine ernsthaften Therapieversuche waren, muss ihm klar gewesen sein“, sagte die Vorsitzende Richterin. Positiv wurde dem Angeklagten angerechnet, dass er nun eine Therapie macht. Wenn auch erst unter dem Druck der Verurteilung zu einer Haftstrafe in erster Instanz.

Diese Therapie würde durch einen Strafvollzug „vollkommen zunichte gemacht“, hieß es weiter zur Begründung der Bewährungsstrafe. Die Vorsitzende stellte aber fest: „Weitere Taten, die nicht zur Anklage gekommen sind, sind erst dadurch möglich geworden, dass er sich in seiner Familie und der Gemeinde sicher und aufgefangen fühlen konnte und dass keine Strafanzeigen von dieser Seite erfolgt waren.“ Das Urteil nicht rechtskräftig.

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