Erste Gastwirte haben umgestellt

„Am Ende sind wir die Buhmänner“: Gastronomen plädieren für 2G, fürchten aber Anfeindungen

Gastwirtin beschriftet Tafel.
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Erste Gastwirte haben in Niedersachsen schon auf 2G umgestellt, wie hier in Braunschweig. Andere warten noch ab. Sie befürchten, als Buhmänner gebrandmarkt zur werden.

Verden/Achim – Die Masken fallen, die Abstände sind passé, ein Stück Normalität kehrt zurück. Grund genug, die 2G-Regel in der Gastronomie einzuführen? „Den Menschen würden endlich wieder ganz neue Möglichkeiten eingeräumt, und der Gastronomie auch“, fasst Dehoga-Kreisvorsitzender Gördt Glander die Lage zusammen. Wahrscheinlich hätte die Branche zwischen Ottersberg und Dörverden längst auf einen Zutritt nur noch für Geimpfte und Genesene umgestellt, wäre nicht die Erfahrung aus umliegenden Regionen.

Im Landkreis Rotenburg löste ein Landhaus mit der 2G-Beschränkungen einen Shitstorm in den sozialen Medien aus, in Nienburg sah sich ein Gastwirt Anfeindungen ohne Ende ausgesetzt. Und auch im Kreis Verden ist es zu ersten 2G-Tendenzen gekommen, dies allerdings ohne großes Echo aus allen Richtungen. Und nun?

Das Bedürfnis nach einem Treffen unter Kollegen war also groß. Auf Einladung des Dehoga-Kreisverbandes Verden fanden sich Anfang der Woche zahlreiche Kollegen aus der Gastronomie und Hotellerie aus dem ganzen Landkreis zusammen. Hauptthema war die Streitfrage: „Bleiben wir bei 3G oder vollziehen wir den Wechsel auf 2G?“. Nach 18 Monaten der Einschränkungen und Schließungen, mit Existenzängsten, mit der Hoffnung auf Lockerung mit jeder neuen Verordnung sehnten sich die Gastronomen nach Verlässlichkeit, heißt es in einer Pressemitteilung. Und die Begründung wird gleich hinterher geliefert. „Die Planung einer Veranstaltung ist kompliziert geworden. Auch wenn die 3G-Regelung ein guter Start war, verspricht 2G für die Gastronomie ganz neue Möglichkeiten“, fasst Glander die Meinung aller Kollegen aus dem Landkreis zusammen. „So entfallen alle Einschränkungen.“

Und was auch nicht ganz unwichtig sei: „Unsere Mitarbeiter werden durch diese Regelung geschützt. Wir haben eine Verantwortung für unser Personal. Auf dem Weg zur Herdenimmunität geht inzwischen die Ansteckungsgefahr von den Ungeimpften aus“, so Glander weiter.

Einigkeit also im weiten Umkreis von Zapfhahn und Frühstücksbuffet. Einerseits. Andererseits sieht sich die ganze Branche vor einem schwierigen Spagat. „Das Land Niedersachsen schiebt jetzt aber uns Gastronomen wieder mal den „Schwarzen Peter“ zu. Anstatt mutig voranzugehen und 2G für alle Kollegen und Veranstalter von Konzerten, Sportevents und Märkten zu verpflichten, wird die Regel nur empfohlen“, beklagt Marco Bachmann, stellvertretender Vorsitzender des Dehoga aus Etelsen, im Sinne seiner Kollegen die Empfehlung des Landes Niedersachsen. „Regierungssprecherin Pörksen ruft uns auf, mit Blick auf die nahenden Herbstferien, die 2G-Regelung anzuwenden. 2G sei immer besser und sicherer. Im Interview sagte sie am Dienstag wörtlich, der Wechsel auf 2G möge ja den ein oder anderen motivieren, sich doch noch impfen zu lassen.“ Diese Aussage habe zutiefst verstörend auf die zahlreichen Kollegen aus dem Landkreis Verden gewirkt. „Wir wollen 2G, weil wir überzeugt davon sind. Aber dass wir jetzt die Buhmänner sein sollen, damit können wir nicht leben. Indirekt sollen wir jetzt die Bevölkerung zum Impfen treiben und das auch noch vor Ort ausdiskutieren und verteidigen. Das können wir nicht leisten. Da ist das Land in der Pflicht. Diese Verantwortung müssen unsere Politiker übernehmen“, empört sich Bachmann.

Einig sind sich die Gastronomen, dass große Feiern unter 2G-Bedingungen stattfinden werden. Weihnachtsfeiern, Silvester- und Kohlbälle mit Maske und Abstandhalten sind schlichtweg nicht durchführbar. Mit 2G könne man zu einer alten Normalität zurückkehren.

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