Bei Austausch getroffen

Das ganz große Glück der Familie Gansbergen

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Familienglück zu fünft: Christoph und Agata Gansbergen mit den Kindern Gabrysia (vorn), Malwinka und Zuzanna (l.) nach der Taufe der jüngsten Tochter.

Es ist wie das Drehbuch zu einem Film, wie man ihn sich nicht hätte besser ausdenken können. In den 90er-Jahren lernten sich der damals 19-jährige Christoph Gansbergen und die 15-jährige Agata Kawa auf einem deutsch-polnischen Austausch in Verden kennen und verliebten sich.

Verden – Was damals nicht sein sollte, endete über 20 Jahre später als Happy-End. Heute sind Agata und Christoph verheiratet und glückliche Eltern von drei Kindern.

Die Geschichte von Christoph Gansbergen und Agata Kawa ist eine Achterbahnfahrt durch die Welt der Gefühle. Wenn der heute 41-Jährige anfängt, davon zu erzählen, dann leuchten seine Augen, und wer daneben sitzt, und zuhört, der kommt aus dem Staunen nicht heraus. Ein Familienglück zu fünft, das war lange Zeit nicht abzusehen.

Es passierte beim Austausch Verden - Górowo

Es war das Jahr 1997, als sich der 19-jährige Christoph und die 15-jährige Agata auf dem Jugendaustausch zwischen dem Landkreis Verden und dem polnischen Górowo Ilaweckie, der Partnerstadt, kennenlernten. „Agata war damals im Sommer für einen zweiwöchigen Austausch mit ihrer Jugendgruppe in Verden“, erinnert sich Gansbergen. „Sie konnte kein deutsch, ich kein polnisch, wir haben uns mit Händen und Füßen unterhalten.“ Die beiden verstanden sich prächtig, waren die Ferien über unzertrennlich. Mit Bangen sahen sie dem Ende der Begegnung entgegen, als sie Abschied voneinander nehmen mussten. „Wir schreiben uns jeden Tag“, so das gegenseitige Versprechen.

Bundeswehr: Kontakt zum Osten untersagt

Karten, Briefe und Gedanken flogen in den kommenden Monaten von Ost nach West und umgekehrt. Besuche waren damals nur schwer möglich. Eineinhalb Jahre hielt die Beziehung aus der Ferne. Und dann das: Als Gansbergen zur Bundeswehr ging, sich für vier Jahre verpflichtete, kam die dienstliche Anweisung, den Kontakt in den Osten abzubrechen. Wenn Gansbergen heute daran zurückdenkt, wie er der 16-Jährigen die Nachricht auf englisch übermittelte, diesen Moment in Erinnerung ruft, muss er schon unwillkürlich schlucken. „Richtig erklären kann ich es nicht“, gibt er mit leiser Stimme zu. Vielleicht ist auch ein bisschen Wehmut über die verloren Jahre dabei. Agata, so spürte er, hatte schwer an der Entscheidung zu tragen. Auch er dachte immer wieder an das blonde Mädchen in Polen.

Das war im Jahr 1997: die 15-jährige Agata und der 19-jährige Christoph in Verden.

Die Jahre vergingen, Gansbergen heiratete 2005, im gleichen Jahr trat auch Agata vor den Traualtar, brachte wenig später eine Tochter zur Welt und ging ihren eigenen Weg. Doch ihr Glück sollten beide nicht finden. Fast zeitgleich, so der Blick zurück, trennten sie sich im Jahr 2014 von ihren jeweiligen Partnern. „Wieder so ein seltsames Zusammenspiel, was nicht zu erklären ist“, so Gansbergen.

War es Schicksal, Zufall eine glückliche Fügung? Als der Verdener 2014 erneut als Jugendleiter mit einer Gruppe in die Umgebung des polnische Städtchen Gorowo reiste, fasste er sich ein Herz und fragte eine Betreuerin vor Ort nach Agata. Es war ein Volltreffer. Tatsächlich konnte sie auf Umwegen den Kontakt herstellen. Doch wollte Agata, deren Herz er gebrochen hatte, ihn nach der herben Enttäuschung überhaupt wiedersehen? Per E-Mail bahnte sich das Wiedersehen an.

„Es hat sofort wieder gefunkt“

Fast 20 Jahre waren vergangen, was, vor allem welche Person würde ihn erwarten? Eine weitere von vielen Fragen, die Christoph Gansbergen bis zur Begegnung pausenlos bewegten. „Mein Herz hat ganz schön geklopft.“ Und, als sich beide gegenüberstanden, wie war’s? „Einfach unglaublich, es hat sofort wieder gefunkt, auch wenn wir uns erst einmal viel zu erzählen hatten.“ Noch einmal habe er erklären müssen, was nicht zu verstehen war, der plötzliche Abbruch des Kontaktes. „Agata war – vorsichtig ausgedrückt – ganz schön sauer und sehr verletzt, weil sie meine Erklärung damals nicht begriffen hat.“

Und was hat Agata beim Wiedersehen empfunden? Die 37-Jährige, die derzeit noch mit den drei Kindern in Gorowo lebt, schrieb dazu auf Anfrage eine reizende E-Mail auf Englisch, in der sie über ihre Gefühle spricht: „When I went to the bus station with my daughter, I was very afraid. I didn’t know what his reaction would be, 20 years is a long time. I saw him as he stood at the bus stop and waited for us. We approached each other. I looked into his eyes. It was my Christoph, the same as 20 years ago, the same smile, the same touch and the same wonderful eyes, looking at me with great tenderness. It got warm at my heart. Just like when he hugged me for the first time. I knew that nobody and nothing would separate us now.“

2018: Heirat in der Kirche von Górowo

Nichts und keiner sollte sie mehr trennen, da waren sich beide schnell einig. Und so kam es. Am 9. Juni 2018 gab sich das Paar vor dem Altar in der Kirche von Gorowo das Ja-Wort. Mittlerweile ist die Familie zu fünft. Neben Tochter Gabrysia aus Agatas erster Ehe machen die zweijährige Malwinka und Zuzanna, gearde mal sechs Monate alt, das Familienglück vollkommen.

Es kommt dem Paar noch immer bisschen wie ein Traum vor, da stört es nicht, dass beide nach wie vor zwischen West und Ost pendeln müssen. „Der leibliche Vater von Gabrysia besteht auf sein Besuchsrecht, sodass ein Umzug von Gorowo nach Verden vorerst nicht möglich ist“, so Gansbergen. Er selbst arbeitet als kaufmännischer Angestellter in einer Verdener Tankstelle, seine Frau beim polnischen Zoll. So oft es geht, reist er zur Familie und wenn er nicht da ist, dann wird jeden Abend per WhatsApp oder Messenger Familienrat abgehalten.

Ein Ende der Reisestrapazen ist aber absehbar: Wenn Gabrysia 16 Jahre ist, kann sie selbst entscheiden und einem Umzug nach Verden stünde nichts mehr im Wege. Das Glück in den Händen, lässt sich Gansbergen von der zeitweiligen Trennung nicht aus der Ruhe bringen. „Was sind schon zwei Jahre im Vergleich zu 20 Jahren?“, lacht er – und freut sich schon auf die gemeinsame Zeit im Oktober.

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