Klärreste-Transport nach Hildesheim vom Tisch

Verdener Klärschlamm: Burgfrieden nach Schlammschlacht

Türme einer Kläranlage hinter einem Blühstreifen.
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Wieder zur Ruhe gekommen: die Kläranlage unweit der Aller. Nach der Schlammschlacht der vergangenen Wochen wurde ein Burgfrieden geschlossen.

Verden – Das Verbrennen Verdener Klärschlamms in Hildesheim ist vom Tisch. Jedenfalls für die nächsten Jahre, womöglich für immer. Darauf verständigten sich Politik und Klärwerksleitung am Donnerstagabend im Betriebsausschuss der Stadt. Per Ausschreibung soll jetzt ein Abnehmer für die Klärreste gesucht werden, die Vertragsdauer wird mit drei bis fünf Jahren angegeben.

Damit mündet die wochenlange Schlammschlacht um den Klärschlamm (wir berichteten) in einem Burgfrieden, einen allerdings brüchigen Burgfrieden. Überlagert wurde die Debatte vom Jahresergebnis der Abwasserwirtschaft. Hier schlägt ein Bilanz-Minus von mehr als 200 000 Euro zu Buche, verursacht vorrangig durch einen Anstieg bei den Personalkosten, was die Diskussion nicht erleichterte.

Der Anlass der vor kurzem noch emotional geführten Klärschlamm-Debatte liegt zunächst auf Eis. Die Stadt Verden wird sich vorerst nicht an einer Verbrennungsanlage in Hildesheim beteiligen. Vor allem CDU und Grüne waren gegen den Transport ins Harzvorland Sturm gelaufen. Damit begruben die Fraktionen zumindest vorübergehend das Kriegsbeil. „Die Debatte ging teilweise unter die Gürtellinie“, brachte Heinz Möller (SPD) die Lage auf den den Punkt.

Diplomatisch drückte sich Klärwerks-Betriebsleiter Uwe Gerdes aus. „Die Politik sieht eine Beteiligung an der KNRN Hildesheim skeptisch.“ Mit einer Ausschreibung für die Zeit ab Januar nächsten Jahres sei der Druck einer raschen Entscheidung genommen. Man könne jetzt in Ruhe Perspektiven suchen. Anders als bei der letzten Ausschreibung, als die Klärschlamm-Abnahme frei verhandelt werden musste, sei jetzt allmählich ein Wettbewerb entstanden, der mehrere Angebote erwarten lasse. Diese Sichtweise fand Zustimmung in der Politik. Rasmus Grobe (Grüne) etwa: „Ein gutes Vorgehen.“

Brüchig ist der Burgfrieden dennoch. Das deutete sich schon bei der Frage nach dem kommenden Ausschreibungstext an. Die Politik forderte ein Mitspracherecht. Olaf Kluckuhn (CDU): „Eine Reihe von Entsorgungen kommen in Frage, die Rückgewinnung der nutzbaren Bestandteile genauso wie eine Verbrennung oder ein Ausbringen in der Landwirtschaft. Außerdem sollte die Transport-Distanz ein Thema bleiben.“ Er schlage vor, die Bewertungsmatrix werde im Ausschuss noch einmal vorgestellt. Ein solches Vorgehen lehnte der Betriebsleiter ab. „Das ist ein Geschäft der laufenden Verwaltung.“

Zumindest thematisch wird die Verbrennungsanlage Hildesheim noch einmal nach Verden zurückkehren. Politik und Klärwerksleitung vereinbarten eine Diskussionsrunde mit Gegnern und Befürwortern. Aber bei der Besetzung des Podiums drohten sich schon wieder die Geister zu scheiden. Jens Richter (CDU) forderte, nicht nur Hildesheimer Nabu und BUND einzuladen, beide hatten der Verbrennungsanlage zugestimmt, sondern auch der Bürgerinitiative Raum zu geben. Grobe ging noch einen Schritt weiter. Generell müsse das Spektrum an Einschätzungen möglichst vollständig abgedeckt werden, er plädiere sogar für den Einsatz eines Fachbüros, das die Möglichkeiten der Klärschlammverwendung auslote. Dietmar Teubert (SPD) schlug die Besichtigung einer der neuen Klärschlamm-Anlagen vor.

Die Auswirkungen ahnte Betriebsleiter Gehrdes jetzt schon. „Es wird zeitlich eng.“ Er mahnte eine Entscheidung an, die Gebührensicherheit stehe auf dem Spiel. Kurzzeitig wackelten die 2,68 Euro, die gegenwärtig pro Kubikmeter Schmutzwasser zu zahlen sind, sogar jetzt schon. Allerdings verständigte man sich aus nachvollziehbaren Gründen zunächst darauf, das Jahresminus von rund 204 000 Euro vom Eigenkapital abzuknapsen. Erstens habe das Corona-Jahr zu besonderen Kosten geführt, unter anderem durch die Team-Trennung, und zweitens habe die Kläranlage ein Plus gemacht. Erst durch die obligatorische Abführung der 525 000 Euro an die Stadt Verden sei es zum Minus gekommen. Generell aber, auch das wurde deutlich, sei die „Gebührenrücklage weitgehend abgeschmolzen“. Klartext: Weit entfernt ist eine Gebührenerhöhung nicht.

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