Reaktion auf Kritik an Einsatzkräften

20 Fußballfelder in Flammen: Feuerwehr liefert Fazit zu Bränden an der Bahnlinie

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Der Zugang zu den einzelnen Bränden erwies sich am Freitag als gar nicht so einfach.

Verden - Nach dem Großeinsatz von mehr als 500 Feuerwehrleuten aus vier Landkreisen, bei dem entlang der Bahnlinie zwischen Rotenburg und Eystrup zahlreiche Brände gelöscht werden mussten, hat die Feuerwehr drei Tage später ein umfassenden Fazit abgegeben. Darin nennt sie konkrete Zahlen zur Größe der betroffenen Flächen und reagiert auf Kritik, der Einsatz sei nicht schnell genug angelaufen.

Die zahlreichen Wald- und Flächenbrände im Landkreis Verden erstreckten sich auf einer Länge von rund 290 Kilometern, teilte Feuerwehr-Sprecher Dennis Köhler am Montag in einer umfangreichen Pressemeldung mit. Die Einsatzkräfte seien demnach teilweise bis spät in den Abend hinein, teils aber auch die ganze Nacht hindurch bis zum Samstagmittag aktiv gewesen, um alle Glutnester zu löschen.

Die Brände erstreckten sich insgesamt auf eine Fläche von mehr als 100.000 Quadratmetern - das entspricht umgerechnet der Fläche von fast 20 Fußballfeldern.

Anfänglich gingen nur einzelne Anrufe von Anwohnern zu zwei Flächenbränden, einer im Bereich Dauelsen und einer im Bereich Holtum (Geest), ein. Bereits auf der Anfahrt der Einsatzkräfte wurde den Feuerwehrleuten ein deutlich größeres Ausmaß des eigentlichen Brandereignisses erkenntlich, sodass umgehend Großalarm für die kreiseigenen Einsatzkräfte ausgelöst wurde, berichtet Köhler. 

Wasser aus dem Güllefass

Im Bericht heißt es weiter: „Zusätzlich wurden der Feuerwehrflugdienst des Landesfeuerwehrverbandes sowie zwei Polizeihubschrauber zur Lufterkundung angefordert. Bei dieser großflächigen Lageerkundung wurde das gesamte Ausmaß des Brandereignisses festgestellt und überörtliche Löschhilfe aus den umliegenden Landkreisen Heidekreis, Nienburg und Rotenburg angefordert.

Einige dieser Brände wurden durch Anwohner mit Gartenschläuchen in Schach gehalten. Andere aber lagen so weit abseits, dass eine Brandbekämpfung nur nach Herstellung eines Wasser-Pendelverkehres möglich wurde. Eine große Hilfe stellten dabei Landwirte dar, die ihre teils bis zu 30.000 Liter fassenden Güllefässer zum Wassertransport und zur direkten Brandbekämpfung zur Verfügung stellten. Diesen freiwilligen Helfern gebührt großer Dank für die tatkräftige und unerlässliche Hilfe.

Wasser aus einem Güllefass ist eine unschätzbare Hilfe bei Großbränden auf dem Land.

Enorme Schwierigkeiten bereiteten der Feuerwehr dagegen die Löschversuche durch Anwohner auf Bahnschienen, die sich bei noch laufendem Bahnverkehr in Lebensgefahr begaben. Hier musste insbesondere zu Beginn des Einsatzgeschehens zuerst für die Sicherheit der auf den Bahngleisen löschenden Privatpersonen gesorgt werden, bevor mit den eigentlichen Löscharbeiten begonnen werden konnte. Erst nachdem die bereits auf Anfahrt durch die Feuerwehr angeforderten Streckensperrungen durch die Deutsche Bahn schriftlich bestätigt wurden, war ein gefahrloses Betreten der Bahnanlagen für die Löscharbeiten möglich.“

Feuerwehr-Sprecher reagiert auf Kritik

Auf die „vereinzelt“ geäußerte Kritik an dem zu Beginn langsamen Vorgehen der Einsatzkräfte reagierte Dennis Köhler mit einer Darstellung der Abläufe, die auch am Freitag getroffen wurden. 

„Einsätze dieser Größenordnung werden einerseits zentral durch eine überörtliche Einsatzleitung der Priorität nach koordiniert und entsprechend abgearbeitet, sodass beispielsweise der Brand in der Nähe einer Tankstelle eine höhere Priorität genießt.“

Andererseits moniert Köhler, dass sich die Einsatzkräfte teilweise die Anfahrt zu den Einsatzstellen erkämpfen oder suchen mussten, da vielfach lieber die Brände von Schaulustigen gefilmt wurden anstatt die Einsatzkräfte einzuweisen oder ihnen entsprechend die Zufahrt zu ermöglichen.

Appell zur umsichtigen Hilfe und gegen Gaffer-Aktionen

Auch die Sperrung der B27 und der B215 im Bereich der Ortschaften Dauelsen und Walle sowie die daraus resultierende Kritik greift Köhler auf: Die Sperrungen seien wegen einer massiven Rauchentwicklung, dem vielfältigen Kräfteaufgebot und der umfangreichen Wasserversorgung nötig geworden. Die teils hitzig geführten Diskussionen behinderten sogar die dringend bei der Brandbekämpfung benötigte Einsatzkräfte, merkte Köhler in seinem Fazit an.

Die B27 musste im Verlauf des Tages mehrfach teilweise und komplett gesperrt werden. 

Im Namen seiner Kollegen appellierte Dennis Köhler an alle Bürgerinnen und Bürger, sich bei Löschversuchen nicht in Lebensgefahr zu begeben. „Die Feuerwehren sind wie die Vielzahl aller Hilfsorganisationen in großen Teilen freiwillig und ehrenamtlich organisiert. Es sind Frauen und Männer, die ihre Freizeit für die Sicherheit ihrer Mitbürger opfern.“

Und weiter: „Den Feuerwehrleuten die ohnehin schwierigen Rettungs- und Löscharbeiten noch weiter durch mangelndes Verständnis oder bloße Neugier zu erschweren, entspricht nicht dem uneigennützigen Verständnis der Hilfsorganisationen. Zeigen sie allen Einsatzkräften die Anfahrt zu Einsatzstellen, weisen sie sie in die Lage ein und zeigen sie ein wenig Verständnis für deren Arbeit und die dafür notwendigen Maßnahmen.“

Aufruf zur Mitarbeit als Freiwillige

Anstatt also die Arbeiten in einem Notfall zu behindern, ruft Köhler alle dazu auf, freiwillig organisierte Hilfsorganisationen wie Feuerwehr, DLRG, DRK, Johanniter oder THW, nicht nur vor Ort zu unterstützen. All jene seien zudem „ständig auf der Suche nach engagierten Frauen und Männern, die Dienst für ihre Mitmenschen leisten wollen. So können Sie selbst dazu beitragen, dass sie und ihre Mitmenschen schnelle und qualifizierte Hilfe in Notfällen erhalten.“

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