Gegen die Würdelosigkeit

FDP-Ratsfraktion regt Gedenkfeier für „einsame Tote“ an

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Nur ein paar Blumen und Grablichter in der Mitte des von Hecken und Bäumen gesäumten Rondells verraten das anonyme Urnenfeld in Dauelsen. 

Verden - Zwischen zehn und zwölf Menschen werden in Verden jedes Jahr auf einem anonymen Urnenfeld auf dem Dauelser Friedhof beerdigt. Nicht immer auf eigenen Wunsch. Etwa die Hälfte, so schätzt Heike Bartels von der Stadt Verden, seien sogenannte Sozialbestattungen für Menschen ohne jegliche Angehörige.

„Bis auf einen zuständigen Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung sind keine weiteren Menschen anwesend“, beschreibt Jürgen Weidemann die Atmosphäre einer solchen Sozialbestattung ohne Trauerfeier. Für ihn sei das würdelos, so der FDP-Ratsherr. Es erscheine ihm, als würde jemand verscharrt.

Im Namen seiner Ratsfraktion regt Weidemann daher an, in Verden eine „Gedenkfeier für die einsamen Toten“ einzuführen. Es gehe darum, ein Zeichen zu setzen, „dass die Gemeinschaft über den Tod hinausgeht“, formuliert es der Liberale.

Aktueller Anlass für das Schreiben der FDP ans Verdener Rathaus sei ein Bericht in einer Berliner Zeitung über anonyme Beerdigungen im Bezirk Reinickendorf gewesen, erklärt Weidemann auf Nachfrage. Rund 220 Menschen ohne Angehörige werden dort jedes Jahr „ordnungsbehördlich“ bestattet. Nun hat sich eine Gruppe von Menschen zusammengefunden, die fortan einmal im Jahr eine Trauerfeier für diese Toten organisiert.

Etwas Ähnliches stellen sich die Liberalen auch für Verden vor. „Nach dem Vorbild anderer Gemeinden regen wir an: Einmal jährlich findet auf einem zentralen Verdener Friedhof eine Gedenkfeier für diese Verstorbenen statt. (...) Es sollte Musik geben und die Namen der von der Stadt ordnungsbehördlich Bestatteten mit Geburts- und Sterbedaten verlesen werden“, heißt es in dem Schreiben. Auch einen religiösen, einen christlichen Bezug hält Weidemann persönlich für wünschenswert, stellt dies aber gerne zur Diskussion.

Für die Umsetzung sollte Bürgermeister Lutz Brockmann einen Kreis engagierter Bürgerinnen und Bürger gewinnen, so die Vorstellung der FDP, die auf die gute Vernetzung des Verwaltungschefs setzt. Und „so wie wir die Verdener Ratsmitglieder einschätzen, werden sich sicher auch Vertreter aller Fraktionen beteiligen“.

Die jüngste Anregung ist übrigens nicht der erste Vorstoß der Verdener FDP in Sachen Bestattungswesen. Dass die „einsamen Toten“ von Verden überhaupt in der Allerstadt ihre letzte Ruhe finden, führen die Liberalen ebenfalls auf einen Vorschlag ihrerseits zurück. So seien bis vor gut zehn Jahren Tote ohne Angehörige zwar in Verden verbrannt worden. Die Urne mit ihrer Asche sei dann jedoch auf dem Postweg zur Bestattung nach Delmenhorst verschickt worden, berichtet Weidemann.

Und auch die inzwischen zweimal im Jahr stattfindende Trauerfeier für Sternenkinder, die aufgrund ihres Alters nicht unter die Bestattungspflicht fallen, sowie die Einrichtung eines Begräbnisplatzes auf dem Verdener Waldfriedhof führen die Liberalen auf ihren Vorschlag zurück.    kp

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