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Erdgas bis zu 90 Euro teurer - im Monat

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Von: Heinrich Kracke

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Mann vor Regal mit Transportleitungen
Das Element, das durch gelbe Leitungen zum Verbraucher fließt, es wird auch in Verden teurer. „Die gesetzliche Umlage müssen wir draufschlagen“, sagt Stadtwerke-Chef Jochen Weiland (Bild). Der eigentliche Erdgaspreis soll bis zum Jahresende stabil gehalten werden. © Kracke

Stadtwerke: Preis bleibt bis Jahresende stabil, gesetzliche Umlage wird draufgeschlagen

Verden – Die Einschläge kommen näher, zuletzt drehte die EWE kräftig an der Preisschraube für Erdgas, aber der Verdener Stadtwerke-Chef bleibt dabei. „Wir haben festgelegt, bis zum Jahresende bleiben die Preise stabil. Und dazu stehen wir“, sagt Jochen Weiland auf Nachfrage. Teurer wird‘s dennoch. Die gesetzliche Umlage für die großen Gasimporteure wie Uniper kommt im Herbst, so viel steht fest, wahrscheinlich zum 1. Oktober, vielleicht auch erst zum 1. November.

Einsparung liegt bei acht bis zehn Prozent

Und diese Umlage wollen die Stadtwerke weitergeben. Erste Modellrechnungen liegen vor. Der normale Vier-Personen-Haushalt muss mit Mehrkosten von bis zu 90 Euro pro Monat schon in diesem Jahr kalkulieren. Gleichzeitig beginnt Verden bei der Energie zu sparen. Beim Erdgas liege der Verbrauch um acht bis zehn Prozent unter den Vorjahreszahlen. Angepeilt ist von der Bundesregierung ein Wert von 15 Prozent. Strom werde „marginal weniger“ abgesetzt, so Weiland. Unklar allerdings ein wenig, ob diese Einsparungen tatsächlich auf die Appelle zurückgehen. „Der zurückliegende Winter ist nicht sonderlich kalt ausgefallen.“

Viele erhöhen ihre Monatspauschalen

Weitere Mehrkosten drohen ab dem Jahreswechsel. Sowohl beim Erdgas als auch beim Strom werde draufgeschlagen, erklärt Weiland. Genauere Angaben könnten allerdings nicht gemacht werden. Erste Modellrechnungen bestehen auch hier. Und erste Dimensionen ebenfalls. Eine Verdoppelung der aktuell zu zahlenden Energiekosten gilt als nicht völlig unwahrscheinlich. Erste Verbraucher reagieren bereits jetzt. „Wir erhalten eine Vielzahl Anrufe, die Menschen wollen ihre Monatspauschalen erhöhen“, sagt Weiland. Mal seien es 50 Euro, mal 100 Euro, die monatlich zusätzlich abgebucht werden.

„Wir geben die Umlage 1:1 weiter“

Noch allerdings liegt vieles im Nebel. Der Bundeswirtschaftsminister hielt sich zuletzt vage. Die Gasumlage für den Herbst gibt er mit 1,5 bis 5 Cent pro Kilowattstunde und Monat an. Bundeskanzler Olaf Scholz sprach zuletzt von zwei Cent. Eine Entscheidung werde Mitte August erwartet. Bis dahin sollen Streitpunkte ausgeräumt sein. Mit wieviel Wochen Vorlauf können Stadtwerke die Gasumlage umsetzen? Weiterhin mit sechs Wochen, oder doch nur mit einer, wie es die Verbände fordern? Haben die Verbraucher auch noch die Umsatzsteuer auf die Gasumlage zu stemmen? Davon hänge ab, so Weiland, welchen Preis die Stadtwerke weiterleiten.

Auf jeden Fall solle mit dieser Umlage keine versteckte Gaspreis-Anpassung einher gehen. „Wir geben die Umlage 1:1 weiter, nicht mehr, aber auch nicht weniger“, so Weiland. Alles eine zeitlich vorübergehende Maßnahme? Laut Gaspreisanpassungsverordnung läuft die Umlage bis April 2024.

Im Herbst 35 Prozent des Jahresverbrauchs

Ganz so einfach ist es aber doch nicht. Das Problem: Dieser Aufschlag wird für einen Zeitraum erhoben, in dem ohnehin der Verbrauch höher liegt. „Rund 35 Prozent des Jahresverbrauchs entfallen auf das vierte und letzte Quartal“, so Weiland. Die Monatspauschale sei also nochmals nach oben zu korrigieren. Generell haben Haushalte mit einem Gasverbrauch von 20 000 Kilowatt im Jahr bei einem Umlagesatz von 1,5 Cent mit 27 Euro mehr pro Monat zu rechnen, bei einem Satz von 5 Cent sind es 91 Euro mehr.

Noch befinden sich die Verdener Gaspreise auf Vorjahresniveau. 7,1 Cent sind je Kilowattstunde auf den Tisch des Hauses zu blättern. Andere Versorger haben längst kräftig ausgeholt, kleinere wie größere. Die Stadtwerke Rotenburg etwa erhöhten zum 1. Juli von 12,19 auf 16,84 Cent. Die EWE gab in der laufenden Woche bekannt, zum 1. Oktober von 13,17 Cent auf 14,99 Cent zu erhöhen.

Wie lange halten die Verdener Preise?

Die große Frage nun: Wie lange lassen sich die Verdener Wohlfühl-Preise durchhalten? Droht den Stadtwerken die wirtschaftliche Schieflage? Weiland verweist auf eine sehr solide Führung, man habe eine hohe Eigenkapitalquote und wenig Verbindlichkeiten. „Wir sind gut aufgestellt.“ Allerdings zeichneten sich dunklere Wolken ab. „Mit den steigenden Preisen drohen uns Zahlungsausfälle.“ Aktuell sei das noch nicht der Fall, die Situation bezeichnet er als normal, aber: „Die Zeiten werden nicht einfacher.“

Gewiss, die Menschen müssen Erdgas sparen, sie werden Erdgas sparen, um der Kosten Herr zu bleiben, ob das alles jedoch reicht, ist unklar. „Vieles hängt davon ab, welche Mengen tatsächlich aus Russland kommen.“

Ruhigeres Fahrwasser 2023 erwartet

Aktuell deute vieles darauf hin, in diesem Winter mit einem blauen Auge davonzukommen. „Die Gasspeicher sind immerhin schon zu 70 Prozent gefüllt.“ Wie der folgende Winter gemanagt werde, stehe indes noch in den Sternen. Erst danach dürfte dann ausreichend Flüssigerdgas zur Verfügung stehen, um unabhängig zu sein von russischen Lieferungen. Schon im kommenden Jahr erwarte er allerdings klarere Verhältnisse. Weilands Prognose für 2023: „Wir kommen in ruhigeres Fahrwasser.“

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