Engagierten Helfern ist es zu verdanken, dass es jetzt Krötennachwuchs gibt

„Das ist ein tolles Netzwerk“

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Torben und Tom (neun Jahre) haben begeistert mitgeholfen, Amphibien einzusammeln, waren aber auch manchmal erschrocken, wie schnell die Autos an ihnen vorbei rasten.

Landkreis - Von Erika Wennhold. Amphibien sind wandernde Arten. Wenn im Frühjahr Temperatur und Luftfeuchtigkeit stimmen, machen sie sich auf den Weg zum Ablaichen. Und ab jetzt haben sie ein Problem: Um zu den bevorzugten Gewässern zu kommen – vom Teich bis zur größeren Pfütze – müssen Erdkröte und Co. Straßen überqueren, was sie in Massen tun. „Würden wir keine Schutzzäune aufstellen, wäre eine Amphibienpopulation ausgestorben“, erklärt Antje Mahnke-Ritoff, Biologin beim Landkreis Verden.

Um so mehr freut sie sich, dass es viele Ehrenamtliche gibt, die jedes Jahr aufs Neue zwölf Kilometer Schutzzaun, den die Naturschutzbehörde angeschafft hat, betreuen. Ihnen ist es zu verdanken, dass sich auf abgelegenen Feldwegen in diesen Tagen der Nachwuchs beobachten lässt, der sich weniger massiv auf Wanderschaft begibt. Um geschützte Arten wie Molche, Frösche oder Kröten – auf der Roten Liste stehen die stark gefährdete Kreuzkröte, der Kammmolch, die Knoblauchkröte und der Moorfrosch – zu erhalten, legen sich die Naturschützer enorm ins Zeug. An stark frequentierten Schutzzäunen müssen Amphibien morgens und abends eingesammelt und über die Straße getragen werden. Das können insgesamt bis zu 5000 Kröten sein, wie zum Beispiel in Lehringen. Die meisten Molcharten wurden an den Gustav-Welge-Teichen in Groß Sehlingen eingesammelt. Jährlich werden um die 10000 Amphibien an 16 Straßenabschnitten im Landkreis gerettet, in diesem Frühjahr waren es sogar weit mehr.

Das beruhigt Biologin Mahnke-Ritoff nur wenig. Sie weiß, dass Lebensraum für Frosch, Kröte und Molch immer mehr eingeschränkt wird, durch die Umwandlung von Grünland in Ackerland, Heckenrodung oder den Verlust von Brachflächen. Geeignete Pflegemaßnahmen für Teiche, die durch Sand- oder Kiesabbau entstanden sind, hält Mahnke-Ritoff deshalb für um so wichtiger: „Verfüllungen, Aufforstungen oder Fischbesatz verhindern das Überleben der Kreuzkröte.“ Es gebe in dieser Hinsicht bereits eine gute Zusammenarbeit zwischen den Flächeneigentümern und dem Landkreis. Sorgen bereitet ihr eine Negativentwicklung an einem der bisher bedeutendsten hiesigen Laichplätze: den so genannten Waller Flachteichen, die durch Bodenabbau einst entstanden waren und jetzt zunehmend trocken fallen. Auch hier könnte durch ehrenamtliches Engagement wie es Nabu oder BUND seit Jahren praktizieren, gegengearbeitet werden – immer in Absprache mit dem Eigentümer, betont die Biologin.

Mahnke-Ritoff: „Man darf Arten oder Artenvielfalt nicht nur nach Nützlichkeiten werten. Alles hängt mit allem zusammen.“ Genau wie sie sehen das jene, die inzwischen zu „einem tollen Netzwerk“ gehören: Privatpersonen, Umweltschutzorganisationen und interessierte Kinder, die sich beim Landkreis melden, um in ihrer Nachbarschaft beim Fröschesammeln zu helfen, wie zum Beispiel in Luttum im Bereich der Röthaller oder im Waldkindergarten Thedinghausen, Am Adligen Holze. Dort hat sich die Population deutlich verbessert, seit Kinder und Eltern Schutzzäune betreuen.

Wie ernst die Naturschutzbehörde den Amphibienschutz nimmt, erkennt man an einer Maßnahme, die im nächsten Jahr zum erstenmal umgesetzt wird. An durch den Straßenverkehr für die Sammler gefährlichen Stellen wie an der Landesstraße 171 Richtung Kirchlinteln soll es für den Zeitraum der Krötenwanderung eine Geschwindigkeitsbegrenzung geben.

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