Einwohner feiern 900-jähriges Jubiläum

Im Jahr 1117 wurde die Ortschaft Eissel erstmals urkundlich erwähnt

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Günter Palm gab gestern Vormittag im Festzelt einen Einblick in die bewegte Geschichte des Dorfes Eissel.

Verden-Eissel - 1117, also vor genau 900 Jahren, wurde die Ortschaft Eissel erstmals urkundlich erwähnt. Dieses Jubiläum feierten die Einwohner am Wochenende ausgiebig.

Joachim Hustedt, Hauptorganisator der vom Heimatverein, dem Förderverein und der Feuerwehr auf die Beine gestellten Feierlichkeiten, konnte am Sonntagvormittag viele Gäste, darunter auch ehemalige Eisseler, auf dem Festplatz begrüßen. Die Grußworte sprachen Jutta Sodys, Ortsbürgermeisterin von Dauelsen und Eissel, sowie Bürgermeister Lutz Brockmann. Anschließend gab Günter Palm einen interessanten Einblick in die Dorfgeschichte.

Den ersten Hinweis auf „Esle“ gibt es in einer Urkunde von 1117, in der ein Gütertausch unter dem Verdener Bischof Mazo beschrieben wird. Eissel gibt es zwar mit Sicherheit schon viel länger, es fehlt jedoch der Nachweis. „Die Entstehung des Ortes liegt in dunkelgrauer Vorzeit“, berichtete Palm. So seien auf den Äckern des Esches rund 500 steinzeitliche Funde geborgen worden.

Hochwasser ist Dauerthema

Hochwasser war in Eissel schon immer ein Thema. Deshalb machten die Fluten das Dorf regelmäßig zu einer Insel. Es gab nur den Ausweg auf der Deichkrone bis nach Deischschröder, wo der gemeindeeigene Kahn lag. „Viele von uns werden sich noch an ihre Kindheit erinnern, als wir mit einem schwarz geteerten Holzkahn übergesetzt wurden, um unsere Schule in Verden zu besuchen“, so Palm. 

Joachim Hustedt (im Hintergrund) konnte viele Gäste zu den Feierlichkeiten in Eissel begrüßen.

In den zurückliegenden Jahrhunderten gab es viele verheerende Überschwemmungen. Durch Deichbauten sei versucht worden, den Tücken der Aller und Weser besser zu begegnen. Die umfangreichsten Baumaßnahmen erfolgten im 19. Jahrhundert.

Im Laufe seiner Geschichte wurde auch Eissel häufig in kriegerische Wirren hineingezogen. Palm nannte einige markante Daten. So wurde der Ort 1550 im Schmalkadischen Krieg vollständig niedergebrannt. 1625, im 30-jährigen Krieg, besetzte der dänische König das Stift Verden, die dänische Armee verschanzte sich zwischen Halsmühlen und Eissel. 1633 besetzten die Schweden das Bistum. 

In Eissel wurden viele Höfe zerstört. 1803 brach die Fremdherrschaft der Franzosen auch über Eissel herein, die Franzosen hausten mit Rauben und Plündern, so die Überlieferung. 1812 nahm der Eisseler Hinrich Rau als Korporal an Napoleons Russlandfeldzug teil und kam dabei ums Leben. In der nachfolgenden Zeit der Befreiungskriege drangen die Russen bis nach Eissel vor. 

Acht Kosaken wurden in Nr. 10. einquartiert. Ihr Appetit war wohl enorm, in nur acht Tagen sollen sie eine ganze Kuh verzehrt haben. Am Ersten Weltkrieg nahmen insgesamt 43 Eisseler Männer teil, im Zweiten Weltkrieg waren es 22, von denen acht fielen.

Von Hungersnöten und Pest

Doch nicht nur der Krieg brachte Leid nach Eissel. 1330 suchte eine Hungernot das Dorf heim, und 1608 raffte die Pest viele Menschen dahin. Am 24. März 1814 brach ein großer Brand in Eissel aus, der das halbe Dorf in Schutt und Asche legte. Wegen eines Hochwassers konnten die Helfer aus den Nachbargemeinden nicht kommen.

Auch an die Dorfschule, die vor genau 50 Jahren geschlossen wurde, erinnerte Palm. Erstmals erwähnt wurde sie in einer Schulakte von 1690. In der „Reihenschule“ hielt der Lehrer nach einem Plan in verschiedenen Häusern des Dorfes den Unterricht ab. Das erste Schulhaus wurde 1818 gebaut. Durchschnittlich 20 bis 30 Kinder wurden hier unterrichtet. 

40 Jahre bis zu seinem Tod 1897 war Hinrich Cordes als Schulmeister für die Erziehung und Schulausbildung der Eisseler Kinder verantwortlich. Letzter Dorfschullehrer in Eissel war Ludwig Fricke, übrigens der Enkel Hinrich Cordes. Am 30. Juni 1967, der Tag an dem auch die Dorfschule Eissel aufgelöst wurde, wurde Ludwig Fricke aus dem Schuldienst verabschiedet.

Noch 1957 war Eissel stark von der Landwirtschaft geprägt. Heute gibt es nur noch wenige Höfe, die Landwirtschaft im Vollerwerb betreiben. Dennoch sei der typische Dorfcharakter bis heute erhalten geblieben, betonte Palm. „Nicht zuletzt ist es die Dorfgemeinschaft selbst, die die Werte der Vergangenheit achtet und die Verbundenheit zu unserer Heimat, unserem Eissel, bewahrt.“

ahk

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