Verdener gedenken der Opfer des Nationalsozialismus

„Das dunkelste Kapitel der Geschichte nicht vergessen“

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Zahlreiche Menschen legten am Gedenktag Blumen an das Mahnmal.

Verden - Am Sonnabend jährte sich zum 73. Mal die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau durch sowjetische Truppen. Die Erinnerung daran dürfe jedoch nie enden, so eine Forderung des früheren Bundespräsidenten Roman Herzog. Und weil Herzog die Überzeugung vertrat, dass es ohne Erinnerung weder Überwindung des Bösen noch Lehren für die Zukunft gibt, wurde 1996 auf seine Initiative der 27. Januar zum „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ ausgerufen.

Alljährlich wird auch in Verden am Gedenktag mit einer von der Bläsergruppe des Verdener Posaunenchors musikalisch umrahmten Feierstunde am jüdischen Mahnmal der Millionen Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Es werden Blumen zum Gedenken wie zur mahnenden Erinnerung an der Steele hinter dem Rathaus niedergelegt. „In Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung und erstarkender Fremdenfeindlichkeit sind Gedenktage wie dieser wichtig“, betonte Superintendentin Elke Schölper, die sich gegen jede Form von Hetze und Rechtspopulismus aussprach. Auschwitz sei Synonym für millionenfachen Mord, für die Perversion des Menschlichen.

Schölper sprach von Bildern, die sie sich vor ihrem geistigen Auge vorstelle. Bilder, die sie erstmals als Schülerin gesehen habe. Bilder von ausgemergelten Gestalten in einem KZ, Bilder von Baggern, die mit Schaufeln Leichen zusammenschieben, Bilder von an Zugrampen ausharrenden Menschen, nichts von ihrem Schicksal ahnend. Bilder von Menschen, all ihrer Würde beraubt. Schölper: „Für mich ist es unfassbar, was Menschen anderen angetan haben und dass dies Geschichte unseres Volkes ist.“

Verfolgung und Ausgrenzung auch in Verden 

Auch in Verden sei dies, wie anderswo auch, geschehen, sprach Schölper weiter und wies auf die Verfolgung und Ausgrenzung insbesondere von Juden aber auch von anderen Minderheiten hin. Sie sprach die Überzeugung vieler Bürger von der NSDAP an und davon, wie die Ereignisse bis heute nachwirkten. Gerade deshalb, so die Superintendentin,, sei es so bedeutend, dieses dunkelste Kapitel deutscher Geschichte nicht zu vergessen, sondern sich zu erinnern und daraus Lehren zu ziehen.

Sie verwies dabei auf diesbezügliche Initiativen im Landkreis wie das Netzwerk Erinnerungskultur. Doch es reiche nicht aus, die Opfer zu beweinen oder Dokumente und Relikte aus jener Zeit zu sammeln und zu bewahren. „Es braucht mehr. Es geht darum, Zusammenhänge aufzudecken und so zu hinterfragen“, sagte Elke Schölper. Deshalb sei es so wichtig, eine Form des Erinnerns zu finden, die auch in die Zukunft wirke und der Gefahr der Wiederholung entgegenwirke.

„Selber morden gehn – und das ist geschehn“

Ihre beeindruckende Ansprache beendete Schölper, indem sie zwei Strophen des Liedes „Ach, die erste Liebe“ von Wolf Biermann nach einem Gedicht des georgischen Russen Bulat Okudshava zitierte. Darin heißt es: „Ach, der erste Krieg – da ist keiner schuld, und beim zweiten Krieg – da hat einer schuld, doch der dritte Krieg – ist schon meine Schuld, ist ja meine Schuld, meine Mordsgeduld. Ach, der erste Verrat – kann aus Schwäche geschehn, und der zweite Verrat – will schon Orden sehn, doch beim dritten Verrat – mußt du morden gehn, selber morden gehn – und das ist geschehn. Schluss.“ - nie

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