„Arbeiten in Verden nur unzureichend ausgeführt“

Doppeltes Breitband: Anwohner genervt

Baustelle mit vielen Kabeln.
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Viele Baustellen, eine Meinung: Das Verlegen doppelten Breitbands beginnt Anwohner zu nerven.

Verden – Aus versehen irgendwo einen Graben gebuddelt, Pflastersteine nur wellig dorthin zurückgelegt, wo sie kurz zuvor aufgenommen wurden. Die Lage auf dem heiß umkämpften Glasfasermarkt in der Stadt Verden hat eine nächste Eskalationsstufe erreicht. In der Kritik steht der Goliath unter den Breitbandanbietern, die Glasfaser Nordwest. Die Stadt Verden schaltete sich inzwischen ein, Anwohner wundern sich nur noch, erste Kommunalpolitiker reagierten entrüstet.

Derweil äußert sich das Oldenburger Unternehmen gelassen. Gleichzeitig setzen die beiden Wettbewerber, neben dem Joint Venture aus Telekom und EWE auch die Verdener Firma Bungalski (T-M-Net) ihre Erdarbeiten unvermindert fort. Überlagert wird der scharfe Wettbewerb zudem durch ein Urteil des Düsseldorfer Oberlandesgerichtes aus dem September, das der Glasfaser Nordwest die kartellrechtliche Genehmigung zum Glaserfaserausbau entzog.

Den Startschuss zu einer turbulenten Woche gab die Stadtverwaltung Verden. In sozialen Medien postete sie, im Rathaus seien Nachrichten über teils mangelhafte Ausführungen beim Verlegen von Glasfaserkabeln im öffentlichen Straßenraum eingegangen. Im Rahmen regelmäßig durchgeführter Überprüfungen vor Ort mit den verantwortlichen Beteiligten seien diese Ausführungsfehler ebenfalls aufgefallen. Darum teile die Stadt jetzt mit: „Die dafür verantwortliche, nicht ortsansässige Firma ist an der weiteren Verlegung nicht mehr beteiligt. Die festgestellten Mängel werden dokumentiert und im Zuge der weiteren Bauarbeiten beseitigt.“

Bis in die Oldenburger Zentrale sind diese Vorgänge offenbar nicht vorgedrungen. „Unserem Ausbaupartner und uns liegen aktuell keine solcher Meldungen vor“, erklärt Ausbauleiterin Kim Bonnes auf Nachfrage dieser Zeitung. Alle Ausbaumaßnahmen würden in den aktuellen Gebieten Verden Plattenberg und Dauelsen-Ost fortgeführt.

Das können Anlieger bestätigen. Sie reagieren allmählich genervt. „Jetzt ist unser Grundstück schon zum zweiten Male innerhalb weniger Tage schwer zugänglich und die Zufahrt stark eingeschränkt“, stellt etwa der Dauelsener Rainer Wagner fest. Ob das denn sein müsse? Er habe einen der Vorarbeiter zur Rede gestellt. Das Gespräch gibt Wagner folgendermaßen wieder: „Der Polier sagte, er hat auch darauf hingewiesen. Ihm sei beschieden worden, er solle sich um seine Sache kümmern.“ Superschnelles Internet sei zwar wichtig, urteilt Wagner, aber hier würden Ressourcen vergeudet. „Die Manpower könnte woanders besser genutzt werden, und dass Baufahrzeuge für ein und dieselbe Maßnahme gleich zweimal Diesel verbrennen – muss das sein?“ Inzwischen steht fest: Sie werden sogar dreimal Diesel verbrauchen. Die schadhaften Bau-Ausführungen sind ja auch noch auszumerzen.

Gleichzeitig entbrennt ein Ringen um jeden Einzelkunden, und das mit aller Härte. Man könne zwar zu den Auftragszahlen aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nichts sagen, heißt es von der Glasfaser-Nordwest. Die offizielle Vorvermarktung sei aber erfolgreich über die Vermarktungspartner zum 1. Oktober gestartet. Offener präsentiert sich der Verdener Marco Bungalski von T-M-Net. „Unser Ausbau Los 1 Dauelsen ist fast abgeschlossen. Die ersten Kunden sind online, täglich werden zwei bis drei Hausanschlüsse hergestellt und die Glasfaseranschlüsse anschließend in Betrieb genommen.“ Auch das „Los 2 Innenstadt“ sei gestartet und werde Ende des Jahres abgeschlossen.

Unklar noch, mit welcher Intensität der Wettbewerb Goliath gegen David fortgesetzt wird. Während die Glaserfaser Nordwest bisher nur von Dauelsen und dem Plattenberg schreibt, geht Bungalski bereits in die nächste Runde. Dessen ehrgeizige Pläne: „Der Ausbau weiterer Stadtteile folgt im kommenden Jahr. Ziel ist es, die Kernstadt samt den Ortsteilen Eitze, Borstel und (Alt-)Dauelsen vollständig per Glasfaser bis Ende 2022 zu versorgen. Entsprechende Anträge sind bereits bei der Stadt Verden gestellt.“ In anderen Bereichen könne er Vollzug melden: „Die Verdener Gewerbegebiete sind vollständig versorgt.“

Säbelrasseln aber auch beim Wettbewerber. Das Düsseldorfer Kartellurteil durchkreuze die Pläne keineswegs, heißt es. „Glasfaser Nordwest wird weiter ausbauen dürfen. Das Urteil ändert aktuell nichts an den Aktivitäten. Glasfaser Nordwest, EWE und Telekom stehen vollumfänglich zu den Ausbauzusagen und zu der freien Anbieterwahl,“ so Ausbauleiterin Bonnes. Für die Kunden gebe es keine Veränderungen, da EWE und Telekom die Verfügbarkeit der FTTH-Produkte weiterhin garantierten.

Auf regulierende Eingriffe seitens der Behörden können die Unternehmen nicht setzen. Die Bundesnetzagentur vergibt das sogenannte Wegerecht zum Verlegen der Glasfaserkabel an jeden, der das technische Knowhow vorweisen kann, über eine entsprechende Zertifizierung verfügt und seine finanzielle Leistungsfähigkeit dokumentiert. Auch die Stadtverwaltung schreitet nicht schützend generell, sondern allenfalls bei Ausbaufehlern ein. „Die Arbeiten müssen in der Weise ausgeführt werden, wie sie beantragt und genehmigt wurden“, heißt es aus dem Rathaus.

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