Vollsperrung bis September und Sanierung für 450.000 Euro

Brücke am Thingplatz: Allerhöchste Eisenbahn

Die Brücke über die Bahn in Dauelsen, Am Thingplatz.
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Immer mehr Schäden und Abplatzungen: Die Brücke über die Bahn in Dauelsen, Am Thingplatz, wird voll gesperrt und muss dringend saniert werden.

Verden – Die Brücke in Dauelsen, die die Straße Am Thingplatz über die Schienen bringt, braucht eine Rundum-Erneuerung. Der Putz bröckelt, die Fahrbahn rissig und, sehr gefährlich, es drohen Platten auf die Gleise zu fallen. Es ist buchstäblich allerhöchste Eisenbahn. „Ab dem 14. Juni wird vollgesperrt. Dann kommt, bis auf die Rettungskräfte, keiner mehr über das Bauwerk“, erklärt Stephanie Weber von der Stadtverwaltung. Geschätzte 450.000 Euro kostet die Sanierung.

Sanierung der Brücke am Thingplatz für 450.000 Euro

Wer auf der Brücke steht, der braucht nicht lange zu suchen, um zu verstehen, dass dringend etwas passieren muss. Abgeplatzte Bordsteine, die den Blick in das Innere des Bauwerks freigeben und zugleich deutlich machen: Nicht nur dem Beton geht’s schlecht. „Auch die Bauteile in der Brücke, die Bewährungen aus Eisen, korrodieren und müssen ausgetauscht werden“, sagt Stephanie Weber. Die beidseitigen Fuß- und Gehwege, die sogenannten Kappen der Brücke, kommen dafür komplett runter und neu wieder drauf. Aber damit nicht genug. Dem Patienten geht es auch drumherum gar nicht gut. Wer einen Blick über das Geländer auf die Gleise wirft, der sieht angehängte Betonplatten, ein circa ein Meter breiter Sims. „Die Sicherung vor Hochspannung und zugleich Fallschutz“, weiß Weber. Ohne diesen Vorbau wurde früher keine Brücke gebaut.

Auch die Bauteile in der Brücke, die Bewährungen aus Eisen, korrodieren und müssen ausgetauscht werden

Früher, das ist allerdings Jahrzehnte her. Die Platten sind ebenfalls brüchig, werden ersatzlos abgerissen. Abgesichert bleibt das Bauwerk danach trotzdem. Das Geländer auf der Brücke wird zu beiden Seiten auf einer Länge von circa zehn Metern ausgetauscht und durch eine transparente Wand aus Kunststoff ersetzt. Circa 1,80 Meter hoch, kaum zu überwinden und zugleich der Schutzwall gegen die dahinterliegende Hochspannung.

Strecke Bremen-Hannover: Um an der Brücke zu arbeiten und ohne Risiko Bauteile austauschen zu können, dürfen zeitweilig keine Züge fahren

Blick auf die Gleise: Die Platten hinter dem Gitter sind ebenfalls marode.

Die Stadt als Eigentümer der Anlage hätte die Arbeiten schon längst in Angriff genommen. Doch der Teufel steckt im Detail der Planung, die eng mit der Deutschen Bahn koordiniert werden muss. „Um an der Brücke zu arbeiten und ohne Risiko Bauteile austauschen zu können, dürfen zeitweilig keine Züge fahren“, so Weber. Die Strecke Hannover-Bremen freizuhalten, fällt der Bahn jedoch schwer. „2018, 2019 und 2020, es gab keine ausreichenden Sperrphasen, in denen wir die Sanierung hätten durchführen können“, berichtet Weber. Sie ließ allerdings nicht locker und hatte für das laufende Jahr 2021 Glück. „Wir haben jetzt die Zusage für die notwendigen Zeitspannen. Der Plan steht.“ Allerdings nur, solange die Bahn nicht die Hand hebt, um bei Überlastungen anderer Strecken Züge umzuleiten. „Auch das kann uns passieren“, so Weber.

Durch die Erschütterung auf der Brücke können sich möglicherweise Platten lösen und auf die Schienen fallen

Trotz der schwierigen Terminplanung, untätig war die Stadt im Vorfeld nicht. Seit vergangenem Sommer können Autos nur noch einspurig über die Brücke. Auch das eine Vorsichtsmaßnahme. „Wir wollten auf jeden Fall verhindern, das Autos im Begegnungsverkehr gegen die Kantsteine fahren, durch die Erschütterung sich möglicherweise Platten lösen und auf die Schienen fallen“, erklärt Stephanie Weber.

Im vergangenen Sommer fiel auf der Strecke Münster-Osnabrück eine solche Platte auf die Gleise

Die Sorgen und der damit verbundene Druck, die Brücke zu sanieren, sind nicht unbegründet. „Im vergangenen Sommer fiel von einem ähnlichen Bauwerk in Nordrhein-Westfalen, auf der Strecke Münster-Osnabrück, eben eine solche Platte auf die Gleise“, weiß Weber. Westbevern, so schrieben damals die Zeitungen, sei knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt. Züge befanden sich zum Zeitpunkt des Unglücks zwar nicht mehr auf dem betroffenen Streckenabschnitt. Einer hatte aber noch rund sechs Minuten zuvor die Stelle passiert. Personen wurden nicht verletzt.

Auch der Sims auf der gegenüberliegenden Seite wird komplett abgerissen.

Verden-Dauelsen: Ab Montag, 14. Juni, ist die Brücke komplett gesperrt.

Zweifelsohne besteht dringend Handlungsbedarf. Mit Folgen für das Umfeld. Ab Montag, 14. Juni, ist die Brücke komplett gesperrt. Weder aus Richtung Achimer Straße noch von der anderen Seite, aus dem Sachsenhain, können Autos, Fahrräder oder Fußgänger den Bereich passieren. Eine Ausweichstrecke über den Tunnel Knippsande beziehungsweise den Mühlenweg ist ausgeschildert. Da allerdings größere Fahrzeuge sowohl Tunnel als auch Mühlenwegsbrücke nicht passieren können, werden sie, wenn höher als drei Meter und schwerer als 3,5 Tonnen, über die Eisseler Straße und den von dort abzweigenden Wirtschaftsweg umgeleitet. „Das gilt aber nur für diese Fahrzeuge, für alle anderen nicht“, betont Stephanie Weber. Um Begegnungsverkehr zu vermeiden, soll von Eissel aus auf dem Wirtschaftsweg In der Marsch Richtung Dauelsen, von Dauelsen aus Richtung Eissel auf dem Weg Große Kuhweide gefahren werden.

Gebaut wird an der Brücke voraussichtlich bis Anfang September.

Gebaut wird an der Brücke voraussichtlich bis Anfang September. Ob die Stadt mit der kalkulierten Summe hinkommt? „Wir hoffen darauf, doch so eine Brücke ist manchmal eine Wundertüte“, sagt Stephanie Weber.

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