Landesweite Aktion löst Wirrwarr aus

Verdener Eltern mit Trick zur Schülerimpfung

Jugendlicher wird geimpft
+
Der 15 Jahre alte Morris (l.) ist kein Einzelfall. Immer mehr Jugendliche unter 18 Jahren werden geimpft. Jetzt löst eine Kampagne der Landesregierung Irritationen in der Region aus.

Verden/Achim – Ist der Kreisverwaltung die Sonntagsruhe mehr wert als der Corona-Schutz junger Leute? Diese und ähnliche Meinungen machten die Runde, als gestern eine Sonderaktion des Landes Niedersachsen durchsickerte. Kultus- und Sozialministerium kündigten für kommenden Sonntag eine Erstimpfung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren an. 23 Impfzentren landesweit öffnen mit je mehr als 1000 Biontech-Seren die Tore. Der Landkreis Verden gehört nicht dazu. Landrat Peter Bohlmann wehrt sich auf Nachfrage. „Unser Impfzentrum ist kommenden Sonntag vollständig ausgelastet, die Termine stehen seit langem fest.“

Die Ursache liegt zwölf Wochen zurück. Am 24. und 25. April, einem Sonnabend und einem Sonntag, wurden im Containerdorf vor dem Kreishausportal rund um die Uhr mehrere hundert Erst-Immunisierungen mit Astrazeneca verabreicht, gleichzeitig nahmen die Menschen den Termin für ihren zweiten Pieks mit: den 17. und 18. Juli. „Das können und wollen wir nicht alles wieder über den Haufen werfen“, sagt der Landrat. Er wundere sich, so Bohlmann, über die Zeitplanung des Landes.

Gleichzeitig warben beide Ministerien mit einer Mail an die Schulen für die Schülerimpfung, die Lehranstalten gaben das Schreiben an die Eltern weiter, auch im Landkreis Verden. Die europäische Gesundheitsbehörde habe das Biontech-Serum für 12- bis 17-Jährige zugelassen, heißt es in dem Papier. In Deutschland werde es noch lediglich unter anderem für Kinder mit Vorerkrankungen empfohlen, aber diese Empfehlung könne sich in absehbarer Zeit ändern. Die Entscheidung, ob eine Impfung erfolgen solle, liege ganz allein bei den Erziehungsberechtigten.

Worte, die ihre Wirkung offenbar nicht verfehlten. „Ich hab‘ meinen Sohn gleich angemeldet“, berichtet etwa die Verdenerin Jutta Kunze. Allerdings habe es eines Kniffs bedurft. „An der Hotline muss man einen Mitarbeiter erwischen, der das System austricksen kann.“ Er müsse eine Adresse aus dem Einzugsbereich des jeweils teilnehmenden Impfzentrums angeben, dann klappe es mit dem Termin, so denn noch einer frei sei.

Alles kein Einzelfall. „Allein aus meinem Bekanntenkreis ist mir ein halbes Dutzend Eltern bekannt, die fix eines der Schüler-Impfzentren herausgeknobelt und sich dort angemeldet haben“, sagt etwa Silke Garbelmann, Vorsitzende des Kreiselternrates. Über soziale Medien habe die Kunde die Runde gemacht. Gewiss, eine ganze Reihe Eltern stehe der Impfung junger Leute skeptisch gegenüber, so Garbelmann, noch nicht ausreichend erprobt, so die Elternratsvorsitzende, vor allem bei den Langzeitfolgen lägen wenig Erkenntnisse vor, aber sie, sagt Garbelmann, sie persönlich finde eine solche Initiative sehr gut.

Womöglich kann ihr geholfen werden. Man werde die Resonanz der Schüleraktion beobachten und darauf reagieren, kündigt Landrat Bohlmann auf Nachfrage an. Er erwarte ein genaues Bild, immerhin beteiligten sich 54 Prozent aller Impfzentren, darunter jene in Nienburg, Osterholz und Delmenhorst. Sollte sich das Interesse bestätigen, wolle er kurzfristig auch die Schulen ins Boot holen. Denkbar seien konzertierte Aktionen mit, vielleicht sogar in den Einrichtungen.

Allerdings verweise er auch auf die Möglichkeit, junge Leute unter 18 Jahren könnten sich über die ganz normale Warteliste ins Verdener Impfzentrum begeben. Diese Liste sei stark abgeschmolzen, es stünden für kommende Woche nach einer Erhebung von gestern noch 860 Personen darauf, und der Anteil der Jüngeren steige rapide. „Zwei Drittel gehören aktuell dem Kreis der Altersklasse von 12 bis 18 Jahren an, exakt 560 Personen.“

„Erst Impfen, dann die Ferien genießen“ heißt der Slogan, mit dem beide Ministerien die Werbetrommel für den kommenden Sonntag rühren. Zudem finde die zweite Impfung noch vor dem Schulstart statt, was zusätzliche Sicherheit bringe. Gedanken, denen die Elternratsvorsitzende aus dem Kreis Verden eine Menge abgewinnen kann, wie sie sagt. „Für den Schulstart sind zwar eine Reihe von Schutzmaßnahmen angekündigt, Lüfter zum Beispiel in Aulen und Klassenräumen, aber ob sie dann auch wirklich zur Verfügung stehen, ist noch unklar. Überall drohen Lieferengpässe.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Apotheke ohne Kundschaft

Apotheke ohne Kundschaft

Apotheke ohne Kundschaft
Gut die Hälfte kommt mit dem Bus zur Schicht

Gut die Hälfte kommt mit dem Bus zur Schicht

Gut die Hälfte kommt mit dem Bus zur Schicht
Knotenpunkt-Kreisen schafft Ordnung am Burgberg

Knotenpunkt-Kreisen schafft Ordnung am Burgberg

Knotenpunkt-Kreisen schafft Ordnung am Burgberg
Mehr Freiheiten bei höherer Inzidenz

Mehr Freiheiten bei höherer Inzidenz

Mehr Freiheiten bei höherer Inzidenz

Kommentare