An der Südbrücke kamen Händler über die Aller in die Stadt

Verdens Geschichte spannend erzählt: Der vergessene Schatz an der Furt

Im Schatten der Südbrücke und des mächtigen Doms: Hier könnten sich über eine angespülte Sandbank die Handeltreibenden schon vor Jahrtausenden den Weg in die Stadt gesucht haben.
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Im Schatten der Südbrücke und des mächtigen Doms: Hier könnten sich über eine angespülte Sandbank die Handeltreibenden schon vor Jahrtausenden den Weg in die Stadt gesucht haben.

Verden – Die Möglichkeit, an der Fluss-Seite Verdens die Aller zu überqueren, hat schon lange vor unserer Zeitrechnung Menschen bewegt, hierher zu kommen. Wo heute die Brücken ein leichtes Überfahren oder Überwandern des Flusses zulassen, war durch eine Laune der Natur so viel Sand angeschwemmt worden, dass eine Furt entstand. Sie war namensgebend für die Stadt Verden!

Archäologische Funde im Uferbereich beweisen, das sich hier Händlerwege kreuzten. Sie führten an die Küste oder in das südliche Hinterland; kamen von Skandinavien gezogen und führten weiter bis letztlich ans Mittelmeer. Die Verdener Furt war Teil eines europäischen Wegenetzes, das zumeist durch unbevölkerte und unwirtliche Gegenden führte.

Bronzebeile aus dem Historischen Museum, hergestellt weit vor Christi Geburt.
  • Museumsleiter Dr. Björn Emigholz schreibt Geschichten zur Geschichte Verdens
  • Schon weit vor Christi Geburt standen Handelsreisende vor der Aller
  • Brücken gab es an der Aller nicht
  • Der Fund von Bronzebeilen gibt Rätsel auf und lässt den Historiker spekulieren
  • Eine Begegnung an der Aller in rabenschwarzer Dunkelheit

Im Historischen Museum Domherrenhaus sind Bronzebeile ausgestellt, die Jahrhunderte vor Christi Geburt hergestellt worden sein müssen. Eigenartigerweise lassen sich daran keine Gebrauchsspuren finden und die Exemplare lagen alle dicht beieinander. Der Fachmann spricht hier von einem „Hortfund“, das heißt, es wird angenommen, dass die Werkzeuge tatsächlich nie in Gebrauch waren, sondern zusammen von Händlern versteckt wurden, um sie vielleicht ein Jahr später wieder mitzunehmen und zu verkaufen. Marktregulierung sagt man heute dazu: Knappe Güter lassen sich teurer verkaufen.

Dr. Björn Emigholz.

Hatte der Händler die Beile an der Aller in Verden vergraben?

Dass die Beile jedoch in der Gegenwart geborgen werden konnten, beweist, dass ihr Eigentümer sie nie abgeholt hat. Hatte er damals das Versteck einfach vergessen – aber welcher Händler weiß nicht mehr, wo seine Ware sich befindet? – Oder war er, aus welchen Gründen auch immer, nicht in der Lage gewesen, die kostbaren Beile wieder an sich zu nehmen?

Im dichten Unterholz war das kleine Lagerfeuer kaum auszumachen. Es sollte auch niemanden anlocken hier in der Wildnis, sondern eher durch seinen Rauch abschrecken. Denn die undurchdringlichen Wälder Norddeutschlands waren der natürliche Lebensraum von Wolf, Bär und Luchs und man wusste nie, wie eine Begegnung mit denen am Ende ausgehen würde. An dem Feuer saß ein Mann und briet sich Stücke vom Dachs, dessen Schwarte an einem Gestell aus Zweigen aufgespannt und dem Feuer zum Trocknen zugewandt war. ‚Wenigstens satt und warm hab‘ ich es für die Nacht’, dachte sich der Mann. ‚Dass die Wälder auch so endlos sind! ’

Geschichten zur Geschichte

In der Serie „Kleine Geschichten zur Geschichte“ schreibt Dr. Björn Emigholz für unsere Zeitung. Er verknüpft Fantasie mit Wirklichkeit, schildert Ereignisse, wie sie sich im Laufe der Jahrtausende abgespielt haben könnten. So wurden Dokumente aus dem Stadtarchiv, Exponate aus dem Domherrenhaus oder einfach uns heute befremdlich scheinende Umstände zur Inspiration kleiner Geschichten.

Händler macht Pause in dichten Wäldern nahe der Aller

Schon seit vielen Jahren zog er als Händler auf seinen Wanderungen durch diese wilden Gegenden, immer auf der Suche nach den wenigen Behausungen und Siedlungen, wo den Menschen an seinen Waren gelegen sein konnte. Er hatte sich früh auf Werkzeuge aus Metall spezialisiert. Denn die waren sehr rar, aufwendig in der Herstellung und dennoch leicht zu transportieren, jedenfalls, sofern man ein geeignetes Lasttier dabei hatte. Er und sein zähes Pony! Was hatten sie alles gesehen und erlebt! Doch seine Reise sollte bald zu Ende gehen; der Händler wollte sich an einem schönen Plätzchen zur Ruhe setzen. Denn die endlosen Wanderungen über Stock und Stein hatten ihn krumm werden lassen; Wind und Wetter ließen ihn seit neuesten mit dem Husten gar nicht mehr aufhören und in kalten Nächten spürte er in den Gliedern ein deutliches Reißen.

‚Nur noch zwei Tagesreisen, dann habe ich es zur Furt geschafft’, schmunzelte der Mann in sich hinein. ‚Dann die sechs vergrabenen Beile aus ihrem Versteck geholt und weiter Richtung Norden! ’ Dort wartete man schon auf seine Waren. Mit etwas Glück traf er an der Furt, viele Wege kreuzten sich dort immerhin, auch einen anderen Händler, der ihm einen guten Preis für die Beile zahlen wollte. Dann könnte er sich den Rest des Weges sparen.

Irgendetwas näherte sich aus der Dunkelheit dem Feuer

Ein kurzes Schnauben seines Ponys riss ihn aus diesen angenehmen Gedanken. Das Tier und er waren ein eingespieltes Team. Einer von beiden wachte stets und so war ihm schlagartig klar, dass er nicht mehr allein war. Irgendetwas oder jemand näherte sich dem Lagerfeuer.

Der Händler zog sein Beil und den Dolch

Reflexhaft schnell rollte sich der Mann aus dem Lichtkreis des Feuers, dabei einen Dolch und ein Beil aus dem Gürtel reißend!

Ruhig, ruhig! Ich bin keine Gefahr!“ Mit diesen leisen Worten trat eine menschliche Gestalt in den Feuerschein. Ein Mann war es. Er trug einen großen Mantel aus Fellen als Wetterschutz, einen derben Knüppel als Wanderstock und im Gesicht eine fürchterliche Narbe; sonst jedoch keinerlei sichtbares Gepäck.

„Und warum schleichst du dich in der Dunkelheit heran?“, fragte der Händler, noch immer vorsichtig, aus dem Schatten heraus. „Ich wollte mich nicht anschleichen; sah nur von weitem das Feuer und wollte erst einmal sehen, wer es gemacht hat. Die Götter allein wissen, wer in diesen ewigen Wäldern an Unholden und Wölfen auf vier oder zwei Beinen so hausen mag!“

„Da sagst du was“, antwortete der Händler, indem er ebenfalls in den Schein des Feuers trat. Dabei achtete er darauf, dass der Fremde seine Waffen sah.

Der Händler lädt den Fremden an sein Feuer

„Setz dich und iss vom gebratenen Fleisch, wenn du Hunger hast! Und hier, das hilft gegen die Kälte!“ Damit warf er dem Fremden eine Flasche aus Leder zu, die er von seinem Gürtel gelöst hatte. Geschickt fing der Fremde die Flasche auf.

„Saft aus Beerenfrüchten, vergoren und schäumend; stark und wärmt die Knochen!“, schnalzte der Fremde genießerisch, als er schnuppernd den Verschluss öffnete und goss sich einen langen Strahl davon in die Kehle. „Habt Dank!“

(wird fortgesetzt)

Von Dr. Björn Emigholz

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