Dichter Bewuchs am Fluss sorgt für Diskussion / Rücksicht auf Naturschutz

Verden an der Aller: Aber keine Aller in Sicht

Das Flussufer der Aller ist an vielen Abschnitten zugewachsen.
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Besucher, Bäume, Büsche und keine Aller zu sehen. Das Flussufer ist an vielen Abschnitten zugewachsen.

Verden – Den Fluss gefühlt näher an die Stadt holen. Das ist der Plan mit der Erweiterung des Allerparks. Sogar Stufen sollen bis an das Ufer reichen. Im Jahr 2024 könnte alles fertig sein in Verden an der Aller. Und heute? Verden ja, aber den Fluss, den sieht man gar nicht mehr!

Es war eine muntere Diskussion, die im Fachausschuss Straßen und Stadtgrün am Mittwochabend im Rathaus und damit sehr nahe der Aller in Gang kam. Die Stadtkante, die Pläne für den dritten Bauabschnitt des Allerparks, der mit Fördermitteln des Bundes von circa 1,25 Millionen Euro umgesetzt werden soll, fanden durchweg Zustimmung in allen Fraktionen. Daumen hoch für die „AllerSommerfrische“, je schneller desto besser, hieß es.

Wo ist der Fluss? Aller in Verden ein touristisches Highlight

Doch schon mal beim Thema, machten sich die Ausschussmitglieder im Geiste auf den Weg entlang des Flusses, wie er sich heute darstellt. Jürgen Moje (CDU) ist dort aufgewachsen, kennt die Aller seit 70 Jahren. „Es ist ein touristisches Highlight“, sagt er. „Aber seit zweieinhalb Jahren sehe ich den Fluss nicht mehr“, so seine Kritik. „Klar, im Allerpark, da gibt’s die eine oder andere Lücke, aber wer Richtung Fährstraße und weiter bis zur Eisenbahnbrücke läuft oder radelt, der sieht kaum Wasser, sondern nur Gebüsch.“

Unterwegs am Alleruferweg: Auf Zehenspitzen ist die Aller in Sicht.

Mit dem Rad ist regelmäßig Wolfgang Hammer (SPD) auf der Strecke unterwegs. Der Ortsbürgermeister aus Döhlbergen-Rieda macht ähnliche Erfahrungen, muss dabei vorbei an dichten Sträuchern. „Die Sichtfenster, die es einmal gab, gibt es nicht mehr. Wir sollten nicht jeden Strauch und Busch erhalten, sondern die Menschen an den Fluss bringen. Das klappt in Bremen auch.“ Johanna König (Grüne) versuchte den Spagat zwischen Natur und öffentlicher Nutzung. „Wir haben mit dem Allerpark schon eine große Fläche freigeben können. Das ist schon eine hohe Qualität“, betonte König. „Wir brauchen eine Mischung aus Erholung und Naturschutz.“

An der Aller in Verden: Können und dürfen nicht alles machen

Daran anknüpfend verwies Bürgermeister Lutz Brockmann auf die besondere, aber auch privilegierte Lage, in der sich Verden befinde: „In den Allerwiesen sammeln sich verschiedenste Tierarten, darunter sehr seltene Vögel. Wir leben in einem europäischen Vogelschutzgebiet mit einer besonderen Natur vor Augen. Da können und dürfen wir nicht alles machen, was wir wollen.“

In den Allerwiesen in Verden sammeln sich verschiedenste Tierarten

Einmal in Fahrt, versuchte es Wolfgang Hammer mit ein wenig Sarkasmus. „Die Vögel kommen auch deshalb, weil Menschen ihr Toastbrot in den Fluss werfen.“ Hammer stellte sich auf das andere Ufer der Aller, wo normalerweise kaum jemand steht. „Da ist alles frei, stehen kaum Sträucher, beste Aussicht. Da geht das also.“

Die Vögel kommen auch deshalb, weil Menschen ihr Toastbrot in den Fluss werfen.

Naturschutz ja, aber letztendlich stehen in der Stadt auch die Menschen im Vordergrund, gab Jürgen Luttmann zu bedenken. Er sitzt als Vertreter der Naturschutzverbände in dem Gremium. „Wir sollten nahe der Stadt dafür sorgen, dass die Bewohner die Natur sehen. Dann lernen sie, diese auch zu schätzen“, sagte Luttmann.

Aussichtslos ist der Vorschlag für mehr Blick auf die Aller nicht. Es gebe zwischen Park und Eisenbahnbrücke sowie in die andere Richtung durchaus noch Spielraum, die Sichtfenster weiter zu öffnen, signalisierte Bernd Kiefer. Der städtische Umweltbeauftragte versprach, Kontakt mit dem Landkreis aufzunehmen. „Infolge der Witterung sind in den vergangenen Monaten Sträucher nochmals stark nachgewachsen. Wir werden im Herbst und Winter prüfen, was wir dort machen können“, versprach Kiefer.

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