Eine Blechpfeil und blinken in der Rechtskurve

Unterwegs mit der Fahrschule: Hohe Leuchte und das Rätsel der Tiefgarage

Blick aus der Tiefgarage (l.) der Stadthalle in Richtung Hohe Leuchte. Ist die Kreuzung frei, darf – siehe grüner Pfeil – bei Rot nach rechts gefahren werden.
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Blick aus der Tiefgarage (l.) der Stadthalle in Richtung Hohe Leuchte. Ist die Kreuzung frei, darf – siehe grüner Pfeil – bei Rot nach rechts gefahren werden.

Verden – Wer etwas lernen möchte, oder auch nur die Regeln im Straßenverkehr ein wenig auffrischen will, der sollte von der Bremer Straße mit dem Auto in die Hohe Leuchte abbiegen. Mit Fahrlehrerin Sabine Deutsch am Steuer gibt es, trotz Maske vor dem Gesicht, allerlei neue Erkenntnisse. Auch die Antwort auf die Frage, welche Rolle ein sogenannter Blechpfeil spielen kann, löst sich ganz am Ende der Straße auf.

Der Start ist zweifellos entspannt. Also, Maske auf, anschnallen nicht vergessen und ab die Post. Aber kein Kavalierstart, der ist mit Fahrlehrerin Sabine Deutsch nicht zu machen – vorbildlich. Und da wir grade beim Thema sind. „Eine Fahrlehrerin mit Auto im Straßenverkehr, die steht doch unter ständiger Beobachtung? Also, an jeder Stelle blinken, jedes Hindernis ordnungsgemäß anzeigen?“, macht sich der Beifahrer schlau. Sabine Deutsch widerspricht nicht, macht aber auch deutlich: „Das ist alles Routine und nehme ich aus meinem beruflichen Alltag mit, auch wenn ich alleine im Auto sitze.“ Ganz klar, Vorbildfunktion. Wer lässt sich auch schon gerne von einer Schülerin oder einem Schüler korrigieren, ist doch verständlich.

Tempo 30 in der Hohen Leuchte ist Pflicht.

Jetzt geht’s aber erst mal rechts ab, von der Bremer Straße in die Hohe Leuchte. Die Ampel grün, Radfahrer von vorn, ups, noch ein Fußgänger, sagt der Blick nach hinten über die Schulter. Vorbildlich. Der Beifahrer guckt mit, will was sagen, braucht er aber nicht. So, nun aber bisschen flotter, auf der Hohen Leuchte, möchte man meinen. Kommt aber nix. „Tempo 30, also Fuß vom Gas“, sagt Sabine Deutsch. Dann kommen die ersten Hindernisse, parkende Autos, die die Fahrbahn ganz schön schmal machen – Blinker an, Blinker aus, immer wieder ausweichen. Und nicht den entgegenkommenden Verkehr aus den Augen verlieren, außerdem herrscht rechts vor links und da ist schon die Rechtskurve, wo es zudem nach links in die Ludwigstraße geht. Sabine Deutsch bleibt mit dem Auto auf der Hohen Leuchte und blinkt nach rechts, also in der Kurve. „Wieso denn das überhaupt, blinken in der Kurve?“ Die Antwort steht am Straßenrand auf einem Schild: „Abknickende Vorfahrt.“ Na ja, sieht nicht jeder, blinkt auch nicht jeder, muss aber wohl sein!

Es muss in der Kurve geblinkt werden.

Weiter mit Tempo 30, auch wenn ein nachfolgendes Auto durchaus schneller möchte. Sabine Deutsch ist da, genau, vorbildlich. Beifall vom Beifahrer, zumal von rechts ein Fahrzeug aufbiegt. Wie gesagt, der hat Vorfahrt. Und außerdem nähert sich der Fahrschulwagen einem Hochrisikogebiet: „Achtung, Schule“. Schilder auf der Straße und am Straßenrand, nicht jeder begreift das. „Hier ist wirklich allerhöchste Vorsicht geboten“, weiß die Fahrlehrerin. „Schon Tempo 30 kann zu schnell sein, wenn Kinder auf die Straße laufen“, so Deutsch. Auf Höhe der Schule springt eine Ampel auf Rot. Mutter und Kind wechseln die Straßenseite. Das war einfach und sicher für alle Beteiligten, darauf verlassen sollte man sich, in der Nähe der Schule, aber eben nicht.

Sicher gehen: Die Ampel hilft über die Straße.
Klare Ansage: Schulkinder kreuzen die Fahrbahn.

Circa 500 Meter lang, dann endet die Hohe Leuchte an der Kreuzung Lindhooper Straße. Und es wird spannend, weil sich nachfolgend das Rätsel des Blechpfeils auflösen sollte. Hat Sabine Deutsch versprochen. Vorher hält sie an der Ampel, weil die auf Rot steht. Gegenüber blicken Fahrerin und Beifahrer in den Schlund der Tiefgarage des E-Centers. „Da fahren wir jetzt rein“, kündigt Deutsch an. Klingt fast ein bisschen bedrohlich. Aber gut, die Ampel Grün, Deutsch fährt geradeaus, hat Vorfahrt und alle entgegenkommenden Fahrzeuge müssen warten. In der dunklen Höhle ist es dann überraschend taghell. Alle Lampen an. Einmal um den Pfeiler und zurück zur Ausfahrt. „Das ist jetzt für einen ungeübten Fahranfänger nicht so leicht zu lösen“, sagt Deutsch und fährt in die rechte Spur der Ausfahrt. Die Ampel steht auf Rot, aber Deutsch stoppt nur kurz und rollt einfach weiter. Der Beifahrer staunt über das vermeintliche schlechte Vorbild, aber die Lehrerin zeigt nach ober rechts. Da ist er, der grüne Pfeil, der nach rechts zeigt und einem alle Optionen – auch bei Rot – lässt. „Der Blechpfeil eben“, sagt Deutsch. Sie hat recht, weil der Pfeil nicht leuchtet, sondern aus Blech ist. Das nimmt ihm – gefühlt – an Respekt. Und soll auch – ein bisschen – so sein. „Wenn die Ampel rot zeigt, darf ich trotzdem nach rechts fahren, aber nur, wenn die Kreuzung leer ist“, erklärt Deutsch. Tja, und dann steht sie da, die Ampel rot, und rollt ein bisschen nach vorn, um zu gucken, ob die Kreuzung frei ist. Problem allerdings ist, wer nach vorne rollt, der sieht nicht, ob die Ampel von Rot auf Grün springt. Da heißt es, beim Blechpfeil ordentlich die Giraffe, also den langen Hals, machen. Klappt aber mit dem Abbiegen, weil die Kreuzung frei wird und sich alles in Wohlgefallen und unfallfrei auflöst.

„Fahrschüler in der Prüfung hätte ich aber nicht sein wollen“, gebe ich ehrlich zu. „Normalerweise fahren wir dann auch nicht in die Tiefgarage“, sagt Sabine Deutsch. Das wiederum ist – so finde ich – fair und vorbildlich.

Blick in die Tiefgarage an der Kreuzung Lindhooper Straße.

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