Verlängerung der Mauer zwischen Reeperbahn und Nordbrücke / Auch Blick auf das Fischerviertel

Stadt Verden: Schutz gegen Jahrhunderthochwasser

Wenn die Aller über die Ufer tritt: Hochwasser im Verdener Fischerviertel
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Wenn die Aller über die Ufer tritt: Die Stadt muss sich in den kommenden Jahren Gedanken über den wirksamen Schutz gegen Jahrhunderthochwasser machen. Das letzte Ereignis liegt Jahrzehnte zurück, hier ein Blick in die 1980er-Jahre.

Verden – Wenn alle Dämme brechen, die Aller über die Ufer tritt, dann kann es in Verdens Innenstadt nass werden. Dass Dämme brechen, dürfte eher unwahrscheinlich sein, Land unter hingegen nicht. Der Abschnitt Allerpark, zwischen Süd- und Nordbrücke, ist besonders gefährdet. Aber auch das malerische Fischerviertel. Soweit soll es nicht kommen. „Daher müssen wir vorbeugen“, erklärt Rainer Kamermann, Fachbereichsleiter Straßen und Stadtgrün. Die Stadt hat ein Fachgutachten eingeholt.

Der Abschnitt Allerpark, zwischen Süd- und Nordbrücke, ist besonders gefährdet.

Stück für Stück will man sich entlang der Aller gegen ein außergewöhnliches hundertjähriges Ereignis wappnen. Experten sprechen von einem sogenannten HQ100. Wie ein Schutz aussieht, ist bereits entlang der Reeperbahn zu sehen. Eine Mauer, bis zu einem Meter hoch, soll das Hochwasser daran hindern, in die Stadt zu laufen. Steigt es höher als die Mauer ist, kann mobil aufgerüstet werden. Allerdings hat das System noch Lücken. „Die Mauer endete an der Einmündung zur Straße Blumenwisch, spätestens ab da würde das Wasser im Extremfall seinen Weg in die Stadt finden, weil es einfach drumherum läuft“, so Kamermann.

Wie ein Schutz aussieht, ist bereits entlang der Reeperbahn zu sehen.

An der Reeperbahn steht der Schutzwall, getrennt durch eine Hecke vom Allerpark.

Notwendig ist die Verlängerung der Mauer von der Reeperbahn entlang des Alleruferweges

An dem Punkt wollen die Planer daher zeitnah andocken, im Laufe des Jahres 2022. „Notwendig ist die Verlängerung der Mauer von der Reeperbahn entlang des Alleruferweges“, erklärt Stephanie Weber. Etwa 200 Meter dürfte der Abschnitt von der Kreuzung bis Höhe Nordbrücke lang sein. Gebaut werden soll, das steht bereits fest, wie an der Reeperbahn. „Die Mauer wird sich von ihrer Höhe dem leicht ansteigenden Gelände in Richtung Nordbrücke anpassen, dabei dementsprechend immer niedriger werden und gegen Ende auslaufen“, schildert Stephanie Weber. Da, wo verkehrsbedingt Lücken bleiben, zum Beispiel die Einmündung zwischen dem Gebäude der Lebenshilfe und ehemals Sanitär Meyer, dem künftigen Gerichtsgebäude, wird im Ernstfall mit mobilen Einheiten gearbeitet.

Blick über das Gelände der Stadtkante in Richtung Aller: Ungefähr da, wo die Autos parken, soll die Mauer stehen.

Verden: Lückenschluss zwischen Allerpark und Südbrücke

Und noch eine – vergleichsweise kleine – Lücke gilt es in die andere Richtung, zwischen Allerpark und Südbrücke zu schließen. Das Bauwerk nimmt seinen Anfang an der bereits bestehenden Mauer in Höhe Thöles Hotel, wird dann im rückwärtigen Bereich Gebäude und Parkplatz abgrenzen, um so das Wasser im Park zu halten. Das Gelände mit dem mehrstöckigen Wohnblock „Allerblick“ bleibt von der Mauer unberührt. Das Gebäude gelte angesichts der exponierten Lage als nicht hochwassergefährdet.

Baubeginn des Hochwasserschutzes im Jahr 2013 im Bereich Allerpark/Reeperbahn.

Hochwasserschutz für Flussabschnitt von Eitze bis Dauelsen

Durch den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küstenschutz und Naturschutz (NLWKN) wurde für die Aller die Hochwassergefahrenkarte für ein hundertjähriges Hochwasser HQ100 veröffentlicht. Darin wird dokumentiert, dass Bereiche der Stadt, insbesondere am Weststrand der Innenstadt, durch Extremereignisse überschwemmt werden können. In der Vergangenheit gab es bereits mehrfach Hochwasser, die Teile des Stadtgebietes überschwemmt und zu erheblichen Schäden geführt haben. Als Voraussetzung für Anträge auf Landesfördermittel hat die Verwaltung im vergangenen Jahr ein Fachgutachten zum Hochwasserschutzkonzept für den Flussabschnitt von Eitze bis nach Dauelsen erstellen lassen. Die Planungskosten wurden zu 70 Prozent aus Landesmitteln gefördert. Mit dem Hochwasserschutzkonzept besteht für die Stadt in den kommenden Jahren die Möglichkeit, bei der Umsetzung der Maßnahmen ebenfalls 70 Prozent gefördert zu bekommen.
Die Empfehlungen aus dem Fachgutachten sollen unter breiter Beteiligung der Ortsräte und Bürger beraten und entschieden werden.

Hochwasserschutz im Verdener Fischerviertel

Anders sieht es im weiteren Verlauf Richtung Bollwerk und Fischerviertel aus. Zwischen Südbrücke und der Eisenbahnbrücke in Eitze haben die Bewohner in den vergangenen Jahrhunderten gelernt, mit dem Hochwasser zu leben. Immer mal wieder trat die Aller aus ihrem Bett und lief über das Bollwerk in die Kleine und Große Fischerstraße, wo die Bewohner dann mit Booten statt zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs waren. Immer wieder hat es auch Diskussionen um das Für und Wider eines Hochwasserschutzes gegeben. Wie genau eine Lösung gegen ein sogenanntes HQ100 aussehen würde, ist noch Zukunftsmusik. „Eine Umsetzung, so viel ist sicher, kann nur gemeinsam mit Bewohnern und Eigentümern erfolgen“, so Kamermann. Eine meterhohe Mauer komme mit Blick auf die dahinter wohnenden Menschen sicherlich nicht infrage.“

Eine Umsetzung kann nur gemeinsam mit Bewohnern und Eigentümern erfolgen

Denkbar sei eher eine mobile Lösung, die dem besonderen Stadtbild gerecht werde und dennoch für das Fischerviertel mit seinen zahlreichen Baudenkmalen einen wirksamen Hochwasserschutz biete.

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