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Abwasser-Betrieb in Verden unter neuer Leitung

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Von: Katrin Preuß

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Vor zwölf Jahren übernahm Uwe Gerdes (Mitte) die Leitung des Eigenbetriebes Abwasserbeseitigung. Bürgermeister Lutz Brockmann (r.) stellte jetzt Rüdiger Meß als dessen Nachfolger vor.
Vor zwölf Jahren übernahm Uwe Gerdes (Mitte) die Leitung des Eigenbetriebes Abwasserbeseitigung. Bürgermeister Lutz Brockmann (r.) stellte jetzt Rüdiger Meß als dessen Nachfolger vor. © Preuß

Stabwechsel beim Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung in Verden: Rüdiger Meß übernimmt die Leitung, Uwe Gerdes geht in den Ruhestand.

Verden – Stabwechsel beim Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung in Verden. Im Laufe des Dezembers beginnt für Uwe Gerdes die sogenannte passive Phase der Altersteilzeit. Die Führung des Klärwerks mit all ihren technischen Anlagen, mit der Personalverantwortung und der wirtschaftlichen Leitung hat der 63-Jährige bereits jetzt in die Hände seines Nachfolgers Rüdiger Meß übergeben.

Der 52-jährige Umwelttechniker macht sich bereits seit Oktober mit den Abläufen des Betriebes vertraut. „Für die Stadt ist es gut, dass es so ein fließender Übergang ist“, freute sich Bürgermeister Lutz Brockmann bei der Vorstellung Meß’. Auch Uwe Gerdes zeigte sich damit sehr zufrieden, bleibt ihm doch nun noch Zeit, den Schreibtisch in Ruhe leer zu räumen. Als er zum 1. Januar 2011 die Leitung übernommen habe, sei das anders gewesen, erinnerte er sich.

Als Uwe Gerdes, wie sein Nachfolger aus Bremen, seinen Posten in Verden antrat, beendete er damit eine neunmonatige Vakanz. Glücklicherweise habe er schon seinerzeit auf eine gute Führungsmannschaft zurückgreifen können, erinnerte er sich an diese Zeit der Einarbeitung.

Ein Betrieb von großer Bedeutung für die Bevölkerung

„Wir klären das für Sie“, schreibt der Eigenbetrieb auf seiner Internet-Seite. Ein Versprechen, das die große Bedeutung unterstreicht, die die Anlage für die Bevölkerung in der Stadt Verden und darüber hinaus für die Gemeinden Kirchlinteln und Langwedel hat. Die Abwasser aus den Haushalten und Unternehmen müssen buchstäblich im Fluss bleiben und sollen schließlich gereinigt in die Aller fließen, ohne Umwelt und Natur zu belasten.

Dafür müssen Betriebsleiter und sein mittlerweile 35-köpfiges Team nicht nur die Klärtechnik in der Weserstraße auf möglichst neuestem Stand funktionsfähig halten, sondern auch das umfangreiche Kanalnetz mit seinen Pumpen. All das rund um die Uhr, an sieben Tagen pro Woche. Das kostet. Von Jahr zu Jahr mehr.

Starker Anstieg der Investitionen

Seien in seinen ersten Verdener Jahren zwischen einer und drei Millionen Euro jährlich investiert worden, beliefen sich die Ausgaben inzwischen auf deutlich über zehn Millionen Euro, sagte Gerdes. Sicher seien die Baukosten gestiegen. Vor allem aber seien es die vielen neuen Herausforderungen und Rechtslagen, denen der Eigenbetrieb immer wieder begegnen müsse.

Beispiel Klärschlamm: Der fällt immer an, kann nach einer Novellierung der Düngeverordnung 2017 aber nicht mehr in großen Mengen an den Landwirt gebracht werden. Nun muss vor Ort mehr gelagert werden können. Dafür bedarf es weiterer Bauten. Das erste Projekt unter der Führung von Rüdiger Meß wird ab dem kommenden Jahr die Errichtung eines Schlammstapelbehälters sein.

Beispiel Energieversorgung: Als Uwe Gerdes, Diplom-Ingenieur mit Schwerpunkt Wasserbau, 2011 Betriebsleiter wurde, stand der Bau eines Blockheizkraftwerks an. Planungsreife hatte das Projekt, doch „von der technischen Realisierung her habe ich das komplett betreut“, so Gerdes.

Bis zu 75 Prozent ihres Strombedarfs deckt die Kläranlage über das BHKW. „Ein durchaus respektabler Wert“, so Uwe Gerdes. „Aber es geht noch mehr“, lenkte er den Blick auf nötige energetische Maßnahmen.

Wie sich der Eigenbetrieb in den kommenden Jahren aufstellt, ist im Konzept „Kläranlage 2030“ formuliert, das es nun unter der Führung von Rüdiger Meß nach und nach umzusetzen gilt. Im laufenden Betrieb. Auch der Bau einer neuen Faulanlage gehört zu dem Programm.

Erwachsen sei diese laut Bürgermeister Brockmann „wunderbare Arbeitsgrundlage“ aus der Havarie im Dezember 2017. Vor fünf Jahren waren im Keller besagter Anlage Tausende von Kubikmetern Klärschlamm ausgelaufen. „Vom Schaden zur Chance“, beschrieb Brockmann nun den Prozess der Erneuerung auf Basis des Konzeptes.

Wunsch nach mehr Verantwortung bedingt Job-Wechsel

Eine Aufgabe mit großer Verantwortung und daher eine, auf die sich Rüdiger Meß freut. Die vergangenen 13 Jahr war der 52-Jährige als Energiemanager bei der „hanseWasser“ tätig, gewissermaßen dem großen Bremer Pendant des Verdener Eigenbetriebs. Dort war der Umwelttechniker, Schwerpunkt Wasser/Abwasser, für die Bereiche Energie, Klimaschutz und Nachhaltigkeit zuständig, für das Zusammentragen und Auswerten von Zahlen und Daten, das Erarbeiten von Vorschlägen. „Darüber hinaus aber nicht mit der Verantwortung, die ich mir gewünscht hätte“, so Meß.

Viele Bewerbungen auf Ausschreibung der Stadt

Jetzt kann er sich als Betriebsleiter mit zusätzlich abgeschlossen Management-Studium beweisen. Seinen neuen Arbeitgeber hat er bereits von seinen Kompetenzen überzeugt. Auf die Stelle, so berichtete der Bürgermeister, habe es zahlreiche Bewerbungen gegeben.

Vorgänger Uwe Gerdes kann sich nun hingegen entspannt seinem Hobby, dem Segeln, widmen. „Abwasser interessiert mich aber nach wie vor“, kündigte er an, sich auch im Ruhestand mit der Thematik befassen zu wollen. Eine Ansage, der Rüdiger Meß mit Humor und einem Wunsch begegnete: „Bitte keine kritischen Leserbriefe schreiben.“

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