Geschäft schließt nach 33 Jahren

Wehmut in Verden: Mit Schuhhaus Rose geht ein Stück Tradition

Vor dem  Schuhhaus Rose mit  Filialleiterin Petra Warnke und Geschäftsführer Hans Rose.
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Das Schuhhaus Rose schließt nach 33 Jahren: Filialleiterin Petra Warnke und Geschäftsführer Hans Rose organisieren den Verkauf.

Da kommt Wehmut auf! Wieder ein Geschäft, das schließt. Das Schuhhaus Rose verabschiedet sich nach 33 Jahren aus Verden. Generation haben dort, fachlich begleitet, Schuhe, Stiefel, Sandalen gekauft....

Verden – Neue Schuhe? Klar, ab in die Stadt, zu Rose. Der Satz dürfte Generationen in Verden begleitet haben. „Kindern, denen ich vor Jahrzehnten die Schuhe angepasst habe, sind erwachsen und kommen mittlerweile mit ihren Kindern“, erzählt Filialleiterin Petra Warnke. Doch nun ist Schluss. Räumungsverkauf, alles muss raus, Rose schließt zum Jahresende. Wieder ein Fachgeschäft weniger in Verden.

Räumungsverkauf bei Rose in Verden: Es geht zu, wie im Taubenschlag

Es geht zu wie im Taubenschlag. Hochbetrieb bei Rose in der Großen Straße, Verdens Fußgängerzone. Eine Kundin nach der anderen passiert die Eingangstür, wird freundlich empfangen und beraten, von Fachpersonal, bestens geschult, das sich mit der Ware und vor allem mit den Kunden auskennt. Es wird geschnackt zum Abschied, auch bedauernde Worte sind angesichts der Schließung zu hören. Und es wird zahlreich gekauft. Fast wie früher, als der Einzelhandel blühte, erst Beratung und dann, selbstverständlich, der Kauf auf dem Zettel stand. „Gute Zeiten waren das“, sagt Geschäftsführer Hans Rose. Aber leider nicht mehr das Tagesgeschäft.“

Der Handel im Internet, das macht uns richtig zu schaffen

Rose redet gar nicht lange drumherum. „Unsere Branche hat seit Jahren zu kämpfen. Den Wettbewerb haben wir auch gerne angenommen und uns, nicht nur in Verden, behauptet.“ Wo Läden kamen und gingen, Rose blieb und hielt auch durch, als es zunehmend schwieriger wurde. „Der Handel im Internet, das macht uns richtig zu schaffen“, gibt er unumwunden zu. Und dann immer wieder die Erfahrung, Kunden, vor allem auch jüngere, kommen ins Geschäft, freuen sich über eine Rundum-Beratung – und gehen wieder. „Bestellt wird dann im Online-Versand, weil’s vielleicht billiger ist“, so Rose. „Und“, so sagt er, „die Auswahl ist natürlich größer. Firmen, deren Schuhe auch bei uns im Regal stehen, bieten ihre Ware mittlerweile in zigfacher Ausführung und allen Größen im Netz an. Schwer, da mitzuhalten.“

Und dann kam auch noch Corona. „Da fiel uns die Entscheidung noch einfacher, den Rückzug anzutreten“, so der Geschäftsführer. „Obwohl sich die Situation entspannt, haben wir lange nicht den Stand von vor Corona erreicht. Viele ältere Kunden, die uns stets die Treue gehalten haben, bleiben aus Angst vor Ansteckung noch weg, andere weichen ebenfalls ins Internet aus. Durchaus verständlich, aber für uns geschäftlich nicht durchzuhalten.“ Denn: „Die Miete ist hoch und musste auch in der Pandemie bezahlt werden. Es rechnet sich einfach nicht mehr, da passt es, dass der Vertrag für den Laden ausläuft.“

132 Jahre alt, in vierter Generation geführt, hat das Unternehmen Rose Spuren hinterlassen

Hans Rose sieht dem Abschied ohne Bitterkeit, wenn auch mit ein bisschen Wehmut, entgegen. 132 Jahre alt, in vierter Generation geführt, hat das Unternehmen Rose in der norddeutschen Region und darüber hinaus Spuren hinterlassen. „Ich bin in einem Schuhkarton groß geworden“, erzählt Rose und lacht dabei. Sein Urgroßvater hat das Unternehmen seinerzeit auf den Weg gebracht, in Bad Münder noch selbst aus Leder, mit Hammer, Nagel, Nadel und Faden passgenaue Schuhe gefertigt. Roses Großvater, dann sein Vater eröffneten erste Geschäfte, darunter den Stammsitz in Springe bei Hannover.

Hans Rose machte nach dem Schulabschluss eine Lehre als Einzelhandelskaufmann. Das erste Paar Schuhe hat er an eine resolute Dame mittleren Alters verkauft. „Ich war sehr aufgeregt“, erinnert er sich. Und die Dame schien das gemerkt zu haben. „Es war ihr erstes Paar Schuhe, hat sie zu mir anschließend gesagt, und mir dabei wohlwollend auf die Schulter geklopft.“ Und: „Haben Sie aber gut gemacht. Aus Ihnen wird etwas.“ Rose war da 17 Jahre jung.

Der geschäftliche Werdegang, sein Wechsel nach Verden war vorbestimmt. Roses Vater schickte den jungen Mann in die Reiterstadt. Am Ostertor und an der Herrlichkeit öffnete Hans Rose zwei Filialen, 33 Jahre ist das her. Der Umzug in die Große Straße folgte vor 16 Jahren. Aus vier machte Hans Rose nach der Übernahme des Familien-Unternehmens regionalweit 15 Filialen. Schuhe inklusive freundlicher Fachberatung waren gefragt.

Rose in Verden: 20 bis 50 Prozent Rabatt und fachliche Beratung

Doch nun ist Schluss. Die Geschäfte in Nienburg und Neustadt am Rübenberge sind bereits dicht, Salzgitter, Bad Münder, Springe und eben Verden folgen. „Auch weitere Filialen sind bereits geschlossen“, so Rose. „Es ist ein finanziell geordneter Rückzug“, betont der 60-Jährige.

Und bis dahin? Tagesgeschäft, Trubel und Fachberatung wie in alten Zeiten, immerhin gibt es 20 bis 50 Prozent Rabatt, inklusive Fachberatung. Filialleiterin Petra Warnke kennt das. Es macht ihr Spaß. Sie hat bei Rose vor 32 Jahren gelernt, müsste allein in den vergangenen Jahren an die 7 000 Paar Schuhe verkauft haben. Ein gutes Zeugnis für eine neue Anstellung. „Ich bin noch auf der Suche, aber mal optimistisch, dass das klappt“, sagt sie.

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