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Heftige Kritik an Verdener Klostergarten: Abstrus, ins Bodenlose, Geld verballert

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Von: Heinrich Kracke

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Brachfläche an historischer Fassade.
Im Zeichen des Turms: Am Syndikatshof soll der Klostergarten entstehen. © Kracke

CDU-Breitseite gegen grünes Projekt. Auch teure Kleinstgärten sind endgültig auf den Weg gebracht.

Verden – Darf ein Garten mit etwas mehr als der Größe eines Fußball-Strafraums, darf ein solcher Garten fast eine halbe Million Euro kosten? Der kommende Klostergarten am Syndikatshof? Als das Thema auf den Tisch im Ausschuss für Straßen und Stadtgrün kam, loderte es im Verdener Rathaus. Feuer unterm Dach. Ein Wortgefecht wie selten, und dennoch war es nur ein kleiner Teil eines noch größeren Ausmaßes. Gleichzeitig wurde bekannt, wie hoch die Fördersumme für die Innenstadtgärten ausfällt, für die drei Kleinstgärten vor dem Domherrenhaus sowie auf der Ritter- und der Predigerstraße. Auch sie kosten fast eine halbe Million. Und als wäre das alles noch nicht genug des Garten-Wahnsinns, den die Stadt betreibt, sickerte durch, sie wird als eine der ersten die eigenen neugewonnenen Prinzipen über Bord werfen. Während sie einerseits eine Baumschutzsatzung auf den Weg bringt, steht andererseits offenbar fest, mindestens einer der großen Bäume am Syndikatshof muss weichen.

In Sachen des altehrwürdigen Gemäuers am Norderstädtischen Marktplatz zog vor allem CDU-Mann Frank Medenwald groß auf. 430 000 Euro für 950 Quadratmeter, abstrus sei das, das Maß der Dinge weit überschritten, eine Planung, die ins Bodenlose gehe. Für einen Garten, den ein ordentlicher Gartenplaner für 100 000 Euro hinbekomme, sehr schön hinbekomme, müsse nicht fast eine halbe Million verballert werden. Ihn wundere, dass nicht noch eine Planstelle für einen Gärtner oben drauf gesattelt sei. Ihm gehe angesichts dieser Planungen das Vokabular aus.

Richtig durchzusetzen vermochte sich Medenwald nicht. Sogar seine eigene Fraktion versagte ihm die Gefolgschaft. Lediglich zwei Christdemokraten votierten gegen den Garten. Ein dritter enthielt sich. Eine zweite Enthaltung kam aus der FDP. Mit den fünf Ja-Stimmen von SPD und Grünen segnete der Ausschuss den Klostergarten am Syndikatshof ab. Medenwald verließ daraufhin eilig die Sitzung.

Vor allem Bürgermeister Lutz Brockmann machte sich für den Garten nahe des Norderstädtischen Marktplatzes stark. Gedacht sei er als Platz für Menschen, die keinen eigenen Garten haben, als grüne Oase der Ruhe, als Gegenpol damit zum Allerpark, als Fläche mit Besonderheiten wie den Blick auf den Turm, der herausgearbeitet werden müsse, mit einer barrierefreien Weganlage, was wegen des abschüssigen Geländes eine Herausforderung sei. Silke Schwarz aus dem Rathaus gab zudem Einblicke in die Finanzierungsstrategie. Nachdem ursprünglich mehr als eine halbe Million Euro kalkuliert waren, habe sie die Gesamtsumme bereits auf besagte 430 000 Euro reduziert. Das Problem aber, so Schwarz: „Aktuell können wir die Kosten nur schätzen und darauf unsere Förderanträge münzen. Niemand weiß aber, wie sich die Preise bis zum Baubeginn entwickeln. Die beantragten Zuschüsse können im Nachhinein nicht nach oben korrigiert werden, wir sind also gezwungen, die maximal denkbaren Summen anzugeben.“ Aktuell sei mit rund 100 000 Euro für die Planung einschließlich Architekten-Wettbewerb zu kalkulieren sowie mit rund 200 Euro pro Quadratmeter. Lediglich 40 Prozent der am Ende zu Buche schlagenden Kosten entfalle auf das Verdener Stadtsäckel.

Zustimmung kam vor allem von Sozialdemokraten und Grünen. „Die Summe ist hoch. Aber hier ist die Wiederbelebung eines historischen Gartens vorgesehen. Uns überzeugt das“, sagt Karin Hanschmann (SPD). „Aktuell entwickeln wir für den Syndikatshof das pädagogische Konzept. Der Garten ist dabei als Lernort vorgesehen. Das ist alles sehr hochwertig“, ergänzte Claudia Wehrstedt (SPD). „Der Betrag fällt hoch aus, aber er liegt immerhin schon unter der Erstfassung“, begründete Sven Ommen (Grüne) seine Zustimmung. Vorbehalte führte Wjatscheslaw Slaschjow (FDP) für seine Enthaltung ins Feld. „Wir wissen noch gar nicht genau, wie sich das Quartier mit der neuen Stadtkante überhaupt entwickelt.“ Und auch die Linke äußerte Bedenken. „Die Summe ist immens. In der heutigen Zeit der vielen Krisen habe ich Bauchschmerzen damit“, so Sonja Toaspern.

Nicht der einzige Garten, der in nächster Zeit in der Innenstadt entstehen soll. Noch liegen vor dem Domherrenhaus und auf der Prediger- sowie der Ritterstraße versiegelte Flächen. Künftig wird es hier den aktuellen Plänen zufolge ideenreich sprießen. Auf knapp eine halbe Million Euro sind diese Gartenträume kalkuliert. Fachbereichsleiter Rainer Kamermann gab eingangs der Sitzung den Eingang der Förderbescheide bekannt. Demzufolge wird die Stadt in diesem Bereich lediglich auf zehn Prozent der Kosten hängen bleiben.

Gleichzeitig ergebe sich aber ein nächstes Problem. Aktuell stehe die Ausschreibung für jeden Garten einzeln an, dies Verfahren laufe, so Kamermann, bis Anfang Januar. Im April müsse der Garten aber schon fertiggestellt sein. „Das wird sportlich.“

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