Feierstunde am Mahnmal / Viele Menschen gedenken der Opfer des Nationalsozialismus

„Verantwortung wider das Vergessen“

Viele Menschen gedachten der Opfer des NS-Regimes und legten Blumen am Mahnmal nieder. Fotos: Haubrock-Kriedel

Verden – Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, dem größten Vernichtungslager des NS-Regimes. In diesem Jahr jährt sich diese Befreiung zum 75. Mal. Aus diesem Anlass fand eine Gedenkstunde am Mahnmal für die jüdischen Opfer am Rathaus statt. Viele Menschen waren gekommen.

Musikalisch wurde die Gedenkstunde von den Bläsern des Posaunenchores Verden unter der Leitung von Tillmann Benfer und der Klarinettistin Doris Schulte umrahmt.

Der frühere Bundespräsident Roman Herzog führte den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus 1996 ein. Seitdem findet auch in Verden jährlich eine Gedenkfeier statt.

Er freue sich, dass es viele Menschen gibt, die bereits seit 15 Jahren kämen, sagte Bürgermeister Lutz Brockmann in seinen Eingangsworten. Ebenfalls freue er sich über die große Teilnehmerzahl. Um die Zukunft gestalten zu können, sei es wichtig, sich zu erinnern und aus der Geschichte zu lernen.

Anschließend sprach Bodo Gideon Riethmüller, Mitarbeiter des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinde von Niedersachsen und Mitglied im Vorstand der Jüdischen Gemeinde in Oldenburg. „Wir wissen, dass die Konzentrationslager Todesstätten und in sich geschlossene Welten waren, in denen die Werte und Normen, die das Menschliche auszeichnen, nicht mehr existierten“, sagte er. Stattdessen herrschten Hunger, Krankheit, Kälte, Angst und Tod. Das Grauen übersteige jegliches Vorstellungsvermögen. „Wir können nur erahnen, was die Menschen damals ertragen mussten“, so Riethmüller.

56 Verdener Juden wurden Opfer des NS-Regimes. Ihre Todesursachen seien nicht Alter, Krankheit oder Unfall, sondern die „Endlösung“ gewesen, was Ausmerzung und Hinrichtung bedeute. „Warum konnte das geschehen? Warum hat das Volk diese planmäßige Vernichtung mitgetragen?“, fragte Riethmüller. Er erinnerte daran, dass die Juden bereits im Mittelalter verfolgt und ermordet wurden, nur weil sie Juden waren. In der Zeit des Nationalsozialismus sei die Mischung aus Antisemitismus, Lügen und Rassenideologie schließlich in die Schoah gemündet. „Juden standen auf einer Stufe mit den Ratten, sie waren die Inkarnation des Bösen“, erinnerte Riethmüller.

75 Jahre nach Öffnung der Tore des Konzentrationslagers von Auschwitz seien nur wenige Menschen verblieben, die Auskunft geben könnten. „Bald gibt es keine Zeitzeugen mehr, damit steigt die Gefahr, dass die Erinnerung als lästig und nicht notwendig betrachtet wird“, mahnte der Vertreter der Jüdischen Gemeinde. Das Bild des Antisemitismus auszulöschen, sei ein langwieriger Prozess, der noch Generationen beschäftigen werde. „Wir haben eine moralische Verantwortung wider das Vergessen“, betonte er. Dazu bedürfe es mehr als der sporadischen Teilnahme an Gedenkfeiern, vielmehr müsse man allen entgegentreten, die die freiheitliche, demokratische Grundordnung abschaffen wollen. Nach Riethmüllers Rede verlasen Schüler des Gymnasiums am Wall die Namen der Opfer aus dem Raum Verden. Ihnen wurde in einer Schweigeminute gedacht. Anschließend wurden Rosen am Mahnmal niedergelegt.  ahk

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