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Vemag plant großflächiges Wachstum

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Von: Heinrich Kracke

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Firmengebäude an Straße.
Schon jetzt unterhält die Vemag Maschinenbau beidseits der Weserstraße großräumig Gebäude. Für den Bereich links in Richtung Aller ist jetzt eine Verdichtung geplant. © Kracke

Verden – Das Verdener Vorzeigeunternehmen Vemag Maschinenbau plant langfristig den Ausbau des Standorts Weserstraße. In einem ersten Stepp wurde für große Bereiche des Gewerbegebietes eine neue Bauleitplanung auf den Weg gebracht.

Die Zustimmung des als erste Instanz entscheidenden Ausschusses für Stadtentwicklung fiel am Mittwoch deutlich aus. Mit 7:1 Stimmen votierte die Politik für das Vorhaben. Die einzige Gegenstimme allerdings kommt nicht von irgendwem. Der Chef der zweitgrößten Verdener Ratsfraktion, der SPD, Carsten Hauschild, er opponierte. Gleichzeitig las er dem Unternehmen die Leviten. Die Vemag Maschinenbau ihrerseits kündigte noch für dieses Jahr den Aufbau von mindestens 60 Arbeitsstellen an.

Konkret geht es dem weltweit tätigen Unternehmen mit gegenwärtig 800 Beschäftigten langfristig um Erweiterungen westlich der Weserstraße auf womöglich ganzer Länge zwischen dem Trinkwasser-Verband und der Straße Höltenwerder, die zur Anlegestelle des Verdener Motorboot-Vereins führt. Die Flächen stünden bereits überwiegend in Vemag-Eigentum, heißt es aus der Führungsetage. Weitergehende Angaben machte das Unternehmen diesbezüglich nicht.

Wohin die Reise gehen könnte, offenbart ein zweites Bauleitverfahren, dem die Politik ebenfalls mit deutlicher Mehrheit ihren Segen gab. Auf dem Gelände gegenüber des Klärwerks will die Vemag Parkplätze für ihre Mitarbeiter schaffen. Die Vorstellungen reichen bis zu einer Parkpalette mit in letzter Ausbaustufe rund 1 200 Abstellplätzen. Denkbar sei aber auch ein Parkplatz für 500 Autos.

Das Grundstück stünde bereits zur Verfügung, erläuterte die Leiterin des Fachbereichs Stadtentwicklung, Birgit Koröde. Es sei ursprünglich mal für die Trasse eines möglichen dritten Allerübergangs sowie später für die Erweiterung der Kläranlage freigehalten. Beides komme aktuell nicht mehr in Frage. Mit der Vemag seien auch schon die Themen ÖPNV und Anfahrt per Fahrrad erörtert, das wolle das Unternehmen mit einigen Aktionen stärken, habe es geheißen, an einem deutlichen Plus an Parkplätzen führe aber kein Weg vorbei, so die Einschätzung der Fachbereichsleiterin. Favorisiert wurde seitens der Politik im Zuge von Nachhaltigkeit und dem Trend zu verdichtetem Bauen eher eine Parkpalette einschließlich Dachbegrünung und einer darüberliegenden Solaranlage.

Während noch verkehrslenkende Maßnahmen bis zur Bremer Straße diskutiert wurden, setzte Hauschild zu seiner Brandrede in Richtung Vemag an. „Die Vemag ist ein innovatives Unternehmen mit hochwertigen Arbeitsplätzen. Sie ist weltweit unterwegs, aber in direkter Nachbarschaft ist sie nicht an einem Konsens interessiert“, sagte er.

Schon das bestehende Gebäude-Ensemble erinnere an einen Bunker, der Verkehr mit schweren Lastwagen sei erheblich, die Gebäude reichten inzwischen bis an die Gärten, von Frischluftzonen keine Spur mehr, erst recht nicht bei weiteren Ausbauten, zudem sei eine Riegelbildung zu erwarten, würden die Betriebsgebäude beidseitig der Weserstraße gebaut, mit allen Konsequenzen bis hin zu Schallwellen in Richtung Wohngebiet.

Als direkter Anwohner stelle er fest, so Hauschild, die Lüfter laufen lärmend tagaus, tagein, sogar noch nach 23 Uhr seien „metallische Bewegungen wie Vorschlaghammer, die auf Stahl schlagen,“ zu vernehmen, zudem sei das Feinstaubproblem nicht gelöst, und dann sei auch noch das Betriebsgebäude rund um die Uhr und jeden Tag hell erleuchtet. Hauschild: „Lampen brauchen wir im Schlafzimmer nicht mehr. Es ist immer hell.“ Er stimme jedenfalls gegen Erweiterungspläne.

Bürgermeister Lutz Brockmann nannte die Konstellation aus Wohnen und Gewerbe, die an der Weserstraße vorherrsche, er nannte sie „unglücklich“, das sei in den 60er-Jahren entschieden worden, könne nicht mehr rückgängig gemacht werden und sei Bestand. Gleichzeitig biete jetzt aber das neue Bauleitverfahren die einmalige Möglichkeit, alle Themen sauber abzuarbeiten. Er, sagte Brockmann, werte es als Geschenk, bewege sich die Vemag auf Wachstumskurs, zumal sie dies flächensparend im Bestand plane. Dieses Wachstum wolle man dem Unternehmen ermöglichen. Gleichzeitig verwies er auf das hohe Engagement der Stadt im Flüsseviertel rund um den Oderplatz, das die Lebensqualität verbessere. Im Bauleitverfahren würden jetzt auf alle Fragen Antworten gesucht, „damit am Ende gesundes Wohnen und gute Arbeit gemeinsam funktionieren“.

Gedanken, mit denen sich selbst die Sozialdemokraten anzufreunden vermochten. „Wir sehen den Bedarf“, sagte Claudia Schlosser. Es könne zu einer Herausforderung werden, die Themen Lärm, Licht, Feinstaub, Verkehrsanbindung und Klimaschutz zu lösen, aber: „Die SPD unterstützt das Projekt voll und ganz.“

Vemag: Hallenneubau, 60 weitere Arbeitsplätze und ein Exportanteil von 85 Prozent 

Aktuell beschäftigt sich die Vemag Maschinenbau an der Weserstraße mit dem Neubau einer Fertigungshalle, wie das Unternehmen auf Nachfrage mitteilt. Der Startschuss des Projektes fiel im Januar vergangenen Jahres. Ein Jahr später steht bereits ein großer Teil der Halle mit zwei Geschossen und einer Gesamtfläche von fast 4 000 Quadratmetern. Die Fertigstellung der Halle inklusive der Produktion, der Technik sowie der Sozialräume sei für Ende Oktober geplant. „Wir sind zuversichtlich, das Projekt trotz kleiner Verzögerungen pünktlich und im Zeitplan abzuschließen, denn die nächsten Projekte stehen bereits an“, erläutert der Vorsitzende der Geschäftsführung, Andreas Bruns.

Trotz der pandemiebedingten Herausforderungen wachse das Unternehmen kontinuierlich und verzeichne eine gute Auftragslage. „Das Ergebnis des stetigen Wachstums war eine nahezu Verdoppelung der Anzahl der Mitarbeiter am Standort in den vergangenen Jahren“, so Andreas Bruns. Das Unternehmen werde auch in diesem Jahr mindestens 60 weitere Arbeitsplätze schaffen. Damit zähle die Vemag zu einem der bedeutendsten Arbeitgeber in der Region Verden.

Das Unternehmen ist einer der führenden Maschinenbauer in der Entwicklung, Herstellung und dem Vertrieb von Füll- und Portioniersystemen für die Lebensmittelindustrie. Im Bereich Füllmaschinen-Technologie gilt das Unternehmen als einer der Weltmarktführer. Seit mehreren Jahrzehnten bietet Vemag ein umfassendes Leistungsspektrum für einen ständig wachsenden Kundenkreis –vom Handwerk bis hin zum Industrieunternehmen. Dabei decke das Unternehmen heute alle Anwendungen von Füll- oder Portionierprozessen bis hin zu Automatisierungslösungen für unterschiedlichste Produkte und Produktionsbereiche ab. „Wir sind weltweit aktiv und unser Exportanteil liegt bei rund 85 Prozent“, erklärt Andreas Bruns.

Produziert wird ausschließlich an der Weserstraße am Standort Verden. „Mit dem Hallenneubau wollen wir bewusst unseren Produktionsstandort stärken und weitere Ausbildungs- und Arbeitsplätze generieren“, betont Bruns.

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