Der Botschafter geht 

Für VAZ-Redaktionsleiter Volkmar Koy beginnt der Ruhestand

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Jahrzehntelange Weggefährten – auch über die räumliche Distanz hinweg: der scheidende Redaktionsleiter der VAZ, Volkmar Koy (l.), und Verleger Dr. Dirk Ippen.

Verden – Ein Jahr lang war immer wieder die Rede davon, wurde mit den Kollegen munter darüber gewitzelt. Und nun war der letzte Arbeitstag doch ganz plötzlich da. Nach mehr als 42 Jahren Dienst in der Redaktion der Verdener Aller-Zeitung (VAZ), davon 36 Jahre als deren Leiter, feierte Volkmar Koy gestern im Hotel Höltje offiziell seinen Abschied.

Der Blick über den Tellerrand, sowohl geografisch als auch redaktionell, war und ist typisch für Volkmar Koy. Gestern ging es dem 65-Jährigen aber zunächst um den Blick zurück: auf den Beginn seines Volontariats 1977, als die VAZ noch die Lindhooper Straße als Adresse führte. An seinen ersten Termin, eine Blutspende, bei der er zu Recherchezwecken gleich mit zur Ader gelassen wurde. An den Redaktionsbesuch des damaligen Bundesinnenministers Gerhart Baum, als plötzlich, an allen Sicherheitsbeamten vorbei, ein Mann in der Tür stand und sich als Erfinder des doppelkufigen Sicherheitsschlittschuhs vorstellte. An die vielen Berühmtheiten, deren Wege er kreuzte, darunter Udo Jürgens und Konzerveranstalter Fritz Rau, der einst versprach, die Rolling Stones nach Verden zu holen, dies aber nie einlöste.

Aber nicht alle Erlebnisse waren schön. Auch das Fotografieren schlimmer Unfälle oder eine Reise als Korrespondent ins Krisengebiet nach Somalia prägten Volkmar Koy. Er wiederum drückte der Allerstadt seinen Stempel auf als jahrelanger Cheforganisator der Sport-und-Schau-Gala, als Vorsitzender von Vereinen wie der Stadttombola und den Verdener Jazz- und Blues-Tagen.

Koy fühlt sich wie jemand, der zum Henker geführt wird

Er fühle sich so langsam wie jemand, der zum Henker geführt werde, hatte Koy im Kollegenkreis noch Mitte der Woche gesagt und damit seine Verabschiedung gemeint. Doch die vielen Menschen, die diesen besonderen Tag gestern mit ihm feiern wollten, führten nicht das Schwert, sondern die Feder.

Verabschiedung des Verdener Redaktionsleiters Volkmar Koy in den Ruhestand

Volkmar Koy ist in den Ruhestand verabschiedet worden. © Preuß
Volkmar Koy ist in den Ruhestand verabschiedet worden. © Preuß
Volkmar Koy ist in den Ruhestand verabschiedet worden. © Preuß
Volkmar Koy ist in den Ruhestand verabschiedet worden. © Preuß
Volkmar Koy ist in den Ruhestand verabschiedet worden. © Preuß
Volkmar Koy ist in den Ruhestand verabschiedet worden. © Preuß
Volkmar Koy ist in den Ruhestand verabschiedet worden. © Preuß
Volkmar Koy ist in den Ruhestand verabschiedet worden. © Preuß
Volkmar Koy ist in den Ruhestand verabschiedet worden. © Preuß
Volkmar Koy ist in den Ruhestand verabschiedet worden. © Preuß
Volkmar Koy ist in den Ruhestand verabschiedet worden. © Preuß
Volkmar Koy ist in den Ruhestand verabschiedet worden. © Preuß
Volkmar Koy ist in den Ruhestand verabschiedet worden. © Preuß
Volkmar Koy ist in den Ruhestand verabschiedet worden. © Preuß

Vertreter aus Wirtschaft, Politik und zahlreichen Institutionen, Kollegen und die Vorgesetzten der Mediengruppe Kreiszeitung, Verlagsleiter Frank Schmid und Chefredakteur Hans Willms, nahmen an der Feierstunde teil. Verleger Dr. Dirk Ippen war eigens aus München angereist, um dem altgedienten Journalisten Tschüs zu sagen.

Ein deutliches Zeichen der Wertschätzung, dem gewichtige Worte folgten. Dirk Ippen dankte Koy, dem „klassischen Lokaljournalisten im besten Sinne“, für dessen Lebensleistung. Es komme darauf an, „die Leser zu umarmen. Wie mit einem Liebesbrief“, sagte der Verleger. Koy habe das verstanden.

„Botschafter dieser Zeitung“ verlässt Redaktion

Einen „Botschafter dieser Zeitung“ nannte Hans Willms den scheidenden Redaktionsleiter. Als einen, der sowohl positive Entwicklungen in den Fokus gerückt als auch, wenn nötig, den Finger gnadenlos in die Wunde gedrückt habe.

„Es war eine tolle Zeit, die ich mit dir verleben durfte“, sagte Wolfgang Reichelt als Vertreter der Verdener Wirtschaft. Und Peter Bohlmann lobte Koy dafür, dass er mehr getan habe, als zu unterhalten und Interessantes zu berichten.

Hintergründe dargelegt und ergebnisoffen recherchiert

Als Redakteur habe er stets beobachtet, Hintergründe dargelegt und ergebnisoffen recherchiert. „Die Presse hat die Aufgabe, sich an der Willensbildung der Bevölkerung zu beteiligen“, definierte der Landrat den Auftrag der schreibenden Zunft, auch politische Sitzungen zu besuchen. „Das ist hier in den vergangenen 42 Jahren vorbildlich gelaufen.“

Doch trotz der vielen Worte blieb eine Frage offen. Wie lange mag es ein Volkmar Koy aushalten, das Geschehen in der Allerstadt nicht journalistisch zu begleiten? „Das juckt mir richtig in den Fingern“, damit kündigte er stets einen seiner scharfzüngigen Kommentare an. Landrat Peter Bohlmann jedenfalls war sich sicher, dass er auch in Zukunft noch einiges von dem Journalisten hören wird. Nicht umsonst bedeute der Name Volkmar „der, der im Volk berühmt ist“.

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