Urteil nach Überfall auf Oytener Ehepaar

Vier Jahre Haft für 27-Jährigen

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Das Landgericht Verden verurteilte Harry S. (r.) gestern zu einer vierjährigen Haftstrafe.

Oyten/Verden - Ein mutmaßliches Mitglied der terroristischen Vereinigung „Islamischer Staat“ ist gestern vom Landgericht Verden wegen Raubes und gefährlicher Körperverletzung zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Der 27-jährige Angeklagte, ein gebürtiger Bremer, hatte die Tat bestritten, doch die 2. Große Strafkammer war von seiner Beteiligung an einem Überfall auf ein Ehepaar in Oyten vor einem Jahr überzeugt. Kurz darauf war der Angeklagte nach Syrien ausgereist und als Fahnenträger in einem Propaganda-Video des IS aufgetreten.

Durch ein Klingeln an der Haustür waren die Betreiber einer Pferdepension am frühen Morgen des 12. Februar 2015 geweckt worden. Durch ein Türglas sah der 53 Jahre alte Ehemann mehrere Männer. Sie trugen Mützen mit der Aufschrift Zoll und einer der Männer streckte ihm einen Ausweis entgegen.

Als der 53-Jährige daraufhin die Tür öffnete, drängten fünf Täter ins Haus. Der Oytener wurde massiv zu Boden geprügelt, seine Frau aus dem Bett geholt und beiden wurden gedroht, dass man sie verbrennen würde, sollten sie nicht 900000 Euro herausgeben.

Da sie diese Forderung bei weitem nicht erfüllen konnten, fürchteten die Eheleute umso mehr um ihr Leben, wie sie in dem Prozess ausgesagt hatten. Gefesselt wurden sie später zurückgelassen. „Sie wollten in Oyten ein Leben in Frieden verbringen, doch es gibt für die beiden kein friedvolles Leben mehr“, so deren Anwältin Christiane Afflerbach. Zusammen mit ihrer Kollegin Ines Landwehr hatte sie das Ehepaar als Nebenkläger in dem Prozess vertreten.

Genauso wie Staatsanwältin Silvia Lühning sahen sie es als bewiesen an, dass der Angeklagte Harry S. an der Tat beteiligt war. Lühning hatte sieben Jahre Haft beantragt. Anders als Verteidiger Udo Würtz schenkten sie der Aussage eines weiteren Tatbeteiligten in einem früheren Prozess Glauben und sahen dessen Angaben durch Telefonate und DNA-Spuren bestätigt.

Dieser Freund von Harry S. aus Kindheitstagen hatte in seinem eigenen Prozess sich und den 27-Jährigen schwer belastet. Der Verteidiger versuchte den Kronzeugen als unglaubwürdig darzustellen, konnte das Gericht aber nicht überzeugen. „Seine Angaben stimmen mit einer Vielzahl von objektiven Beweismitteln überein“, hieß es in der mündlichen Urteilsbegründung über den im August 2014 zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilten Kronzeugen.

Beide Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Unabhängig von dem Verdener Verfahren laufen die Ermittlungen der Generalbundesanwaltschaft gegen Harry S. weiter und auch nur wegen des dortigen Verfahrens sitzt der Bremer noch in Untersuchungshaft. Nach seiner Rückkehr aus Syrien war er im Juli 2015 festgenommen worden.

wb

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