Der Kongo: Mediziner Reinhard Lehmann aus Verden berichtet

Unzuverlässige Strukturen

Beim Gang durch die Stadt ist man immer von einer Kinderschar umringt. - Foto: Lehmann

Verden - Die Demokratische Republik Kongo (DRC) ist eines der reichsten Länder Afrikas, was die Bodenschätze betrifft. Andererseits ist die Bevölkerung die zweitärmste des Kontinents. Das tägliche Einkommen beträgt rund 1,50 Dollar. Neun Monate war der Verdener Mediziner Reinhard Lehmann dort für „Ärzte ohne Grenzen“ im Einsatz und berichtet darüber.

„Die staatlichen Strukturen sind unzuverlässig“, stellt Lehmann fest. „Gehälter beispielsweise werden an Staatsangestellte nur sporadisch ausgezahlt, so dass sie darauf angewiesen sind, von den Bürgern Geld für eigentlich staatliche Dienstleistungen zu verlangen.

Formal ist zwar eine Grundbildung vorgeschrieben und staatlich garantiert, faktisch ist aber ein öffentliches Bildungssystem kaum existent. Die meisten Schulen erhalten keine staatliche Unterstützung. Deshalb können Kinder die Schule nur besuchen, wenn die Eltern die Lehrer bezahlen können. Bedingt durch die diversen Kriege in den zurückliegenden 20 Jahren ging der Anteil der Kinder, die eine Schule besuchen, von 70 Prozent auf nunmehr 40 Prozent zurück, weil für viele das Schulgeld unerschwinglich ist.

Dasselbe gilt fürs Gesundheitswesen: Es gibt staatliche (und kirchliche) Gesundheitseinrichtungen. Da der Staat keine Gehälter zahlt, müssen die Patienten aber für die Behandlung selbst aufkommen. Und weil das Geld fehlt, hat dies zur Folge, dass 80 Prozent der Kongolesen keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung hat.

Die DRC hat zugleich eine stark wachsende Bevölkerung, die durchschnittliche Kinderzahl beträgt sechs pro Familie. Die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre. Und die Kindersterblichkeit ist eine der höchsten auf der Welt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass das Hauptaugenmerk von Ärzte ohne Grenzen auf der Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung von Kindern liegt.“

Das Krankenhaus, in dem Lehmann tätig war, habe 160 Betten, in denen gleichzeitig 300 bis 400 Patienten versorgt würden. Immer würden Patienten auch jeweils von einem Angehörigen begleitet, so dass sich mehrere Patienten mit ihren Angehörigen ein Bett teilten. Die Hälfte der Patienten seien Kinder, die häufig an Malaria, Lungenentzündung, Durchfallerkrankungen oder Blutarmut erkrankt seien. Die andere Hälfte sind Erwachsene, mit Malaria, Tuberkulose, oder anderen Erkrankungen, wie sie auch bei uns vorkommen.

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