Benedikt Pape erzählt von seiner Arbeit in einem israelischen Kinderheim

Ein unvergessliches Jahr

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Benedikt Papa hielt einen spannenden Vortrag über sein Auslandsjahr.

Verden - Ein Jahr lang leistete der Verdener Benedikt Pape seinen Internationalen Freiwilligendienst im israelischen Kinderheim Neve Hanna in Kirjat Gat. Seit gut einer Woche ist er nun wieder zurück in seiner Heimatstadt. In einem anschaulichen Vortrag berichtete der 20-Jährige im Alten Schulhaus Dauelsen von seinem „unvergesslichen Jahr“ in Israel.

Zunächst erzählte Pape einiges über das Kinderheim Neve Hanna, zu deutsch „Oase der Hanna“. Benannt ist es nach der Berliner Pädagogin Hanna Kaphan, die gemeinsam mit Hanni Ullmann die Idee zu dieser Einrichtung entwickelte. 1974 erwarb Ullmann die ersten Häuser für das Kinderheim und gab der Einrichtung den Namen ihrer da schon verstorbenen Freundin.

„120 Kinder im Alter von sechs bis 18 Jahren werden in Neve Hanna betreut. Sie leben in Gruppen von zwölf Kindern wie in einer Familie mit einer Hausmutter, einem Hausvater sowie einem israelischen und deutschen Freiwilligen. Die Kinder stammen aus sozial gestörten oder zerrütteten Familien. Häusliche Gewalt oder sexueller Missbrauch sind häufige Gründe, weshalb die Sozial- und Wohlfahrtsbehörde dem Heim die Kinder zuweist“, so Pape.

Die Volontäre hätten in Neve Hanna verschiedene Aufgaben. Sie arbeiten im Garten, in der hauseigenen Bäckerei, in der Zentralküche oder im Streichelzoo. „70 Prozent der Therapie geht über die Tiertherapie. Kinder, die sich sonst nicht öffnen, können es zum Beispiel mit einem Hasen auf dem Schoß“, hat Benedikt Pape erfahren dürfen. „Der Streichelzoo war auch immer ein Rückzugsgebiet für uns Volontäre. Die Israelis sind ganz entspannt und ruhen sich öfter mal aus“, schmunzelte er.

Der Vortrag im Schulhaus Dauelsen stieß auf großes Interesse.

Einen großen Raum im Tagesablauf nahm die Arbeit mit den Kindern ein. Sprachliche Barrieren wurden durch gemeinsame Spiele überbrückt. Benedikt Pape arbeitet in einer Tageshortgruppe, das heißt die Kinder mussten abends in ihre Familien zurück. „Wir mussten praktisch jeden Tag neu anfangen, mit ihnen zu arbeiten, denn zu Hause hat sich ja nichts geändert“, erzählte er. Im Kinderheim sei er schnell zum Teil der Familie geworden. „Ich habe auf dem Heimgelände gewohnt und war immer erreichbar, da musste ich auch manchmal nachts aufstehen.“

Zum Alltag in Neve Hanna gehört der die ständige Furcht vor einem Raketenangriff. „Das ganze Grundstück ist eingezäunt und und wird 24 Stunden am Tag überwacht“, erfuhr Pape. Das Kinderheim verfügt ferner über Schutzräume, die schnell erreicht werden können. Zudem sind über das ganze Areal Bunker verteilt. „Vom Alarm bis zum Einschlag der Rakete dauert es nur 30 Sekunden“, so Pape. Zum Glück habe er während seines Aufenthaltes keinen Angriff in Kirjat Gat erlebt, allerdings gab es nur 20 Kilometer entfernt einen Raketenalarm. Und auch die Nachricht von Messerattacken in Kirjat Gat gehörten dazu. „Das Heim war zwar sicher, aber es war trotzdem ein einschneidendes Erlebnis, wenn der Hubschrauber dreieinhalb Stunden über den Köpfen kreiste. Wenn es wirklich einen Raketenalarm gegeben hätte, weiß ich nicht, wie ich reagiert hätte“, gab Pape zu.

Doch auch der Spaß kam während des Jahres in Israel nicht zu kurz. Zu den unvergesslichen Erlebnissen für den jungen Verdener gehören der Besuch des Weihnachtsgottesdienstes in der Erlöserkirche in Jerusalem, eine Wüstentour oder eine Bootsfahrt auf dem Jordan. „Das absolute Highlight zum Schluss war ein Tandemsprung mit dem Fallschirm“, so Pape. Unvergesslich und stellvertretend für das ganze Jahr in Israel. ahk

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