Unterschriften gegen Antibiotikaverbot

Veterinärin im Tierheim: Untersuchung von Muckel, Fellnase und Co.

Zwei Frauen in violetten Kitteln untersuchen einen kleinen Hund.
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Ganz geduldig lässt sich Sisi untersuchen: Sie und ihr Kamerad Albi sind bereit für eine Vermittlung. Die Hundezwerge, so Katja Schwarblat, werden auch jeder für sich in ein neues Zuhause vermittelt.

Ausgesetzte Hunde und Katzen, verwahrloste Kleintiere und aufgegriffene Exoten: Im Tierheim in Verden-Walle gibt es allerhand verschiedene tierische Gäste. Maret Brunken, Veterinärin in Verden, schaut mindestens einmal in der Woche mit ihrer Assistentin Katja Schwarblat zum „Hausbesuch“ vorbei. Früher wurde noch mit allen Tieren in die Arztpraxis gefahren, was teils enormer Stress für die Tiere gewesen sei, berichtet Brunken.

Verden – Doch seit vielen Jahren komme sie in die Einrichtung und es würden nur noch Operationen, Kastrationen, Notfälle und aufwendigere Behandlungen in ihrer Praxis durchgeführt.

Zu groß, zu wild, zu haarig, zu verfressen, zu lästig: Es gibt so viele Gründe, warum Menschen ihre Haustiere nicht mehr haben wollen. Sisi und Albi etwa verstehen die Welt nicht mehr. Die Besitzerin wollte die beiden Chihuahuas aus nicht nachvollziehbaren Gründen nicht mehr haben, und gab die achtjährigen Hundezwerge kurzerhand im Verdener Tierheim ab. Hier wohnt das Duo zurzeit in einem separaten Hundezimmer und wartet mit Kulleraugen darauf, dass ihm jemand eine zweite Chance gibt.

Die einen sind ruhig, die anderen machen Krawall

Neuankömmlinge wie die beiden im Tierheim zunächst einmal die Untersuchung bei Tierärztin Maret Brunken und ihrer Arzthelferin Katja Schwarblat über sich ergehen lassen. Die weibliche Fellnase gibt vor Angst keinen Mucks von sich. Ergeben lässt sie sich das Prozedere gefallen und zuckt selbst dann nicht, als die Veterinärin ihr den Fang weit öffnet und die Zähne kontrolliert. Ganz anders ihr Kumpel. Er bleckt die Zähne, knurrt und macht ganz schön Krawall, bis Schwarblat beherzt zugreift und den Angriff des Rüpels mutig kontert. „Der ist wahrlich nicht ohne“, lacht die stellvertretende Tierheimleiterin Janina Grube, die auf konsequente Bewerber um diesen „taffen Burschen“ hofft.

Für die Tierärztin geht es danach ins Kleintierzimmer, wo mehrere Zwergkaninchen – teils mit Jungen – untersucht werden. Sind die kleinen fit und gesund, ist diese Häsin vielleicht trächtig und welches Geschlecht hat dieses Tier? Allesamt Fragen, die Brunken und ihre Mitarbeiterin routiniert beantworten. Als nächstes müssen mehrere kleine Katzen eingefangen werden, die geimpft werden sollen. Das Gros verhält sich freundlich, aber es sind auch einige Wildfänge darunter, die sich nicht einmal mit Futter anlocken lassen. Doch das Veterinär-Duo ist geduldig, es hat noch jeden Stubentiger geschafft. Notfalls werden Lederhandschuhe übergezogen oder es wird ein Fangnetz zum kurzzeitigen Fixieren eingesetzt.

20 Hunde, über 100 Katzen, Kaninchen und anderes Kleingetier stehen auf der Patientenliste

Arbeitslos wird das Veterinär-Team im Verdener Tierheim vermutlich nie. „Nein, das wird sicher niemals geschehen“, bestätigt auch Grube. Die Tierärztin ist daher feste Vertragspartnerin der Einrichtung und somit für die medizinischen Belange sämtlicher Schützlinge zuständig. Annähernd 20 Hunde, über 100 Katzen, Kaninchen und anderes Kleingetier werden aktuell von dem tierärztlichen Team durchgecheckt und falls erforderlich behandelt.

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Regelmäßig werden die Neuzugänge kontrolliert, geimpft, Erkrankungen und Wunden behandelt oder auch Krallen geschnitten. Für Newcomer ist außerdem eine Wurmkur Pflicht und neu aufgenommene Katzen werden standardmäßig auf diverse Viruserreger wie Katzenaids oder Leukose untersucht. Diese Untersuchungen kosten das Tierheim viel Geld, aber die Gefahr, dass neue Gäste diese Krankheiten einschleppen und gesunde Tiere infizieren sei einfach zu groß, heißt es.

Doch so gut man sich in Verden-Walle um die Tiere auch kümmert, so bestrebt sind die Verantwortlichen, die Gäste möglichst schnell wieder zu entlassen. Das Tierheim soll schließlich nur eine Übergangslösung sein und je eher ein Tier wieder ein eigenes Zuhause findet, umso besser.

Unterschriftenaktion gegen Antibiotikaverbot

Doch auch die Theorie gehört zur Praxis: So hatte die Veterinärin bei ihrem Besuch eine Unterschriftenliste zum weitreichenden Verbot des Antibiotikaeinsatzes bei Tieren vom Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) mitgebracht. Eine Fachzeitschrift schreibt dazu, dass das Europaparlament am 8. September darüber abstimmen wird, welche Antibiotika künftig den Menschen vorbehalten sein sollen und dass ein komplettes Anwendungsverbot von Fluorchinolonen, Cephalosporinen der dritten und vierten Generation, Polymyxinen und Makroliden in der Tiermedizin zu befürchten sei. Dem Verband zufolge wären dann entgegen den Aussagen in dem Entschließungsantrag, der dem Parlament vorliegt, nicht nur landwirtschaftliche Nutztiere, sondern alle Tierarten betroffen. „Mit dramatischen Auswirkungen für die Therapie von Haus- und Heimtieren“, so Brunken.

Der bpt habe deshalb in seinen Mitgliedspraxen eine Unterschriftenaktion gegen solch ein weitreichendes Verbot gestartet, an der sich alle Tierhalter beteiligen sollten. Die Unterschriften sollen vor der Abstimmung an die deutschen Abgeordneten im Europaparlament übergeben werden. Damit wolle der Verband ein politisches Zeichen setzen und deutlich machen, dass er das geplante Anwendungsverbot bestimmter Antibiotika bei Tieren für tierschutzwidrig halte. Viele Krankheiten könnten dann nicht mehr oder nicht mehr adäquat behandelt werden, so die Befürchtung. Nachgewiesenermaßen stammten laut bpt nur etwa fünf Prozent der Antibiotikaresistenzen aus der Tierhaltung.

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