Rathaus räumt Rückstand ein

Meterhoch Unkraut: Verden wuchert zu

Unkraut vor Straße
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Allmählich wird es unübersichtlich: Auch am Nordertor-Kreise schießt das Unkrauft in die Höhe.
  • In Verden wuchert das Unkraut an Fahrbahnrändern und in Grünanlagen in die Höhe. Die Stadtverwaltung räumt einen Rückstand ein. Erster politischer Druck macht sich breit.

Verden – Die Verdener Rentnerin reagiert entrüstet. Der Wildwuchs an den Straßen, manchmal mannshoch, das habe es ja noch nie gegeben, echauffierte sie sich. Nur noch Unkraut, wo sonst im Sommer durchaus gepflegte Anlagen das Auge erfreuten. „Verden wuchert zu“, so ihre Meinung. Kein Einzelfall. Die Anrufzahlen schnellen in die Höhe. Im Rathaus, auf dem Betriebshof.

„Ein Anstieg“, räumt Rainer Kamermann ein, „ein deutlicher Anstieg.“ In der Stadtverwaltung verantwortet er den Bereich Straßen und Stadtgrün. Zusätzlichen Druck übt die Politik aus. Als erstes meldete sich die CDU zu Wort. Ein Konzept zur Pflege der Grünanlagen und Wegeseitenräume fordern die Christdemokraten.

Überraschender Gast: Getreide sprießt am Brunnenweg.

Der Kreisel am Nordertor ist so ein Fall. Hüfthoher Bewuchs, wo eigentlich nichts die Sicht stören darf. Der Radweg am Berliner Ring ein nächster. Wer als Pedalritter ohne Dornenberührung durchkommen will, ist auf Slalomfahrt angewiesen. Oder der Brunnenweg. Doch, der Blütenstand beim Getreide, stünde die Gerste auf freiem Feld, es gäbe nichts zu nörgeln. Aber hier residiert die Ähre auf der Verkehrsinsel. „Einen solchen Wildwuchs habe ich noch nicht erlebt“, sagt ein Anlieger.

Das Rathaus schiebt das Blühwunder auf die Witterung. „Nach zwei Jahren extremer Trockenheit erlebten wir jetzt einen April und einen Mai mit hohen Niederschlägen“, sagt Kamermann, „das treibt natürlich das Wachstum an.“ Wo früher allenfalls mal der Wasserwagen unterwegs war, um Bäumen das Überleben zu ermöglichen, da müssten jetzt Prioritäten gesetzt werden. „Generell genießt die Verkehrssicherungspflicht oberste Priorität.“ Straßeneinmündungen, Fußgängerüberwege, Ränder von Radwegen, da werde als erstes sozusagen die Sense geschwungen, wenn es denn eine Sense sei. Unterwegs sei alles, was vier Räder hat, vom großen Trecker bis zum kleinen Rasenmäher, aber die Wege zwischen den Einsatzorten dürften nicht zu lang ausfallen, das koste zusätzlich Zeit. „Das muss genau koordiniert werden.“

„Aufkommen ist in den vergangenen Jahren gewachsen“

Und dann kommen die üblichen Verdächtigen hinzu, die Sportplätze, die Spielplätze, die Friedhöfe, die Schulen, die Kitas, die Parks und die vielen anderen Grünflächen. „Das Aufkommen ist in den vergangenen Jahren gewachsen.“ Und auch die Sonderfälle fordern ihr Recht. Der Allerpark zum Beispiel, schon vor sechs Wochen verursachte er Schlagzeilen. Ungepflegt sei er, schimpften Passanten (wir berichteten). „Wir haben ihn inzwischen zum dritten Male gemäht“, so Kamermann. Baumauswucherungen kommen hinzu. Rings um den Stamm sprießen kleine Zweige, die in den Straßenraum ragen. „An der Artilleriestraße ist ein Team den ganzen Tag zum Schnitt solcher Auswüchse unterwegs gewesen.“

Und Verden überwuchert in den nächsten Wochen weiter? „Im Laufe des Juli wollen wir den Rückstand aufgeholt haben“, sagt Kamermann, „das ist jedenfalls der Plan.“ Dabei werde allerdings behutsam vorgegangen. „Blühflächen sollen stehen bleiben.“

Derweil schellt es im Rathaus nur so. Immer mehr Bürger, die mit mehr oder minder großer Freundlichkeit auf das wuchernde Grün hinweisen. „Hören wir uns gerne an und notieren wir auch gerne, aber jetzt muss erstmal die Prioritätenliste abgearbeitet werden.“ Kompetenzgerangel kommt hinzu. Autofahrer meldeten sich unter Telefon 120, sie könnten an der Abfahrt Verden- Nord vor lauter Unkraut den Fahrzeugverkehr nicht mehr einsehen. „Sorry, bitte bei der Straßenmeisterei in Oyten melden. Das ist deren Bereich.“

CDU fordert ein Pflege- und Unterhaltungskonzept

Gleichzeitig macht die CDU Druck. Die Stadtratsfraktion fordert ein Pflege- und Unterhaltungskonzept für sämtliche städtischen Grünanlagen und Wegeseitenräume. Dieses Konzept solle durch den Rat der Stadt beraten sowie beschlossen und von der Verwaltung umgesetzt werden.

Ratsmitglied Frank Medenwald hat gleich eine ganze Palette Missstände ausgemacht: „In diesem Jahr wurden offensichtlich bis Mitte Juni überhaupt keine Pflegemaßnahmen in den Grünanlagen sowie beim Straßenbegleitgrün vorgenommen. Domplatz, Alleruferweg, Berliner Ring, Holzmarkt, Johanniswall, Bürgerpark und viele andere Bereiche der Stadt boten und bieten ein verwahrlostes und ungepflegtes Bild. Pflanzstreifen innerhalb der Anlagen sind zugewuchert und als solche nicht mehr zu erkennen. Sträucher und Äste ragen in Rad- und Fußwege hinein und stellen eine Unfallgefahr dar und beeinflussen die Verkehrssicherheit. Die wenigen inzwischen gemähten Bereiche sehen auch nicht besser aus, da das extrem lange Mähgut einfach liegen gelassen wird. Die gesamte Stadt wirkt dadurch ungepflegt und wenig einladend.“

Ratsmitglieder seien laufend auf diese Missstände angesprochen worden. Auch Beschwerden von Bürgern seien an die Verwaltung weitergeleitet. Medenwald: „Eine spürbare Verbesserung ist nicht wahrzunehmen.“ Die CDU unterstütze ausdrücklich die Anlage von Blühflächen zum Erhalt der Artenvielfalt. Eine Abgrenzung zu Straßen, Wegen und Rabatten durch angemessene Pflegemaßnahmen und die Anlage von Mähstreifen sei jedoch erforderlich. Es bedürfe daher eines Grundsatzbeschlusses des Rates, wie das Erscheinungsbild der Stadt künftig aussehen solle.

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