Reaktionen auf die Beben: „Unerträgliche Ignoranz“

Nach Erdbeben im Landkreis Verden: Politik will Förderstopp

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Mit roten X-en protestieren Bürger gegen die Förderung von Erdgas, das Fracking und das Verpressen von Lagerstättenwasser. Nach den jüngsten Erdbeben sind weitere Demonstrationen zu erwarten.

Auf die kurzen Erdstöße am Mittwochabend, die vor allem in der Stadt Verden und der Gemeinde Kirchlinteln registriert wurden, folgte am Donnerstag ein kleines politisches Erdbeben. Vertreter nahezu aller Parteien auf lokaler, Landes- und Bundesebene meldeten sich zu Wort, forderten Ursachenforschung und Konsequenzen – vor allem in Sachen Erdgasförderung.

  • Nach den Erdbeben in Verden und Kirchlinteln meldet sich die Politik zu Wort
  •  Erdgas-Förderung soll gestoppt werden
  • Betroffene berichten von den Auswirkungen des Bebens

Kirchlinteln/Verden – Ob Gerard-Otto Dyck (SPD), Ortsbürgermeister in Verden-Scharnhorst, Imke Byl, umweltpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, oder Amira Mohamed Ali, Vorsitzende der Fraktion Die Linke im Deutschen Bundestag: Sie alle wollen den sofortigen Stopp der Erdgasförderung.

Die Regierung der Niederlande habe beschlossen, „die Gasförderung erheblich zu verringern und in wenigen Jahren insgesamt aus der Förderung in der besiedelten Region nördlich von Groningen auszusteigen“, schreibt der CDU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Wilhelm Hogrefe, und empfiehlt, es dem Nachbarland gleichzutun.

Erdbeben: Ernüchternde Antwort aus Hannover

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt aus Langwedel fordert die Einstellung in verdichteten Siedlungsräumen. Er habe sich diesbezüglich bereits mit Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann in Verbindung gesetzt, allerdings eine ernüchternde Antwort erhalten.

Aufgrund der großen Erdgasreserven und wirtschaftlicher Verpflichtungen sei ein Stopp nicht umsetzbar, zitiert Mattfeldt seinen Parteikollegen. „Ich empfinde das als eine unerträgliche Ignoranz und Arroganz der Politik von SPD und CDU aus der Landeshauptstadt Hannover gegenüber unserem ländlichen Raum.“

Als hätte sie die Vorwürfe gehört, schreibt Dörte Liebetruth, SPD-Landtagsabgeordnete: „Über Parteigrenzen hinweg müssen wir deswegen auf Landes- und Bundesebene noch mehr Druck machen damit – wie einstimmig von uns im Verdener Kreistag beschlossen – die Erdgasförderung in unserer dicht besiedelten Region um Bremen bald der Vergangenheit angehört.“

Erdbeben im Zusammenhang mit Gasförderung

Die genaue Ursache für die Beben wird laut Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) zurzeit zwar noch analysiert. Doch auch für die Behörde scheint der Zusammenhang zwischen Gasförderung und Erschütterungen außer Frage zu stehen.

Es sei „sehr wahrscheinlich“, teilt das LBEG mit und erklärt: „Die Förderung von Erdgas führt zu Spannungen im tiefen Untergrund. Wenn diese an Schwächezonen im Untergrund impulsartig abgebaut werden, kann es zu spürbaren Erschütterungen an der Oberfläche kommen.“

Gleich am Donnerstagmorgen meldete sich die Wintershall Dea Deutschland AG über ihren Pressesprecher Heinz Oberlach zu Wort. „Wintershall Dea bedauert die Unannehmlichkeiten, die dadurch entstanden sind“, entschuldigte sich das Unternehmen für die „spürbaren seismischen Ereignisse“. Und es forderte die Bürger auf, Schäden an ihren Häusern, die durch die Beben entstanden sind, zu melden.

Erdbeben Verden: Dea nimmt Schäden auf

Es sei dem Unternehmen extrem wichtig, schnell ansprechbar zu sein. „Man kann es nicht ungeschehen machen“, so Oberlach, „aber man kann sich vernünftig verhalten“, nimmt er Wintershall Dea in die Pflicht. „Wir stehen zu unserer Verantwortung.“ Schäden würden aufgenommen, begutachtet, auf ihre Plausibilität hin überprüft und gegebenenfalls „so fair wie möglich reguliert“, erklärt er die weitere Vorgehensweise.

Am Mittwoch um 18.28 Uhr bebte zum ersten Mal die Erde. Der Niedersächsische Erdbebendienst (NED) am LBEG registrierte eine Lokalmagnitude von 3,2 und damit das stärkste Beben, das jemals in dieser Region aufgezeichnet wurde.

Das Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam lokalisierte das Epizentrum in fünf Kilometern Tiefe in der Gemeinde Kirchlinteln, in unmittelbarer Nähe zur Scharnhorster Gasförderstation.

Epizentrum der Beben in fünf Kilometer Tiefe

Nicht spür-, aber messbar war dann um 20.52 Uhr das nächste Beben mit einer Stärke von 1,5. Vier Stunden nach der ersten Erschütterung, um 22.32 Uhr, registrierten Bürger ein weiteres Mal ein Beben. Laut NED zwar schwächer, mit einer Magnitude von 3,0, dennoch in Verden deutlich spürbarer. Dieses Mal machte das GFZ das Epizentrum unweit des Eitzer Kreisels in Verden aus, ebenfalls in fünf Kilometern Tiefe.

Die Reaktionen aus der Bevölkerung ließen nicht lange auf sich warten. „Das ganze Haus hat sich bewegt“, „Unser massiver und schwerer großer Esstisch vibrierte“, „Fühlte sich an, als wenn eine Welle durchs Haus rollt“ oder auch „Geschirr scheppert im Schrank“ meldeten Verdener und Kirchlintelner auf der Website von erdbebennews.de. Andere wandten sich an die Polizei inVerden. Binnen kürzester Zeit gingen auf der Wache 30 Meldungen.  

Schäden und Beobachtungen melden

„Bei seismischen Ereignissen dieser Größenordnung können Schäden wie Putzrisse an Gebäuden auftreten“, heißt es in einer Pressemitteilung von Wintershall Dea. Anwohner, die an ihren Häusern Schäden feststellen, die auf die Beben zurückzuführen sind, sollen sich an die Wintershall Dea / Förderbetrieb Gas Nord, Schülinger Straße 21, 27299 Langwedel, Telefon 04232/933200, E-Mail FB-GasNord@wintershalldea.com, wenden. 

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