Von der Zapfsäule an die Steckdose

Der Umstieg ins E-Auto: Ein Selbstversuch

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Das E-Auto der Stadtwerke hat eine Reichweite von circa 150 Kilometern. 

Rund 83 200 Elektro-Fahrzeuge sind seit dem 1. Januar (2019) auf Deutschlands Straßen unterwegs. Dabei handelt es sich laut einer Studie der Webseite Statista um einen Rekordwert. In den nächsten Jahren sollen es viel mehr Stromer werden. Doch immer noch sträuben sich viele bei dem Gedanken, ihren Diesel oder Benziner abzugeben, und gegen die elektrische Alternative auszutauschen. Wie der Umstieg auf ein E-Auto wirklich ist, habe ich (Lisa Hustedt) innerhalb eines Selbstversuchs darum mal ausprobiert.

Verden - „Unser E-Golf hat eine Reichweite von circa 150 Kilometern“, erklärt mir Kerstin Hartje, Mitarbeiterin der Stadtwerke Verden. Die stellen für meinen Versuch ihr E-Auto, einen komplett elektrischen Wagen der Marke Volkswagen, bereit. Die Testroute, mein täglicher Weg zur Arbeit und wieder nach Hause, beträgt um die 54 Kilometer. Folglich stellt die Reichweite des Stromers schonmal kein Problem dar. Mein Diesel kann vollgetankt zwar bis zu 1 000 Kilometer zurücklegen, aber rein technisch betrachtet, bin ich auf die im täglichen Gebrauch nicht angewiesen.

Herausforderung Automatik

Die wohl größte Umstellung und Herausforderung für mich stellt das automatische Getriebe des E-Golfs dar. Ich bin zuvor noch nie in einem Auto ohne Kupplung unterwegs gewesen. Das wird mir auch etwas schmerzlich in dem Moment bewusst, als ich in das E-Auto steige und mein linker Fuß vergebens nach dem dritten Pedal tastet. „Es gibt eigentlich nur das Gas und den Rückwärtsgang“, so Hartje mit einem Lächeln und erklärt mir die Funktionen des Schalters an der Position der Kupplung. „Im Grunde braucht man lediglich P, das steht für Parken, R, das steht für rückwärts, und D, damit fährt das Auto vorwärts.“ Ein Schalter am Griff des Hebels fungiert dabei als „Tarnkupplung“. Der Rest – also Licht, Scheibenwischer, Blinker etc. – ist eigentlich so wie bei jedem anderen Auto.

Nach dieser Einweisung drehe ich enthusiastisch den Schlüssel herum und starte den Motor. Dabei höre ich – quasi nichts. Selbst als ich ungläubig die Autotür öffne, dringt kein Motorengeräusch an meine Ohren. „Der Wagen ist unglaublich leise“, bestätigt Kerstin Hartje meinen etwas ungläubigen Blick. Darum müsse man auch im Straßenverkehr um einiges umsichtiger fahren. Fußgänger und Radfahrer verließen sich immer noch sehr auf ihre Ohren und würden somit ein herannahendes E-Auto eher selten bemerken.

E-Auto: Leistung ist sofort da

Das ergibt Sinn, denke ich mir und schalte in den Rückwärtsgang, um aus der Garage der Stadtwerke zurückzusetzen. Doch kurz nachdem ich auf das Gaspedal drücke bremse ich, erneut verdutzt. Eigentlich hätte ich damit gerechnet, dass das E-Auto eher langsamer als mein Van ist. Doch das genaue Gegenteil ist der Fall. Sobald ich das Gaspedal betätige, ist sofort Leistung da, sprich: Auch im Vorwärtsgang geht der E-Golf ab wie eine „Rakete“. Fast ein bisschen zu schnell wie ich für meine erste Testrunde finde, und bremse – etwas zu fest. Gut, Notbremsung geht also auch problemlos.

Einen Schaltknüppel gibt es zwar noch in der Mittelkonsole, richtig gekuppelt werden muss damit allerdings nicht mehr.

Ich verabschiede mich von Hartje und steuere die B 215, meinen Weg nach Hause, an. Zwei Mal erwische ich mich noch dabei, das ich vergebens nach der Kupplung taste, einmal an einer Ampel, das andere Mal als mir ein Krankenwagen entgegenkommt. Je länger ich unterwegs bin, desto nutzloser kommen mir darum auch meine rechte Hand und mein linker Fuß vor. Dadurch, dass ich nicht mehr schalten muss, erwische ich mich ein paar Mal dabei, dass ich entweder zu langsam, oder einen Tick zu schnell unterwegs bin. Erneut von der Leistung des E-Golfs überzeuge ich mich, als ich einen Laster überhole, der mit circa 70 Kilometern pro Stunde in einer Hunderter-Zone unterwegs war.

Eine gute Stunde unterwegs mit dem E-Golf

Nach einer guten Stunde Fahrt kehre ich schließlich auf den Hof der Stadtwerke zurück. Laut Tacho hätte ich noch 73 Kilometer fahren können, etwas weniger als ursprünglich gedacht. Das liege daran, dass alle zusätzlichen Funktionen des Wagens wie Heizung, Scheibenwischer, Seitenspiegelheizung und weitere ebenfalls Strom benötigen und somit den Verbrauch erhöhen, erklärt Hartje, die mich an einer der zwei Ladesäulen der Stadtwerke bereits erwartet. Hier schließen wir den E-Golf erneut an, sodass er für die nächste Fahrt voll geladen ist.

„Unter den richtigen Voraussetzungen kann man ein E-Auto auch an einer Steckdose laden“, so Jörn Zahnd, Teamleiter der Marketing- und Energieberatungsabteilung der Stadtwerke. Er verwendet den E-Golf oft für Betriebsfahrten oder Hausbesuche. „Im Schnitt finden sogar 80 bis 85 Prozent aller Ladegänge Zuhause statt. Viele, mit denen ich über E-Autos gesprochen habe, könnten sich vorstellen, es als einen Zweitwagen zu fahren.“

Unsere Autorin zieht ihr Fazit zum E-Auto

Seit zwei Jahren können Kunden der Stadtwerke zu einem Stunden- oder Tagestarif probefahren. Bis jetzt sei das Angebot aber eher „mau“ angenommen worden.

Ich könnte mir – insbesondere nach der Probefahrt mit dem E-Golf – den Umstieg auf ein E-Auto durchaus vorstellen. Direkt umsteigen werde ich aber nicht, denn das kann ich mir zum jetzigen Zeitpunkt einfach nicht leisten. Selbst wenn der Wagen aktuell im Angebot ist und statt einem Listenpreis von 31 900 Euro, nur 20 000 Euro inklusive staatlicher Förderprämie kosten soll.

E-Golf Probefahrten

Wer ebenfalls mal Strom statt Gas geben möchte, und ein Kunde der Stadtwerke ist, der kann den E-Golf zu festgelegten Preisen jederzeit testen. Pro Stunde kostet die Testfahrt 12,90 Euro. Wer einen ganzen Tag, also von 9 bis 19 Uhr, „grün“ fahren möchte, kann das für 70 Euro tun. Weitere Informationen dazu gibt es unter www.stadtwerke-verden.de über E-Mail an info@statdtwerke-verden.de oder über Telefon 04231/9150.

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