Nur die fehlenden Blumen sorgen für Unverständnis

Umsatz sogar besser als in den Vorjahren

Marktstand in der Innenstadt mit mehreren Kunden
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Ein leichtes Umsatzplus verzeichnen die Beschicker des Verdener Wochenmarktes.

Verden – Ein grauer Vormittag, riesige Abstände zwischen den einzelnen Ständen, Menschen mit Maske und anderthalb Metern Distanz. Die Atmosphäre am letzten Markttag des denkwürdigen Jahres 2020 zeugt nicht von Sektlaune, nicht von Feierstimmung, nicht von Vorfreude. Rund ums Verdener Rathaus eher gedeckte Stimmung. Auf den ersten Blick jedenfalls. Aber erste Blicke können täuschen. In diesem Fall besonders. „Nein“, sagt Roland Arndt. Marktbeschicker ist er. Seit langen Jahren bereits. Honig bringt er aus eigener Imkerei mit. Eier und Kartoffeln und die anderen Dinge kommen aus der näheren Umgebung. „Nein, das zurückliegende Jahr, es lief sogar einen Ticken besser als die Vorjahre.“ Ihm liege noch keine Jahresabrechnung vor, wie auch, gestern läpperte es sich ja noch vor seinem Stand, aber eine Tendenz könne er beschreiben. „Kein gravierendes Plus, das nicht, es sind unter zehn Prozent. Aber es gab ein Plus.“ Und er sei kein Einzelfall. „Die meisten sagen, es ist eher mehr als weniger geworden.“

  • Bilanz auf dem Verdener Wochenmarkt
  • Einschnitte bei der Hochzeitssuppe
  • Worüber die Besucher seit Neuestem schmunzeln

Von der anderen Seite des Marktstandes erntet er Zustimmung. „Auch im Corona-Jahr habe ich keine Pause eingelegt“, sagt die Verdenerin Marion Rüben, „im Gegenteil. So oft es geht, habe ich den Supermarkt umgangen.“ Sie habe die Qualität überzeugt, sie versorge ihre Familie, sie habe trotz aller Pandemie-Schwierigkeiten ein „Angebot wie immer“ vorgefunden. „Der einzige Unterschied“, sagt sie, „wir müssen halt mit Maske unterwegs sein. Mit Maske und Abstand.“

Und schon steht sie am nächsten Stand und ist dort keineswegs allein. Kleine Schlangen bilden sich vor Brotmanufaktur und Gemüse-Auslage, alle mit Abstand, kleine Schlangen auch vor Landschlachterei, Frischgeflügel, Rotwild und was es sonst noch so gibt. Nur das Bunte, das fehlt. Die Blumenstände. „Schade eigentlich und sehr unverständlich. Im Supermarkt dürfen doch auch Blumen angeboten werden“, sagt einer der Beschicker. Den Leuten werde gepredigt, sie sollen lüften, so oft es geht. Auf dem Wochenmarkt werde gelüftet, dauerhaft gelüftet, aber trotzdem „müssen die Blumen draußen bleiben. Einsehbar ist das nicht.“

Andernorts warten andere Einschränkungen. Zum Beispiel bei der Hochzeitssuppe oder der Erbsensuppe von Irmgard. Die Verdenerin Doris Munzlinger steuert den Stand an. „Ich bin hier regelmäßig. Unter anderem kaufe ich für meine Mutter ein.“ Der große Topf mit den frisch duftenden Suppen bleibt weitgehend kalt, aber die Suppe im Glas, sie läuft, und die eingekochten Lebensmittel auch. Inklusive einen Euro Pfand pro Glas. „Hier am Stand zu essen, das funktioniert nicht“, sagt Marktbeschicker Ralf Borcherding, „manche nehmen sich ihr Gericht und speisen halt in mindestens 50 Metern Entfernung, aber am liebsten werden die Gläser genommen.“ Seit gut fünf Monaten ist Borcherding dienstags auf dem Verdener Wochenmarkt vertreten. Die Nase voll hat er nicht. Im Gegenteil. „Wir legen jetzt Betriebsferien ein, aber ab dem 19. Januar sind wir wieder da.“

Und vielleicht auch eine der witzigen Ideen, die sie haben. „Seit dem zweiten Lockdown erhalten Kunden ein Rolle Toilettenpapier gratis. Und bei einem Einkauf von 25 Euro gibt es sogar eine Tüte Mehl gratis.“ Nur einige schimpften über die Aktion, die meisten, so Borcherding, „reagieren mit einem Schmunzeln“.

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