Eigener Bereich für die Neuen

Flaute bei Anmeldungen führt zum Umdenken am Gymnasium am Wall

Die Fassade des neu fertiggestellten  Anbaus an das Gymnasium am Wall.
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Der Anbau am Gymnasium am Wall wird den Neuankömmlingen vorbehalten sein. Dort sollen fünfte und sechste Klassen mit einer Patenklasse unter sich bleiben.

Besonders viele Schüler und Schülerinnen entscheiden sich aktuell für einen Besuch des Verdener Domgymnasium. Am Gymnasium am Wall führt das zu einem Umdenken.

Verden – Der Anbau am Gymnasium am Wall ist fertig, aber die Schülerzahlen gehen – zumindest für das kommende Schuljahr – zurück. Mit einem ungewöhnlich großen Zulauf muss dagegen das Domgymnasium klarkommen. Ausgerechnet dort ist die Schulerweiterung aber noch nicht weit vorangeschritten. Stattdessen werden Schülerinnen und Schüler zum Teil in Containern unterrichtet. Dennoch haben sich ungewöhnlich viele Schülerinnen und Schüler für das Domgymnasium (DoG) entschieden. 171 Schülerinnen und Schüler haben sich dort angemeldet, während nur etwa 80 zukünftig das Gymnasium am Wall (GaW) besuchen wollen.

So weit klafften die Anmeldungen selten auseinander, das bestätigt GaW-Schulleiterin Petra Sehrt: „Ich war erstaunt, denn Schwankungen hat es immer gegeben, mal hatte das Domgymnasium mehr Anmeldungen als wir, mal war es umgekehrt.“ Man habe sich jedoch stets auf eine gewisse Ausgewogenheit verlassen können. Die derzeitige Situation erklärt sich GaW-Schulleiterin Sehrt unter anderem damit, dass Eltern ihre Kinder in Pandemiezeiten eher in einem überschaubaren räumlichen Umfeld gut aufgehoben sehen. Und das hätte das Domggymnasium mit der Unterbringung der fünften und sechsten Klassen in der Pestalozzischule als Nebenstelle eben zu bieten.

Altergemäße Ausstattung für die neuen Schüler

Tatsächlich werden die neuen Schülerinnen und Schüler am Domgymnasium seit vielen Jahren in der Außenstelle Pestalozzischule –ein paar hundert Meter vom Hauptgebäude enfernt – untergebracht. Dort sind sie sozusagen unter sich. Die Schule wirbt mit einer altersgemäßen Ausstattung.

Beliebt bei Schülern und Eltern: Die Außenstelle Pestalozzi-Schule.

Da diese Situation den Grundschhulabsolventen wohl besser gefällt, hat das Gymnasium am Wall reagiert. Petra Sehrt: „Wir werden die Anfänger im Neubau unterbringen. Drei fünfte Klassen plus die 9b als Patenklasse. Die restlichen Räume gehen an die sechsten Klassen.“ Der Neubau sei auch ein Gebäude für sich und pünktlich zum Schuljahresbeginn fertig. „Schlüsselübergabe ist am 30. August.“ Dann sollen auch die Außenanlagen speziell für die Neuen fertig sein.

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Das sei so nicht geplant gewesen, aber man wolle den Jüngsten an der Schule damit etwas Gutes tun. Als seinerzeit die Orientierungsstufe aufgehoben worden sei, und die fünften Klassen in die Gymnasien zurückkehrten, habe man auf andere Umstände geachtet. Zum Beispiel darauf, dass die Fünft- und Sechstklässler in der Nähe des Sekretariats untergebracht werden, um sie in der Anfangszeit gut betreuen zu können.

Acht neue Klassenräume, schön und lichtdurchflutet

Die acht neuen Klassenräume beschreibt Sehrt als sehr schön und lichtdurchflutet. Es sei sehr viel Holz und Glas verarbeitet worden. „Ich bin stolz auf unsere Schule und mache gerne Werbung dafür.“ Andererseits sei ihr die Kooperation mit dem Domgymnasium sehr wichtig. Aber: „Ein bisschen Konkurrenz ist auch ganz schön.“

Ob der Anbau am Domgymnasium ebenso gelingt wie der am GaW, wird sich zeigen. Doch die „Ziegenhofvariante“ wird das Gymnasium um rund 6000 Quadratmeter wachsen lassen. Dadurch entsteht Platz für acht neue Klassenräume und die historische Bibliothek. Die baulichen Erweiterungen an beiden Gymnasien sind durch die Rückkehr zu G 9 notwendig geworden. Während das GaW schon bald die Container auf dem Parkplatz an der Außenstelle abbauen lassen kann, werden sie am Domgymnasium noch eine Weile stehen bleiben müssen. Mit der Fertigstellung des Anbaus wird im Jahr 2023 gerechnet.

Landrat: Ungleichgewicht ist wohl einmalig

Landrat Peter Bohlmann kann sich an einen ähnlich deutlichen Unterschied bei den Anmeldezahlen der beiden Gymnasien im Jahr 2013 erinnern. „Damals war es aber umgekehrt, weil sich beim GaW über 200 Schülerinnen und Schüler angemeldet hatten und nur 110 beim DoG.“ Das habe sich in den folgenden Jahren ausgeglichen, sodass der Landkreis auch beim derzeitigen Ungleichgewicht von einer Einmaligkeit ausgeht.

Im Mittel seien beide Gymnasien vom Raumprogramm auf fünf Züge ausgelegt (zwischen 120 und 150 Schülerinnen und Schüler im Jahrgang), die gerade vor dem Hintergrund der laufenden Investitionen eingehalten werden sollten. Insgesamt seien für die Rückkehr zu G 9 2,8 Millionen Euro am GaW investiert und für den Erweiterungsbau am DoG 4,4 Millionen Euro veranschlagt worden. Auch deshalb wäre die räumliche Überfüllung eines Gymnasiums bei gleichzeitigen Leerständen im anderen weder den Schülerinnen und Schülern noch dem Steuerzahler zu vermitteln.

Bohlmann: „Eine Ursache für die derzeit höhere Anziehungskraft des DoG liegt nach Auskünften vieler Eltern in der Überschaubarkeit in den 5. und 6. Klassen, die beim DoG in der ehemaligen Pestalozzischule unterrichtet werden. Gut ist, dass das GaW jetzt plant, die Kleinen in dem neuen Anbau zusammen mit deren Patenklasse unterzubringen.“ In den höheren Jahrgängen relativiere sich die gewünschte „Überschaubarkeit“ jedoch immer stärker, weil dann die Vielfältigkeit einer großen Oberstufe (zum Beispiel die Möglichkeit, ein Sportabitur zu machen) immer bedeutender wird.

Kooperation der Gymnasien ist wichtig

Wichtig sei, dass das DoG und das GaW noch besser gerade im Hinblick auf ein breiteres Oberstufenangebot kooperieren, weil es auch um die Attraktivität des Gymnasialstandortes in der Kreisstadt insgesamt geht. „Leider werden der Kooperation durch die individuellen Unterrichtszeiten beim DoG von 62 Minuten Grenzen gesetzt, die es in den nächsten Jahren zu überwinden gilt.“

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