1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Verden
  4. Verden

Bis zu 700 Menschen aus der Ukraine im Kreis Verden erwartet

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Heinrich Laue

Kommentare

Menschenschlange am Straßenrand.
Die Unterstützung für die Ukraine ist ungebrochen. Allein am Wochenende nahmen 200 Menschen an einer Mahnwache in Achim teil. © Sperling

Der Landkreis Verden stellt sich auf einen Flüchtlingsstrom aus der Ukraine ein. Rettungskräfte, medizinische Dienste und Polizei werden einbezogen. Gleichzeitig stößt die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung in bemerkenswerte Dimensionen vor.

Landkreis – „Wir wissen nicht, was kommt, aber wir bereiten uns vor“. Mit diesen Worten umreißt Landrat Peter Bohlmann den Stand der Planungen beim Landkreis zum erwarteten Zustrom von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine. Gleichzeitig setzt eine Welle der Hilfsbereitschaft ein. „Es sind schon Geld- und Sachspenden eingegangen“, sagt der Verdener Heinz Möller.

Er organisiert für die Deutsch-Polnische-Gesellschaft die Hilfstransporte nach Polen, jetzt liegt der Fokus auf Hilfe für Flüchtlinge aus der Ukraine.

Zu einer ersten Krisensitzung unter Leitung der Ersten Kreisrätin Regina Tryta trafen sich jetzt die Mitglieder des Katastrophenschutzstabes des Landkreises in einer Videoschalte.

Mit dabei waren auch Vertreter der Sanitätsdienste DRK und Johanniter, der Aller-Weser-Klinik, von Kreisfeuerwehr, Technischem Hilfswerk sowie von Polizei und dem Kreisverbindungskommando der Bundeswehr.

Noch sei unklar, wie viele ukrainische Geflüchtete zu erwarten sind, teilt die Kreisverwaltung mit. Das niedersächsische Innenministerium geht in einer ersten Schätzung von 300 000 bis 400 000 Menschen aus, die nach Deutschland kommen könnten.

„Das wären – runtergebrochen auf den Landkreis Verden – rund 700 ukrainische Flüchtlinge, mit denen wir zusätzlich zu den rund 400 dem Landkreis zugewiesenen Flüchtlingen aus anderen Teilen der Welt für das Jahr 2022 zu rechnen hätten“, erklärt Bohlmann.

Bis zum Juni wären monatlich noch 30 dieser Flüchtlinge aus anderen Ländern im Landkreis unterzubringen, konkretisiert auf Nachfrage Karsten Bödecker, Leiter des Fachdienstes Soziales im Kreishaus.

Die Bereitschaft zur Hilfe kennt jedenfalls keine Grenzen. „Uns sind schon erhebliche Geldspenden zugegangen“, sagt Heinz Möller von der Deutsch-Polnischen Gesellschaft. „Mal waren es 200 Euro, mal sogar 500 Euro, die uns eine Frau aus Verden zukommen ließ.“ Mit 200 Euro könne er ein weiteres Fahrzeug in Richtung Polen auf den Weg bringen. Auch Sachspenden gingen bereits ein. „Darunter vor allem Kleidung, die dringend in allen Größen für Kinder, für Erwachsene benötigt wird.“ Auch über Kuscheltiere würden sich die Kinder freuen. „Sie brauchen in dieser schwierigen Zeit so etwas wie Ablenkung“, sagt Möller.

„Ob es wirklich wie erwattet kommen wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorhersehbar, aber wir wollen uns mit doppeltem Boden absichern“, betont der Landrat. Daher hat der Krisenstab nun die Planungen für eine mögliche Unterbringung von ukrainischen Flüchtlingen aufgenommen.

Neben dezentralen kleineren Objekten wird auch eine Unterbringung in größeren Sammelunterkünften wie beispielsweise der Turnhalle der Berufsbildenden Schulen vorgeplant. „Wir stellen noch keine Betten auf, aber sollte es ernst werden, könnten die Betten in kürzester Zeit stehen“, sagt Bohlmann.

Zugleich ruft die Kreisverwaltung diejenigen Menschen im Landkreis auf, sich zu melden, die Unterbringungsmöglichkeiten oder vermietbare Wohnungen haben. „Der Landkreis sucht nach wie vor dringend Wohnraum für geflüchtete Menschen“, so der Landrat. Dabei würde der Kreis entweder selbst als Mieter auftreten oder Mietverhältnisse vermitteln.

Interessierte Vermieter können sich telefonisch unter (04231) 15-856 oder per E-Mail an wohnungsangebote@landkreis-verden.de melden. Darüber hinaus verweist der Landkreis auf Fördermöglichkeiten im Rahmen seines Wohnraumbeschaffungsprogramms zur Bereitstellung von zusätzlichem Wohnraum in bestehenden Immobilien.

Dämpfend auf den Zuzug ukrainischer Flüchtlinge, so der Landrat, könne sich die ausgeprägte Solidarität und Aufnahmebereitschaft der osteuropäischen Nachbarstaaten auswirken. Viele der Betroffenen würden vermutlich für eine erhoffte schnelle Rückkehr in ihre Heimat in Grenznähe zur Ukraine verbleiben wollen.

Vor diesem Hintergrund haben der Landkreis und die Stadt Verden inzwischen Solidaritätsadressen an die Städte und Gemeinden im polnischen Partnerlandkreis Bartoszyce in direkter Grenzlage zu Russland gesandt. „Wir ermitteln aktuell, ob und wie wir unsere Partnerschaftskommunen bei der Flüchtlingsaufnahme vor Ort unterstützen können“, erläutert Bohlmann.

Wer für die Menschen in der Ukraine spenden möchte, findet dazu im Internet Informationen zu den Spendenkonten der Hilfsorganisationen. Sollten im Einzelfall gezielte Sachspenden erforderlich werden, würden dazu konkrete Aufrufe gestartet, heißt es außerdem vom Landkreis.

Auch interessant

Kommentare