Städte, Gemeinden und Naturschützer wollen Steinvorgärten verhindern

Überzeugungsarbeit

Ein Blütenmeer verzaubert am Straßenrand in Luttum die Betrachter und ist nahrhaftes Ziel für viele Insekten.
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Ein Blütenmeer verzaubert am Straßenrand in Luttum die Betrachter und ist nahrhaftes Ziel für viele Insekten.

Landkreis – Es summt und brummt, Hummeln, Schmetterlinge, Bienen und andere Insekten haben einen Lieblingsort in der Luttumer Bergstraße gefunden. Bunte Blüten in allen erdenklichen Farben locken die Insekten an, aber auch Spaziergänger und Fahrradgruppen, die hier einen kurzen Stopp einlegen, um sich an der Pracht zu erfreuen. Dafür gesorgt haben die Besitzer der angrenzenden Wohnhäuser, die hier eine Wildblumenmischung ausgesät haben.

Grundsätzlich wird dieses Engagement in der Gemeindeverwaltung Kirchlinteln begrüßt, denn auch dort wird der Trend, Vorgärten mit Kunststoffplanen und darüberliegendem Schotter oder Kies zu versiegeln, als äußerst problematisch angesehen. Manuel Rampelmann von der Stabsstelle der Gemeinde weist in diesem Zusammenhang auf die Niedersächsische Bauordnung (NBO) hin, die ein solches Vorgehen verbietet. Dort stehe, dass nicht überbaute Flächen von Baugrundstücken Grünflächen sein müssen. Weil dies nicht immer eingehalten werde oder vielen gar nicht bekannt sei, habe man sich im Rathaus und in den politischen Gremien viel mit diesem Thema auseinandergesetzt. Eine Konsequenz sei gewesen, dass man die Gestaltung der Vorgärten im aktuellen Bebauungsplan „Speckener Weg“ in Kirchlinteln geregelt habe. Die Vollversiegelung mit Kies, Schotter oder Ähnlichem sei dort nicht zulässig. Rampelmann: „Es ist ein schmaler Grat, ob man alles vorschreiben möchte oder nicht.“ In diesem Falle sei man sich jedoch mit der örtlichen Politik einig gewesen. „Wer sich nicht daran hält, muss mit einem Ordnungswidrigkeitsverfahren rechnen.“

Auch die Stadt Verden ist diesen Weg gegangen. Bei der Ausweisung von neuen Bebauungsplänen soll in der Baubeschreibung aufgenommen werden, dass nicht überbaute Flächen gärtnerisch zu gestalten sind und nicht mit Schotter, Kies oder Pflaster versiegelt werden dürfen. Zum ersten Mal ist dieser Schritt bei der Aufstellung des Bebauungsplanes Neumühlen III gemacht worden.

Unter dem Punkt „Bauordnungsrechtliche Festsetzungen“ geht es um die Gestaltung genau jener Grundstücksflächen. Darin heißt es, dass die nicht überbauten privaten Grundstücksflächen gärtnerisch anzulegen sind. Und: „Kiesflächen oder vergleichbare Materialien sind zur Gestaltung der Vorgartenzonen unzulässig. Zuwiderhandlungen gegen die örtlichen Bauvorschriften können mit einer Geldbuße geahndet werden.“

Birgit Koröde vom Fachbereich Stadtentwicklung im Verdener Rathaus geht davon aus, dass dies künftig bei der Aufstellung von neuen Bebauungsplänen die Regel sein wird. „Es geht der Stadt um Klima- und Insektenschutz.“

Außerdem ist man bei den stadteigenen Flächen Vorbild: Die Rasenfläche im Rosengarten ist schon im vergangenen Jahr zur Blumenwiese umgestaltet worden. Die große Fläche, die nach dem Abriss der ehemaligen Kaufhalle vorerst brach liegt, ist inzwischen grün, wird aber vermutlich erst im nächsten Jahr üppig blühen und Insekten anlocken. Über die Gestaltung der Rondels an den Kreiseln im Stadtgebiet wird nicht mehr diskutiert: Wildblumen schmücken die Flächen. Bernd Kiefer, Naturschutzbeauftragter der Stadt, zählt noch mehr Flächen auf, die zum Blühen gebracht worden sind: vor der Bahnunterführung in Dauelsen, am Brunenweg/Ecke Artilleriestraße, an der Hamburger Straße Richtung Dauelsen hinter der Unterführung oder neben der Kindertagesstätte an der Karl-Hesse-Straße.

Der Naturschutzbund (Nabu) nutzt ebenfalls jede Gelegenheit, um auf die Unsinnigkeit von Schottergärten hinzuweisen. Macht sich aber auch viel Mühe bei der Darstellung von Alternativen und problematisiert auf seiner Homepage, dass sicherlich manchem Hauseigentümer nicht bekannt sei, welche Regelungen es bei der Gestaltung von Vorgärten gebe. „Gerade Gärten sind insbesondere für viele Insektenarten wichtige Lebensräume.“ Aus Sicht des Nabu wäre es am besten, wenn jede Gemeinde in neue Bebauungspläne einen entsprechenden Hinweis aufnehmen würde. Wer sich über eine naturnahe Gestaltung des eigenen Gartens informieren möchte, kann dies auf der Homepage des Nabu Verden machen unter www.nabu-verden.de. Dort wird zum Beispiel auf eine Broschüre des Nabu Barsinghausen hingewiesen, wie Gärten naturnah angelegt werden können.

Von Erika Wennhold

Ein Zitronenfalter flattert von Blüte zu Blüte und es summt und brummt zwischen bunten Blumen.
Eher steril wirken Steinvorgärten mit einzeln gesetzten Grünpflanzen. Insekten verirren sich hier nicht hin.

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