Europapolitiker David McAllister spricht vor der Tischrunde der Verdener Wirtschaft

Ein „überzeugter Schwarz-Gelber“

Tischrunden-Präsident Wolfgang Reichelt (links) begrüßte David McAllister in Verden.

Verden - „Mir geht’s super.“ David McAllister redete vor der Tischrunde der Verdener Wirtschaft nicht lange um den heißen Brei herum. Brüssel tue ihm gut, die Aufgabe als Mitglied des Europäischen Parlamentes mache ihm trotz der „nicht einfachen Zeiten“ viel Spaß und Freude. Nur eines werde es nicht geben: Einen Ministerpräsidenten-Kandidaten McAllister für Niedersachsen.

Damit beendete der Christdemokrat und ehemalige Landesvater alle Spekulationen, ob er nicht doch noch einmal auf den Chefsessel einer niedersächischen Landesregierung zurückkehren wolle. „Alles zu seiner Zeit“, blickte der 45-jährige Politiker ohne Wenn und Aber nach vorn. Um dann als einer von zehn niedersächsischen Abgeordneten im Europäischen Parlament Fahrt aufzunehmen.

Der Verdener Tischrunde und Präsident Wolfgang Reichelt präsentierte McAllister einen gut 15-minütigen Abriss seiner Brüsseler Tätigkeit („heute habe ich zur Anreise nach Verden den Zug gewählt“). Und er nannte seine, so wörtlich, „Steckenpferde“. Als da wäre der westliche Balkan, mit dem sich McAllister als Mitglied des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten beschäftige. Als da wären die Beziehungen zum US-Kongress, dessen Mitglieder bei Europa-Besuchen seine besondere Aufmerksamkeit genießen. Als da wäre das Vereinigte Königreich. McAllister, der auch die britische Staatsbürgerschaft besitzt, sieht sich im Parlament als Debattenredner auf der Remain-Seite („wir brauchen die Briten weiter an unserer Seite“).

McAllister sieht sich nach eigener Darstellung ständig von der Realität eingeholt. „Es fehlt an Union und Europa in der Europäischen Union“, so seine Kritik, was aber auch mit den 28 souveränen Staaten zu tun habe. Wie kurzlebig die Zeit sei, machte der CDU-Politiker an einem konkreten Beispiel fest. Vor zwei Jahren habe es den Gedanken gegeben, das Asylrecht in Europa zu vereinheitlichen. Deutschland sei dagegen gewesen. Heutzutage, angesichts der Flüchtlingsströme, habe es eine 180-Grad-Wende in dieser Frage gegeben.

McAllister hat einen erheblichen Vertrauensverlust der Bürger in die europäische Idee ausgemacht. Dabei seien viele Projekte, auch im Landkreis Verden, mit EU-Mitteln gefördert worden. Darum wolle er sich im Sinne der Region auch weiter kümmern.

„Nebenbei“ ist McAllister außerdem Landesvorsitzender der CDU in Niedersachsen. Sein Ziel sei es, ab Januar 2018 den Ministerpräsidenten zu stellen. Vorher habe indes die Kommunalwahl im September diesen Jahres absolute Priorität. Am 26. November werde dann die Union einen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl wählen, der vermutlich auch für die Verdener Wirtschaft überzeugend sei. Er habe da jemand im Auge, sagte McAllister, doch Namen nannte er nicht.

Was wiederum Wolfgang Reichelt nicht ruhen ließ: „Wir sehen mit Sorge, dass die CDU auf die Grünen zusteuert.“

McAllister machte vor der Runde zwar deutlich, dass er ein „überzeugter Schwarz-Gelber“ sei, doch müsse jeder erkennen, Koalitionsoptionen würden in Zukunft vielfältiger und damit bunter. „Union und FDP haben aber zusammen die größte Schnittmenge“, so McAllister abschließend. Es schloss sich eine rege Diskussion an, bei der zahlreiche Probleme auf europäischer Ebene zur Sprache kamen.

koy

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