Kontrolle mit Langstock

Geplante Orientierungshilfen am Bahnhof-Vorplatz auf dem Prüfstand

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Rosi Schwiebert, ehemalige Vorsitzende des Behindertenbeirats der Kreisgruppe Verden, Gerhard Renzel, Leiter des gemeinsamen Fachausschusses für Umwelt und Verkehr des deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes, Stephanie Weber aus dem Fachbereich Straßen in Verden, Lars Schmidtke, Vorsitzender des Behindertenbeirats Verden, Heidrun Bleumer von der Landesnahverkehrsgesellschaft und Rainer Kamermann, Leiter des Fachbereichs Straßen in Verden, machten sich vor Ort ein Bild. (v.l.)

Verden - Vorsichtig tastet Gerhard Renzel mit seinem weißen Langstock über den Boden. Sobald er mit ihm über eine wellige Stelle auf dem Pflaster fährt, hält er inne und fragt, ob das einer der angelegten Blindenstreifen ist. Nach einer kurzen Bestätigung folgt er dessen Verlauf, bis er ein neues Muster im Boden wahrnimmt. Gerhard Renzel ist blind. Somit ist er auf die angelegten Blindenstreifen auf dem Vorplatz des Bahnhofs angewiesen. Um die weitere Planung des Areals zu optimieren, wurden er und weitere Betroffene um Rat gefragt.

„Es sind unterschiedliche Hilfestellungen am Bahnhof für Leute mit Handicaps geplant“, berichtet Lars Schmidtke, Vorsitzender des Behindertenbeirats Verden. Darunter seien unter anderem ein Infopoint für Blinde mit einem taktilen Lageplan und die Einrichtung einer „Text to speech“-Anlage. Durch den taktilen, also in Blindenschrift geschriebenen Plan, sollen sich Blinde zum Beispiel über den Fahrplan der Busse informieren können. „Damit dieser auch optimal positioniert ist, haben wir Herrn Renzel dazugeholt. Er ist ein Fachmann für die Sache“, so Schmidtke.

Darüber hinaus betont er, dass er sich freue, dass die Stadt immer mehr den Behindertenbeirat sowie Betroffene mit ins Boot nehme, wenn es um die Planung solcher Hilfen geht. Das sei sehr wichtig, denn nur sie könnten einschätzen, wie die Hilfestellungen zielgerichtet und sinnvoll angelegt werden müssen. Andere könnten sich einfach nicht in die Situation von Personen mit Handicaps versetzen.

„Das mit dem taktilen Lageplan ist immer so eine Sache“, gibt Gerhard Renzel zu bedenken. Da Blinde sensorisch besonders an den Fingerspitzen sehr feinfühlig sind, wäre es wichtig, den Infopoint zu jedem Zeitpunkt sauber zu halten. „Das ist schwer, wenn er draußen Wind und Wetter ausgesetzt ist“, gibt er zu bedenken.

Für Lars Schmidtke und Stephanie Weber ist klar: Der Bahnhof ist eindeutig barrierefrei, genauso wie geplant.

Die bereits gefallenen Personen sprach Renzel auch an. Er betont, dass eine farbliche Hervorhebung der Stufen auch für schlecht sehende Menschen wichtig ist. Nachdem Stephanie Weber, aus dem Fachbereich Straßen in Verden, ihm die Treppen beschrieben hatte, stellte sie klar, dass es sich beim Vorplatz nicht, wie oftmals angenommen, um eine Pflasterfläche handele. „Der Zugang zum Bahnhof ist eine Rampe. Die darf maximal eine Steigung von sechs Grad haben, welche hier gegeben ist.“ Es ergebe sich schnell ein klares Bild über die Stufensituation, wenn man von vorn auf den Bahnhof schaut. Von oben müsste man beim Verlassen des Bahnhofs schon genauer schauen. „Aber die Stufen sollen jetzt weg, stattdessen werden dort Beete angelegt“, so Weber.

Was mit dem Umbau des Vorplatzes des Bahnhofs definitiv erreicht worden sei, ist, dass dieser komplett barrierefrei ist. „Es ist so, wie es sein soll“, stellt Schmidtke klar. „Als die Stufen noch da waren, ging es gar nicht“, erinnert er sich. Schmidtke selbst sitzt im Rollstuhl.

Jetzt käme es darauf an, in Kontakt zu bleiben und sich weiter abzusprechen, um den Bahnhof möglichst optimal für alle zu gestalten. 

lh

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