Begleithund hat Ausbildung beendet und gewöhnt sich bei Stefanie Eckhoff ein

Ole übernimmt seinen Job

+
Stefanie Eckhoff freut sich, dass Ole endlich da ist.

Kirchlinteln - Brav bei Fuß zu gehen ist Oles leichteste Übung. Ein leises Kommando von Stefanie Eckhoff reicht aus, damit der Rüde rechts neben Frauchens Rollstuhl läuft. Auch Apportieren beherrscht der fast zweijährige Golden Retriever schon fast perfekt. Freudig springt er einem geworfenen Spielzeug hinterher, spürt auf, wenn etwas versteckt wird, und bringt es zurück. Immer gibt es ein Leckerchen als Lohn. Assistenzhund Ole gewöhnt sich jetzt bei seinem Frauchen ein, nachdem er seine Ausbildung in Berlin abgeschlossen hat.

Ole bei der Arbeit: Bei Bedarf bringt er das Telefon, zieht den Wäschekorb, transportiert Papiere und kleine Gegenstände in der gelben Tasche oder öffnet Türen.

Wenn Ole sich doch mal ablenken lässt, wird Stefanies Stimme etwas strenger. Im nächsten Moment wird sie aber auch gleich wieder freundlich, wenn Ole das erwünschte Kommando ausführt und er ihr beispielsweise das Telefon bringt. Der Rüde muss noch einiges für seinen Job lernen. Er wurde schließlich ausgewählt, um Stefanie, die an der seltenen unheilbaren Muskelerkrankung Multi-Mini-Core-Myopathie leidet, ein wohl selbstständiges Leben zu ermöglichen. Ole soll sie im Alltag unterstützen, aber auch an ihrem Arbeitsplatz in Kirchlinteln ein perfekter Begleiter sein.

Doch zur Zeit hält Ole seine Besitzerin Stefanie Eckhoff und ihren Lebensgefährten Alexander Schramm ordentlich auf Trab. Die Berliner Hundeexpertin Kerstin Gerke, Trainingskoordinatorin im Verein „Hunde für Handicaps“, begleitet die einwöchige Eingewöhnungsphase.

Eine sehr intensive zweiwöchige Einarbeitungsphase in Berlin ist schon absolviert. „Dort wurden vor allem Alltagssituationen trainiert. Wir sind Bus und U-Bahn gefahren, haben Hilfeleistungen geübt und viele Spaziergänge unternommen. Zuhause ist vieles noch nicht so vertraut und muss sich noch einspielen“, sagt Steffie. Sie ist glücklich, dass sie Ole nach der langen Wartezeit endlich bei sich hat.

Die 29-Jährige war im vergangenen Jahr das lokale „Gesicht“ des „Ride for Help“, mit dem sich Mars Petcare seit 2005 für die Zusammenführung von Sport und gutem Zweck engagiert. Jedes Jahr sammeln die Teilnehmer einer anspruchsvollen Radtour dafür Sponsorengelder. Bei der elften Auflage haben Rolf Zepp und Jürgen Jakob vom Standort Verden mit Wolfgang Struif und Peter Krohn von der Cycling Community Verden für Oles Ausbildung kräftig in die Pedale getreten.

Auf den Bergetappen der Tour de France erstrampelten sie 23.914 Euro. „Anders als bei Blindenführhunden werden die Kosten für Assistenzhunde von den Krankenkassen nicht übernommen“, erklärt Gerke. Den finanziellen Aufwand für Oles Ausbildung gibt sie mit rund 23.000 Euro an. „Hinter jedem einsatzfähigen Assistenzhund stehen durchschnittlich zwei weitere, die aus unterschiedlichen Gründen doch nicht zum Einsatz kommen“, erklärt sie.

Die erfahrene Ausbilderin bevorzugt Retriever-Rassen. „Es sind nette, intelligente Hunde. Sie können sich außerdem gut von den Patenfamilien und Trainern lösen, die sie bei der Ausbildungszeit betreuen.“ Dennoch sei jeder junge Hund wie eine Wundertüte, weil sich erst im Verlauf der Ausbildung zeigt, ob er sich wirklich für die vorgesehene Aufgabe eignet. Ole habe seine Eignung relativ früh gezeigt, auch Steffie habe sich schnell für den Vierbeiner begeistert. „Die Chemie Mensch/Hund muss ja auch stimmen“, unterstreicht die Hundeexpertin.

Damit Ole sich schnell in seiner neuen Rolle bei Steffie einlebt, müssen gerade in der Anfangszeit alle unmittelbar Beteiligten an einem Strang ziehen: Steffie und ihr Lebensgefährte Alexander ebenso wie die in der Nachbarschaft lebenden Eltern der jungen Frau. Als Auszeit für Ole sind Gassi-Runden und auch das Spiel mit anderen Hunden wichtig und in erster Linie Steffies Aufgabe. „Sie soll das Zentrum seines Universums werden. Dafür, dass sie mit ihm und für ihn alles tut, was ihm wichtig ist, macht er dann gerne alles, was für sie wichtig und nützlich ist“, erklärt Gerke.

nie

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Alpaka-Nachwuchs in Rethem

Alpaka-Nachwuchs in Rethem

Tourbus unter dem Hammer: Reisen wie einst die Kelly Family

Tourbus unter dem Hammer: Reisen wie einst die Kelly Family

Personaler verraten: So sieht der perfekte Bewerber aus

Personaler verraten: So sieht der perfekte Bewerber aus

„Lenna” im Kurpark

„Lenna” im Kurpark

Meistgelesene Artikel

Der brennende Mönch: Domfestspiele feiern eine überzeugende Premiere

Der brennende Mönch: Domfestspiele feiern eine überzeugende Premiere

Der brennende Mönch zündet in Verden

Der brennende Mönch zündet in Verden

Vom Männerballet bis Lucky Luke: Kirchlinter Schützen feiern unkonventionell

Vom Männerballet bis Lucky Luke: Kirchlinter Schützen feiern unkonventionell

Vorsicht gegenüber der Weser-Robbe

Vorsicht gegenüber der Weser-Robbe

Kommentare