Gesundheitsamt im Landkreis Verden: Erste Impfdurchbrüche / Nachimpfungen für Senioren

Trotz Pieks mit Corona infiziert

Zwei Hände in blauen Einweghandschuhen verabreichen einer Schulter eine Spritze.
+
Einen 100-prozentigen Schutz bietet die Spritze nicht. Aber sie verringert den Fachleuten zufolge das Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken.

Verden – „Die Lage entspannt sich.“ Mit dem Fortschritt der Impfkampagne rückt die Herdenimmunität langsam aber Stück für Stück näher. Da konnten die niedrigen Infektionszahlen in den zurückliegenden Wochen die Hoffnung nähren, dass sich der Wunsch vieler Menschen, wieder zur Normalität zurückkehren zu können, erfüllen könnte. Dass aber die Pandemie noch nicht ausgestanden ist, zeigen nicht nur die aktuell steigenden Infektionszahlen.

Neue Phänomene im Infektionsgeschehen beschäftigen das Verdener Gesundheitsamt.

Manche Schicksale sind eher Zufall in dieser Pandemie und manches gehört dazu, wie der Rauch zum Feuer. Amtsärztin Jutta Dreyer gibt ein Beispiel von einem Fall, den man wohl nur als dumm gelaufen einordnen kann. Da hatte ein Covid-19-Patient seine Krankheit überstanden und erkrankte ein zweites Mal. Diesmal wurde die Delta-Variante bei ihm festgestellt. Gerade war ein halbes Jahr um und für den Patienten stand die begehrte Impfung an. Das habe man eben nicht in der Hand.

Ebenso verhält es sich mit den Impfdurchbrüchen, wenn jemand eigentlich schon vollständig geimpft ist und dann doch an Covid-19 erkrankt. Erste solche Fälle seien auch im Landkreis schon aufgetaucht, berichtet Amtsärztin Jutta Dreyer.

Kein Versagen des Impfstoffes

Die Begriffe Impfdurchbruch und Impfversagen bedeuten für das „Fachwörterbuch Infektionsschutz“ des Robert-Koch-Instituts (RKI) dasselbe. Sie beschreiben das Ereignis, das bei den unterschiedlichsten Impfungen vorkommen kann. Auch vollständig Geimpfte können sich noch an dem Erreger anstecken. Mit einem Versagen des Impfstoffes, seiner Unwirksamkeit, hat das allerdings nichts zu tun.

Eher mit Statistik: Einen 100-prozentigen Schutz vor Covid-19 hatten die Studien für das Zulassungsverfahren des Vakzins nicht behauptet. Überwiegend hatten die Hersteller einen Prozentsatz von 95 angegeben. Und diese Lücke von fünf Prozent schlägt sich in einem solchen Durchbruch nieder.

Die Schutzwirkung nimmt mit der Zeit ab

Amtsärztin Jutta Dreyer erklärt das mit dem Immunsystem, das bei jedem anders arbeite. Oft verringere sich die Schutzwirkung der Impfung auch im Laufe der Zeit. Umso mehr, wenn wie bei älteren Leuten das Immunsystem nicht mehr so aktiv sei. Die Senioren hätten oft auch nicht so heftige Reaktionen auf die Impfungen gezeigt, wie junge Leute mit sehr aktivem Immunsystem. Wenig verwunderlich ist deshalb auch, dass laut Darstellung des Robert-Koch-Instituts die Betroffenheit von Impfdurchbrüchen mit dem Lebensalter zunimmt. „Die Vakzine werden laufend angepasst, um die Dauer des Schutzes zu verlängern“, ergänzt Jutta Dreyer.

Nachimpfungen für Hochbetagte im Spätherbst

Dieser Effekt, mit dem sich die Wirkung der Impfung nach und nach verringert, ist auch der Grund, weshalb Nachimpfungen für die Hochbetagten schon seit Längerem in der Öffentlichkeit im Gespräch sind. „Wir bereiten derzeit für das Verdener Kreisgebiet vor, dass im Spätherbst Nachimpfungen bei den Hochbetagten durchgeführt werden“, berichtet die Amtsärztin.

Dem Robert-Koch-Institut zufolge ist das ein logischer Zusammenhang. Je mehr Menschen geimpft sind, umso häufiger wird es auch diese Fälle von Impfversagen geben. Am 22. Juli hatte die biomedizinische Leitforschungseinrichtung der Bundesregierung berichtet, dass es insgesamt bislang 8715 Impfdurchbrüche in der Republik gegeben habe. Zu dem Zeitpunkt seien aber schon fast 40 Millionen Menschen in Deutschland vollständig geimpft gewesen.

Aber auch bei ihnen ist die Impfung nicht vergeblich gewesen. Nach bisherigen Erfahrungen des RKI, bewahrt sie auch die „Impfversager“, so heißt das im Fachjargon wirklich, vor schweren Krankheitsverläufen. Zumindest, wenn ihr Immunsystem nicht aufgrund von anderen Erkrankungen oder von Medikamenten geschwächt ist. In den meisten Fällen seien denn auch Menschen mit Vorerkrankungen von den Durchbrüchen betroffen.

Das RKI jedenfalls schätzt die Gefährdung der Gesundheit bei Geimpften immer noch als „moderat“ ein. Einmal- oder Ungeimpfte haben bei der Behörde eine Einstufung als „hohe“ Gefährdung. Eine gute Nachricht ist auch, dass die Hospitalisierungsrate bei Impfdurchbrüchen relativ gering ist.

Von Ronald Klee

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

Meistgelesene Artikel

Aus dem alten Café Erasmie in der Innenstadt wird „Royal Donuts“

Aus dem alten Café Erasmie in der Innenstadt wird „Royal Donuts“

Aus dem alten Café Erasmie in der Innenstadt wird „Royal Donuts“
Neumühlen: Fahrbahnteiler und dann Tempo 30

Neumühlen: Fahrbahnteiler und dann Tempo 30

Neumühlen: Fahrbahnteiler und dann Tempo 30
Mit dem Auto zur Schule? „Muss nicht sein“

Mit dem Auto zur Schule? „Muss nicht sein“

Mit dem Auto zur Schule? „Muss nicht sein“
Gedenkort für Hedwig und Carl Reh

Gedenkort für Hedwig und Carl Reh

Gedenkort für Hedwig und Carl Reh

Kommentare