Langfristige Prognose schwer

Eigenbetrieb Abwasser stellt Projekt vor - Trockener Schlamm ist teuer

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Auf dem Klärwerksgelände in Verden gibt es in den kommenden Jahren viele Veränderungen.

Verden – Die Kommunen fürchten, auf ihrem Klärschlamm sitzen zu bleiben. Grund sind die verschärften Richtlinien der Europäischen Union. Auch auf der Anlage in Verden könnte bei Inkrafttreten der Gesetze der Platz knapp werden. Eine eigene Trocknungsanlage wäre ein möglicher Weg, die Schlammmenge um fast die Hälfte deutlich zu reduzieren und das Platzproblem zu lösen.

„Ob es sich letztendlich rechnet, ist nur sehr schwer vorherzusagen“, so Uwe Gerdes, Betriebsleiter der Kläranlage. Der Aufwand ist groß, die Kosten hoch: 2,7 Millionen Euro würde die Anlage kosten.

Gerdes hatte dem städtischen Betriebsausschuss versprochen, eine seriöse Kostenschätzung für den Bau und Betrieb einer Trocknungsanlage vorzulegen und sich dafür weitere Fachleute an die Seite geholt. Das Ingenieurbüro Ermel und Born, spezialisiert auf den Bau, legte dem Ausschuss am Mittwochabend die Pläne vor.

Gebaut werden müsste auf der Kläranlage. Bandtrockner, Heizkessel und ein 20 Meter hohes Silo, so die grobe Struktur der neuen Anlage. Insgesamt 6000 Tonnen Klärschlamm fallen jährlich an, von denen nach der Trocknung bei 120 Grad Celsius circa 2600 Tonnen übrig bleiben würden. Die Restmenge lande, wie bisher üblich, auf dem Lkw und werde abgefahren. „Drei Jahre brauchen wir, um die Anlage zu bauen“, so die Ingenieure.

Hört sich zunächst vielversprechend an, zumal sich mit der Trocknung die Notwendigkeit für den Bau weiterer Hallen zur Schlammlagerung erübrigen könnte. Kopfschmerzen bereiteten den Beteiligten allerdings die Kosten für die Anschaffung und den Betrieb der Anlage. Nach derzeitigem Stand zahlt der Eigenbetrieb für die Entsorgung einer Tonne Klärschlamm circa 130 Euro. Das Ingenieurbüro legte bei seinen Berechnungen und mit Blick in die Zukunft eine mögliche Steigerung auf bis zu 150 Euro zugrunde. Dann müsste der Eigenbetrieb jährlich 900 000 Euro zur kompletten Entsorgung der 6000 Tonnen Schlamm ausgeben.

Deutlich höher läge der jährliche Kostenaufwand mit dem Bau der Trocknungsanlage. Betrieb und weitere Abschreibungen würden mit jährlich insgesamt 960 000 Euro zu Buche schlagen. „Das wären dann circa 160 Euro pro Tonne“, so die Rechnung des Ingenieurbüros. Den sogenannten „Break-even-Point“, also der Bereich, wo sich die Anlage wirtschaftlich rechnen würde, sehen die Beteiligten, wenn die Abfuhr für eine Tonne Klärschlamm auf 163 Euro und darüber steige. Gerdes mochte sich da zwar nicht festlegen lassen, ließ aber durchklingen, dass die Marke wohl nicht erreicht werde. Gleichwohl: „Wenn doch, schauen wir in die Röhre“, gab er zu.

Aber nicht nur die höheren Kosten, auch die Ökobilanz des Projektes stimmte die Zuhörer im Ausschuss nachdenklich. Derzeit wird die Abfuhr der 6000 Tonnen per Lkw mit einem Ausstoß von circa 50 000 Tonnen Treibhausgas berechnet. Deutlich schlechter sieht die Bilanz mit dem Betrieb einer Trocknungsanlage aus. Sie müsste mit hochwertigem Erdgas und Strom fast rund um die Uhr laufen und würde dabei jährlich eine Million Tonnen klimaschädliche Treibhausgase produzieren.

Ob es etwas wird mit der neuen Anlage, darüber sollte im Ausschuss noch nicht verbindlich entschieden werden. Olaf Kluckhuhn (CDU) verwies allerdings auf steigende Transportkosten und Mautgebühren, die die Abfuhr eher teurer, den Bau damit attraktiver machen würde. Bedenklich sei hingegen der CO2-Ausstoß, der bei der Trocknung vor Ort anfalle. Rasmus Grobe, Bündnis 90/Die Grünen, legte sich fest: „Ich sehe angesichts vieler Unwägbarkeiten keinen Impuls, jetzt eine risikoreiche Investitionsentscheidung zu treffen.“  

mw

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