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Sanierung der Schwenkpumpen: Ehemals Treffpunkt für Klatsch und Tratsch

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Von: Markus Wienken

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Wasser holen an der Pumpe im Mai des Jahres 1964.
Treffpunkt Mühlentor: Wasser holen im Mai des Jahres 1964. © Sammlungdoz20/Siemers

Lebensnotwendige Wasserquelle, Treffpunkte für Tratsch und Klatsch aus der Nachbarschaft, die Schwenkpumpen gehörten in Verden zum Stadtbild. Nun sind sie verschwunden aber sie kommen wieder....

Verden – Aus einem Guss, schön verpackt in Holz oder eingefasst mit Sandstein: Schwenk- oder Schwengelpumpen haben über Jahrhunderte das Stadtbild Verdens geprägt. Nicht nur zur Versorgung der Haushalte, die „Pumpstationen“ waren auch Treffpunkte für Tratsch und Klatsch aus der Nachbarschaft.

Nun sind die letzten Wasserquellen früherer Jahrhunderte aus dem Stadtbild verschwunden. Aber nicht auf Dauer. „Die Pumpen werden restauriert und an den alten Standorten wieder aufgestellt“, sagt Ralf Heinrich, zuständig bei der Stadt Verden für Gebäudeunterhaltung. Circa 12 .000 Euro soll die „Denkmalpflege“ kosten.

Bis zuletzt gab es noch Überreste von fünf Schwenkpumpen im Stadtgebiet Verden

Im städtischen Kulturausschuss herrschte ob der Vorlage der Verwaltung zunächst ein wenig Verwirrung. Nicht die finanziellen Aufwendungen für die Sanierung der Pumpen standen zur Diskussion. Es herrschte Einigkeit darüber, dass die Pumpen zum Stadtbild und zur Geschichte Verdens gehören, das Geld also bewilligt werden sollte. SPD-Ratsherr Heinz Möller hatte das Projekt angeschoben. Allerdings fehlte so ein wenig die Kenntnis darüber, wo denn die Überbleibsel aus Verdens Vergangenheit überhaupt noch zu finden sind. Möller selbst konnte nicht helfen, da er mit einem Hilfstransport an die ukrainische Grenze unterwegs war.

Die Pumpe am Piepenbrink in Verden.
Die Pumpe am Piepenbrink, im Jahr 1985. © Sammlung doz20/von Lührte

Doch wo standen die Pumpen in Verden überhaupt??

Waren die Pumpen früher über die gesamte Stadt verteilt, wurden es mit den Jahren immer weniger. Der Zahn der Zeit leistete ganze Arbeit. Die verbliebenen Pumpen fristeten ein kaum beachtetes Dasein. Wasser floss schon lange keins mehr, die Witterung, insbesondere Frost und Nässe, nagten an der Holzverkleidung. „Fünf Standorte gibt es derzeit noch“, weiß Ralf Heinrich. Und er zählt auf: „Jeweils eine Pumpe gab es zuletzt noch auf dem Sandberg, am Mühlentor, am Piepenbrink, an der Schleppenföhrerstraße und am Norderstädtischen Markt, an der Rückseite des Syndikatshofes.“ Derzeit sind die Standorte allerdings verwaist. Geschützt vor dem endgültigen Abriss nur durch den Denkmalschutz, haben sich die zuständige Behörde und Stadt Verden für die Sanierung entschlossenen.

Streit und Diskussionen um die Pumpen in Verden

Ein Blick zurück: Die Pumpen in der Stadt waren, als es noch kein fließendes Wasser aus der Leitung gab, lebensnotwendig, gaben dabei auch immer wieder Anlass zum Streit, bis hin zu gerichtlichen Auseinandersetzungen. Wurde und wird in Verden gebaut, stoßen Bagger und Handwerker immer wieder mal auf Überreste der Vergangenheit, die näheren Aufschluss über Funktion und Nutzung geben. Stadtarchivar Karl Nerger hat darüber in einem Beitrag im Heimatkalender von 1973 ausführlich berichtet. Im Jahr 1967 waren städtische Arbeiter in der Nagelschmiedestraße auf einen alten Brunnen gestoßen. Stadtplaner Edmund von Lürthe, schon damals viel mit der Kamera unterwegs, nahm die Maße des Bauwerks auf: Durchmesser 1,10 Meter, Schachttiefe 5,60 Meter, der Wasserspiegel, so recherchierte von Lürthe, stand bei 4,25 Meter.

Ernst Nerger schreibt darüber im Jahr 1973 im Heimatkalender

Karl Nerger machte sich die Mühe, blätterte damals in seinem Stadtarchiv und wurde fündig in den Unterlagen zur Geschichte. Zunächst nur schlichtes Bauwerk zum Wasser holen, wurde aus der Quelle Mitte des 19. Jahrhunderts ein Pumpenbrunnen. Erst durch ein hölzernes, dann ein steinernes Rohr floss Wasser, wenn mit dem Hebel fleißig gearbeitet wurde.

Wie auch heute, so wurde schon damals die Wasserversorgung auf sichere Füße gestellt, fand Nerger heraus. „Zu diesem Zweck schlossen sich benachbarte Bürger, ihre Zahl schwankte zwischen 10 und 25, zu Interessentenschaften zusammen. An ihrer Spitze stand anfangs ein Sodmeister, der dann zum Brunnen- und zu guter Letzt zum Pumpenmeister aufrückte“, schreibt Nerger.

Verdener gründen Interessentengemeinschaft

Die Aufgabe des Meisters: Er war für das Wasser und die Hebevorrichtung verantwortlich, musste Handwerker zur Reinigung und Reparatur bestellen und auch bezahlen. Das Geld dafür zahlten die Mitglieder der Wasserinteressentenschaften aus ihrer Privatschatulle. Die Stadt hatte damit nichts zu tun.

Oder doch? Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab’s mal großen Streit in den Reihen der „Interessenten“. Die Stadt schritt ein, auch deshalb, weil es immer mehr Brunnen gab, sich aber niemand gezwungen fühlte, Geld für die Unterhaltung an die „Interessenten“ zu zahlen. Ein Gerichtsurteil sprach die Anlieger der Brunnen schließlich am 3. Juli 1913 von der Unterhaltung und damit den Zahlungen frei. Die Begründung: „Es gibt kein öffentliches Interesse mehr.“

 Die Holzeinfassungen einer Pumpe.
Zunehmender Verfall: Die Holzeinfassungen der Pumpen waren über Jahrzehnte schutzlos der Witterung ausgeliefert. Nun wird saniert. © sammlungdoz20/siemers

Verdener Richter urteilt: „Es gibt kein öffentliches Interesse mehr“

Weil die sogenannten Revierpumpen in den Vierteln privat und damit oftmals unter Verschluss standen, sah sich die Stadt zwecks Versorgung allerdings gezwungen, auch eigene Brunnen anzulegen. „Schon allein deshalb, um bei Feuer sofort löschen zu können“, schreibt Nerger.

Maßgeblichen Anteil am Boom der Pumpen im Stadtgebiet Verden könnte  eine Begebenheit gehabt haben, die sich schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgespielt haben soll. Die Förderung des Wassers aus einem tiefen Brunnen kann durchaus gefährliche Begleitumstände mit sich bringen, musste an einem Sonntag im März des Jahres 1809 Bauer Brand aus Borstel erfahren.

Bauer Brand aus Borstel stürzt 1809 in einen Verdener Brunnen

Er stürzte bei einem Spaziergang während der Abendstunden in den Strukturbrunnen vor der Hausvogtei in der Stifthofstraße. Nachfolgend, so deutet Nerger in seinem Beitrag an, wurde verstärkt auf Pumpen umgestellt. Offenbar ein lohnendes Geschäft: Auf die Fertigung der Röhren spezialisierte sich vor allem Zimmermeister Griesges.

Konnten Brunnen und Pumpen in den Anfängen der Zivilisation oftmals frei angelegt werden, standen sie im Zuge des weiteren Städte- und Straßenbaus häufig im Weg. Wo möglich, wurden die Anlagen versetzt, von der Fahrbahn auf den angrenzenden Bürgersteig, weil sie Haus- oder Straßeneinfahrten behinderten, „so zum Beispiel die Einfahrt von Langholzfuhrwerken von der Großen in die Brückstraße“, schreibt Nerger.

Zeitweilig gab es im Verdener Stadtgebiet 28 Brunnen

Doch wieviel Brunnen und Pumpen gab es in Verden im Laufe der Jahrhunderte? Nerger stieß bei seinen Recherchen auf Aufzeichnungen aus dem Jahr 1808. Danach sprudelten zeitweilig 28 Brunnen, teils mit Pumpen zu bedienen, später kamen noch weitere hinzu, so in der Straße Hinter der Mauer und auf dem Sandberg. Fünf der „Veteranen“, wie sie Nerger schon im Jahr 1973 beschreibt, sind geblieben. Wasser wird aus den Pumpen nicht mehr fließen – aber ein Blickfang sind sie allemal.

Von Markus Wienken

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