300 landwirtschaftliche Maschinen auf dem Weg zur Großdemo

Trecker-Protest beherrscht Straßen

Dierk Brandt und Niklas Winkelmann (v. r.) hatten Mitbringsel für die Bremer Bürger dabei.

Landkreis/Heidekreis – Aus dem Raum Verden und dem Heidekreis sind zahlreiche Landwirte mit ihren Traktoren zur Großdemo der Protestbewegung „Land schafft Verbindung“ (LSV) in Richtung Bremen aufgebrochen. Noch in der Dunkelheit trafen sich am Freitag die Teilnehmer aus der Gemeinde Kirchlinteln, um gemeinsam vom Landhandel am alten Bahnhof über Völkersen und Achim mit gut zwei Dutzend Schleppern in Richtung Hansestadt zu starten. Im Heidekreis versammelten sich fast 200 Traktorfahrer in der Schneeheide am Hof des LSV-Aktivisten Dierk Brandt, um dann mit einem eindrucksvollen Konvoi über Kirchboitzen und Verden zu ihrem Parkplatz am Bremer Weserstadion zu fahren.

Noch bevor die Landwirte am Zündschlüssel drehten, um ihren Trecker in Bewegung zu bringen, hatte diese Zeitung Gelegenheit, Teilnehmer und Initiatoren nach ihren Motiven zu fragen. „Auf beiden Seiten sind wir als Landhandel dabei, vorgelagert beim Düngemittelverkauf und nachgelagert bei der Abnahme der Erträge“, sagte Hartmut Scharninghausen vom örtlichen Landhandel. Deswegen beteilige sich auch das angeschlossene Gewerbe an den Protesten der Landwirte gegen das Agrarpaket der Bundesregierung.

„Wenn die Politik 70 Prozent mehr Produktivität von der Landwirtschaft bis 2050 fordert, um alle ernähren zu können, ist das im krassen Widerspruch zu dem, was im Agrarpaket von den Landwirten verlangt wird“, sagte er. Er nahm damit Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner beim Wort. Bei der Eröffnung der Grünen Woche in Berlin hatte sie von der Abkehr von der „Büllerbü-Landwirtschaft“ gesprochen.

„Es geht mir nicht darum, mit meiner Arbeit die dicken Millionen zu scheffeln. Ich will mehr Wertschätzung für unseren Berufsstand, weil wir alle mit gesunden und hochqualitativen Lebensmitteln versorgen. Auch deswegen habe ich mich entschieden, Landwirt zu werden, zusätzlich zur emotionalen Bindung an den Familienbetrieb“, sagte Junglandwirt Thore Carstens.

„Warum sollen wir uns das eigentlich noch antun, bei so viel Misstrauen uns gegenüber“, zweifelt Tim Köhler, der seit wenigen Jahren Vollerwerbslandwirt ist. Sein Berufsstand habe so viele Kontrollen und Nachweispflichten, wie kaum ein anderer. „Ist der Bauer erst ruiniert, wird dein Essen importiert. Was wir dann auf dem Teller haben, weiß keiner mehr so genau“, machte er sich mit dem Zitat der Kampagne Luft.

Gerade die jungen Landwirte seien über das Agrarpaket sauer, weil es ihnen jede Planungssicherheit für Investitionen nehme und die Sicherung der Existenz für die Zukunft bei einigen Betrieben schon jetzt infrage stelle.

Unterdessen hatte in der Schneeheide von Walsrode eine lange Schlange an Schleppern Aufstellung genommen. Kurz vor der Abfahrt nahmen die Initiatoren Stellung zu ihrem Protest. Dierk Brandt forderte ein Mitspracherecht für die Verbände, wenn die Bundesregierung schon die Eckpfeiler eines neuen Agrarpakets festlege.

„Die Landesregierung hat nun ihre Ablehnung zur neuen Düngeverordnung verkündet. Nun wollen wir sehen, dass sie jetzt auch ihr Wort hält“, sagte Brandt. „Schon mehrere Länder, wie Bayern, NRW und Niedersachsen haben dies so angekündigt. Das zeigt, dass unsere Proteste schon etwas gebracht haben und wir den Druck aufrecht erhalten müssen“, heizte Niklas Winkelmann seinen Berufskollegen ein, als er noch die letzten Lunchpakete vom Sponsor Agravis verteilte.

Voll motiviert und mit Transparenten ausgestattet, brachen die Heidebauern dann in die Hansestadt auf. Als freundliche Gastgeschenke hatten sie kleine Mitbringsel in Form von frischen Landeiern und Kartoffeln für Bremer Bürger geladen.   lee

Weitere Fotos auf

www.kreiszeitung.de

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Umwelt-Drama: Diese sieben Reiseziele werden "dank" Kreuzfahrtschiffen komplett zerstört

Umwelt-Drama: Diese sieben Reiseziele werden "dank" Kreuzfahrtschiffen komplett zerstört

Nach Brexit: London droht mit Abbruch von Gesprächen im Juni

Nach Brexit: London droht mit Abbruch von Gesprächen im Juni

Weniger Arbeit mit mehrjährigem Gemüse

Weniger Arbeit mit mehrjährigem Gemüse

London: Fünf Gründe für einen Streifzug durch Bloomsbury

London: Fünf Gründe für einen Streifzug durch Bloomsbury

Meistgelesene Artikel

Wider den tierischen Ernst

Wider den tierischen Ernst

Bestsellerautor Wolf widmet der Weserstadt eine Szene im neuen Krimi

Bestsellerautor Wolf widmet der Weserstadt eine Szene im neuen Krimi

Dreistündiges Feuerwerk der guten Laune

Dreistündiges Feuerwerk der guten Laune

Politischer Aschermittwoch der Verdener CDU von Aktuellem geprägt

Politischer Aschermittwoch der Verdener CDU von Aktuellem geprägt

Kommentare