Jessica Coels in der Rolle der Clara Immerwahr 

Tragische Lebensgeschichte

Eine besondere Rolle: Jessica Coels erzählt in dem Ein-Personenstück „Immerwahr“ die Lebensgeschichte der Chemikerin Clara Immerwahr. - Fotos: Niemann

Verden - Premiere im Historischen Museum – Domherrenhaus: Am Sonnabend, 27. August, sind Theaterfreunde zur ersten Aufführung von „Immerwahr“ eingeladen. Ab 20 Uhr tritt dort die Verdener Schauspielerin Jessica Coels in dem Solostück von Sabine Friedrich auf, das die tragische Lebensgeschichte von Clara Immerwahr, Deutschlands erster promovierter Chemikerin, erzählt.

„Ich spiele erstmals ein EinPersonenstück, schlüpfe darin in drei unterschiedliche Rollen und muss mich außerdem in verschiedenen Zeitepochen bewegen. Das ist eine völlig neue Erfahrung für mich, sodass ich schon ziemlich aufgeregt bin“, sagt Coels, die durch ihre vielfältigen schauspielerischen Aktivitäten auch über die Region hinaus bereits respektable Bekanntheit erlangt hat.

Aber warum Coels, deren schauspielerischer Fokus bislang überwiegend auf humorvollen Rollen lag, sich diesmal einem derart intensiven, schweren Stoff zuwendet, muss sich das Publikum fast zwangsläufig fragen. Des Rätsels Lösung liegt in der Person von Regisseur Gerd Wittenburg, der nach Aussage der Mimin Theaterstoffe mit realem und geschichtlichem Hintergrund bevorzugt. „Immerwahr“ sei ein Stück gegen das Vergessen. Das Vergessen der Schrecken der Weltkriege und das Vergessen weiblicher Biografien, wie es auch im Flyer geschrieben steht.

Dass der Name Clara Immerwahr das Vergessen überlebt hat, liegt an dem mit ihr verbundenen radikalen Protest gegen den Krieg. Die Chemikerin und Ehefrau des späteren Nobelpreisträgers Fritz Haber schoss sich 1915 ins Herz, weil ihr jüdischer Mann für den Einsatz von Chlorgas an der Westfront verantwortlich war. Clara konnte den Tod von über 20 000 Menschen nicht verwinden. Sie litt darunter, dass ihre geliebte Wissenschaft dem Krieg diente. Denn was für Clara ein grausames, qualvolles Sterben war, wurde von ihrem Mann als „höhere Form des Tötens“ verstanden, da man „im Krieg als Wissenschaftler auch ein Patriot sein muss“.

Die Autorin Sabine Friedrich hat Clara Immerwahr mit dem Theaterstück ein Denkmal gesetzt, doch nicht nur ihr, sondern im Grunde genommen allen Frauen, die dem Kriegshandwerk der Männer bis heute ohnmächtig gegenüberstehen.

Am Donnerstag, 15. September, wird „Immerwahr“ ein zweites Mal im Domherrenhaus aufgeführt. Weitere Vorstellungen gibt es am Sonnabend, 3. September, um 20 Uhr, im Gemeindehaus der Zionsgemeinde in Bremen-Neustadt, und am Sonnabend, 24. September, um 20 Uhr, in der Galerie des Westens in Bremen-Walle.

Karten im Vorverkauf sind für die Vorstellungen in Verden zum Preis von 15 Euro bei Druckpartner Coels, Otto-Hahn-Straße 6, sowie an der Abendkasse erhältlich.

Karten für die Bremer Vorstellungen gibt es noch bei Gerd Wittenburg unter der Telefonnummer 0421/3962506 oder an der Abendkasse. 

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