Gedenkstätte Lager Sandbostel recherchiert zu Gräbern ehemaliger Kriegsgefangener

Den Toten Namen geben

Sogenannte Personalkarten, wie diese von Stepan Karpuschkin. helfen zu ermitteln, welcher ehemalige Kriegsgefangene in welchem Grab liegt. Foto: Gedenkstätte

Sandbostel/Verden – Die Gedenkstätte Lager Sandbostel im Landkreis Rotenburg hat vor dem Hintergrund des 75. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges die Einzelgräber ehemaliger Kriegsgefangener erfasst, die zwischen 1939 und 1945 auf den Arbeitskommandos des Stalag X B Sandbostel im Elbe-Weser-Raum verstorben sind. „Die Bilder der Gräber aus den Landkreisen Cuxhaven, Stade, Osterholz, Rotenburg, Harburg, Lüneburg, Heidekreis und Verden wurden am 8. Mai auf der Webseite der Gedenkstätte veröffentlicht, um Besucherinnen und Besuchern einen Überblick über die Ausdehnung des Kriegsgefangenenlagers zu geben“, teilt Dr. Lars Hellwinkel, in der Gedenkstätte für Pädagogik und Betreuung von Schulgruppen zuständig, jetzt in einer Pressemeldung mit.

Grundlage der Veröffentlichung seien Gräberpläne aus dem Bestand des Internationalen Suchdienstes, der Arolsen Archives sowie Gräberlisten des Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsorge. Mithilfe dieser Unterlagen konnten die meisten der Gräber wiedergefunden und viele Schicksale geklärt werden.

„Oft finden sich die Gräber in der hintersten Ecke am äußersten Rand der Gemeindefriedhöfe, manche auch versteckt im Wald, so wie es die Beerdigungsanweisung der Wehrmacht für die Bestattung der meist sowjetischen Kriegsgefangenen vorgesehen hatte“, so Hellwinkel. „Dazu kein Sarg und auch keine Beerdigungszeremonie – Würdelosigkeit über den Tod hinaus – und oft auch kein Eintrag in das Sterberegister der Gemeinden.“ Auf vielen Grabsteinen stehe „unbekannt“ oder „unbekannter Soldat“, nur selten seien die korrekten Schreibweisen der Namen der Opfer zu finden.

Mithilfe einer russischen Datenbank zu den Vermissten des Zweiten Weltkrieges konnten jetzt anhand der Begräbnisorte die Personalkarten vieler Kriegsgefangener ermittelt und vielen dieser Opfer des Lagers Sandbostel Namen und Identität wiedergegeben werden. So konnten im Landkreis Verden mithilfe des Verdener Regionalforschers Dr. Joachim Woock in Hohenaverbergen die Gräber der drei sowjetischen Kriegsgefangenen Stepan Karpuschkin, Jevgenij Orlov und Iwan Magkopolov aus dem Stalag XB Sandbostel ermittelt werden, in Ottersberg ruht der sowjetische Kriegsgefangene Jewgenij Tschelpanow in einem Einzelgrab am Rande des Friedhofes und in Daverden zwei weitere sowjetische Kriegsgefangene aus dem Arbeitskommando am Weserwehr in Cluvenhagen.

Die Gräber weiterer Kriegsgefangener des Stalag XB auf dem ehemaligen Verdener Garnisonsfriedhof, darunter das Grab von Wassilij Stebenew, wurden 1961 abgeräumt und auf dem Domfriedhof in einem Sammelgrab zusammengefasst.

Die Gedenkstätte erinnerte am 8. Mai mit der Niederlegung eines Gesteckes auf dem Domfriedhof an die Schicksale der Kriegsgefangenen des Stalag XB Sandbostel im Landkreis Verden.

Weitere Informationen

unter www.stiftung-lager-sandbostel.de.

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