Verein sucht jugendliche Sammler

Volksbund besteht seit 100 Jahren: Den Toten einen Namen geben

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Ein Beispiel für die Arbeit des Volksbundes: Auf jedem aufgestellten Kreuz ist der Name eines gefallenen Soldaten sowie sein Geburtsdatum vermerkt.

Landkreis - Es ist der 11. November 1918. Im Waffenstillstand von Compiègne wird die Niederlage der Mittelmächte besiegelt. Es ist das Ende des Ersten Weltkriegs. Viele deutsche Soldaten kehren in den folgenden Wochen und Monaten zurück in die Heimat.

Viele bleiben verschollen, gefallen auf fremden Schlachtfeldern in fernen Ländern, die weder den Willen noch die Mittel haben, die Kriegsopfer ordnungsgemäß zu bestatten. „Damals wurde der Wunsch der Angehörigen immer lauter, dass sich jemand um die gefallenen Soldaten im Ausland kümmert“, beschreibt Gerd Depke die Gefühlslage der Betroffenen zu jener Zeit. Er ist seit 15 Jahren der Geschäftsführer des Kreisverbandes des Volksbundes. Aus diesem Wunsch heraus entscheidet sich eine handvoll Bürger dazu, die Initiative zu ergreifen, und einen Verein für eben diesen Zweck zu gründen. So entsteht am 16. Dezember 1919, vor fast 100 Jahren, der Volksbund für Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Gerd Depke ist seit 15 Jahren der Geschäftsführer des Kreisverbandes des Volksbundes. 

„Die beiden Hauptaufgaben des Volksbundes bestanden damals darin, sich um die Pflege von Kriegsgräbern im Ausland zu kümmern und auch die damit verbundenen über 20.000 Vermisstenfälle aufzuklären“, beschreibt Depke die Arbeit des Vereins bis in die 1950er-Jahre. „Dann entschied man sich, zusätzlich Jugendliche in die Tätigkeiten des Volksbundes mit einzubeziehen“, so der 65-Jährige. Mittlerweile gehören vier internationale Jugendbegegnungsstätten sowie diverse Projekte in Kooperation mit Grund- und weiterführenden Schulen zum Verein. Ein wichtiger Schritt, wie Depke findet: „Jeder sollte sich darüber bewusst sein, dass der Friede, den wir hier haben, nicht selbstverständlich ist.“ Als Vorzeigeprojekt benennt er die von Schülern hergestellten Namensziegel in Sandbostel im Landkreis Rotenburg. Die geben die Lebensdaten der verstorbenen Kriegsgefangenen wieder und wurden zur Erinnerung und „Gegen das Vergessen“ aufgebracht. Sie ersetzten die Nummer der Toten wieder durch Namen.

Diese Namensziegel realisierten Schülerinnen und Schüler in Sandbostel im Rahmen von regelmäßig stattfindendenen Schulprojekttagen des Volksbundes.

Eines hat sich aber nicht geändert an der Arbeit des Volksbundes im Laufe der Jahre: Er finanziert die Erfüllung seiner Aufgaben weitgehend aus Beiträgen und Spenden. Damit das auch weiterhin möglich ist, weist Depke mit Nachdruck auf die alljährlich im vierten Quartal stattfindende, traditionelle Haus- und Straßensammlung des Volksbundes hin. Bei dieser bitten ehrenamtliche Sammlerinnen und Sammler, Schüler, Soldaten und Zivildienstleistende um eine Spende für die Versöhnungsarbeit. „Das Engagement ist eine ehrenamtliche Tätigkeit für den Frieden“, so der 65-Jährige.

Mehr Verständnis füreinander entwickeln

Selbst wenn man nicht direkt betroffen sei, könne sich niemand komplett frei von den Problemen der Welt machen. „Wir müssen wieder lernen, mehr Verständnis füreinander und die Situation anderer zu entwickeln“, so lautet Depkes Appell. Gerade aus diesem Grund würde es ihn sehr freuen, wenn wieder mehr Jugendliche bei den Sammlungen mitwirken würden. Aktuell seien nur fünf im ganzen Landkreis Verden aktiv.

„Wer sich dazu entscheidet, mitzumachen, bekommt eine Urkunde als Beleg dafür, dass er ehrenamtlich tätig war. Die macht sich häufig sehr gut bei Bewerbungen“, fügt er mit einem Zwinkern hinzu.

Bereits ab einem Alter von 13 Jahren kann bei den Sammlungen mitgewirkt werden, egal ob als Einzelperson oder Gruppe. „Man muss nicht direkt Mitglied des Vereins werden“, betont der 65-Jährige. Wer ehrenamtlich aushilft, bekommt von Depke eine offizielle Sammelliste und Spendendose, womit er die Berechtigung zum Sammeln bekommt.

Anmeldungen

von Interessierten nimmt Gerd Depke sowohl über E-Mail an kreisverband-verden@volksbund.de oder unter der Telefonnummer 04232/1700 entgegen.

Die Geschichte des Volksbundes und Spendenmöglichkeiten

Seit dem 16. Dezember 1919 gibt es den Volksbund für Deutsche Kriegsgräberfürsorge, gegründet unter der Berufung auf Artikel 225 des Vertrages von Versailles. Sein erster Präsident war Oberst a. D. Joseph Koeth. Zwei Jahre nach der Gründung, 1921, gehörten dem Volksbund circa 300 Ortsgruppen und 30 000 Mitglieder an. Zum zehnjährigen Bestehen war die Zahl der Mitglieder auf 133 033 gestiegen. 

Mittlerweile pflegt der gemeinnützige Verein weltweit etwa 2 700 000 Kriegsgräber und 800 Kriegsgrabsstätten. Seit 1953 veranstaltet er Workcamps mit Jugendlichen sowie Friedensprojekte für Schulklassen im In- und Ausland. Mit diesen Projekten erreicht der Volksbund nach eigenen Angaben mehr als 10 000 Jugendliche jedes Jahr. Er arbeitet im Auftrag von Bundestag und der -regierung. 

Wer die Arbeit des Vereins mit einer Geldspende unterstützen möchte, kann das entweder über das Spendentelefon unter 0561/70090 oder über das Spendenkonto mit der IBAN: DE 2352 0400 2103 2229 9900 und dem BIC: COBADEFFXXX an die Commerzbank Kassel. Weitere Informationen können unter www.volksbund.de/home gefunden werden.

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