Frau auf Betonplatte gefesselt

Balge-Mord: Angeklagte zu Haftstrafen verurteilt – Mord nicht nachgewiesen

Eine Angeklagte (l) spricht vor Prozessbeginn in der Stadthalle Verden mit ihrer Anwältin.
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Die 40-jährige Angeklagte (links, hier im Gespräch mit ihrer Anwältin) soll gemeinsam mit zwei weiteren Männern im April 2020 eine 19-Jährige umgebracht haben. Anschließend wurde sie auf eine Betonplatte gefesselt und in der Weser versenkt. (Archivbild)

Die drei Angeklagten im Prozess um den sogenannten Balge-Mord sind teilweise zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Ein Mord konnte nicht nachgewiesen werden.

Update vom Donnerstag, 21. Oktober 2021, 12:30 Uhr: Verden – Das Landgericht Verden hat im Mordprozess um eine 19-Jährige, die im Frühling 2020 in der Weser versenkt wurde, die Angeklagten zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Der Vorwurf des Mordes konnte hingegen nicht nachgewiesen werden. Wie es in der Urteilsbegründung heißt, sei lediglich sicher, dass die junge Frau auf dem Gründstück des 41-jährigen Angeklagten verstarb.

Landkreis:Nienburg
Fläche:1.399 km²
Bevölkerung:121.645 (Stand: 31. Dezember 2020)
Kreisstadt:Nienburg/Weser
Landrat:Detlev Kohlmeier (parteilos)

Die genauen Umstände, wie die Frau ums Leben kam, konnte der Prozess nicht klären. Sicher ist jedoch, dass der nackte Leichnam auf einer Betonplatte festgebunden und im niedersächsischen Kreis Nienburg über ein Brückengeländer in den Fluss geworfen wurde.

Balge-Mord: 41-Jähriger muss unter anderem wegen schwerer Zwangsprostitution acht Jahre ins Gefängnis

Nach dem Urteil muss der 41-Jährige acht Jahre ins Gefängnis – wegen schwerer Zwangsprostitution, Vergewaltigung, versuchter Vergewaltigung, versuchter sexueller Nötigung und gefährlicher Körperverletzung durch Unterlassen. Der 54-jährige Angeklagte wurde zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt – wegen Beihilfe zur Zwangsprostitution, Beihilfe zur Vergewaltigung, Beihilfe zur versuchten Vergewaltigung, Beihilfe zur versuchten sexuellen Nötigung und gefährlicher Körperverletzung durch Unterlassen.

Die 40-jährige Angeklagte muss dem Urteil zufolge zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Die Kammer sah Beihilfe zur Zwangsprostitution, Beihilfe zur Vergewaltigung, Beihilfe zur versuchten Vergewaltigung, Beihilfe zur versuchten sexuellen Nötigung, gefährliche Körperverletzung durch Unterlassen und unerlaubte Abgabe von Betäubungsmitteln als bewiesen an. Die Anklage hatte den drei Deutschen Mord vorgeworfen. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Wie der Vorsitzende Richter letztendlich ausführte, habe es sich im einen komplizierten Indizienprozess gehandelt. Es habe nur einzelne Möglichkeiten gegeben, etwas zur Aufklärung der Tat beizutragen. Trotzdem ist das Gericht davon überzeugt, dass alle drei Angeklagten darüber im Bilde sind, wie das 19-jährige Opfer ums Leben kam.

Doch vor Gericht äußerten sich die zwei Männer und die Frau nicht zum Tod der 19-Jährigen. Dem Gericht zufolge ist am wahrscheinlichsten, dass sie erwürgt wurde. Möglich sei aber auch, dass sie erstickte oder durch eine Gabe von zu viel Salz ums Leben kam, so der Vorsitzende Richter. (Az. 1 Ks 113/20).

Balge-Mordprozess: Urteile werden in Verden am Donnerstag

Erstmeldung vom Donnerstag, 21. Oktober 2021, 10:14 Uhr: Verden – Das Landgericht Verden will am heutigen Donnerstag, 21. Oktober 2021, die Urteile gegen die drei Angeklagten verlesen, die im April 2020 beim sogenannten Balge-Mord eine 19-Jährige auf einer Betonplatte gefesselt und in der Weser versenkt haben sollen. Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Angeklagten, zwei Männer und eine Frau, Mord vor und fordert lebenslange Haftstrafen*.

Letztlich konnte im Prozess nicht geklärt werden, wie die psychisch schwer kranke junge Frau ums Leben kam. Laut Staatsanwaltschaft sei es immer noch unklar, ob das Opfer noch am Leben war, als es über ein Brückengeländer in die Weser geworfen wurde.

Balge-Mord: Binnenschiffer entdeckt leblosen Körper der 19-Jährigen drei Wochen später

Rund drei Wochen später hatte einer Binnenschiffer den leblosen Körper der jungen Frau entdeckt, der schließlich von Polizisten geborgen wurde. Sie war unbekleidet und an einer Betonplatte festgebunden im Fluss versenkt worden. Die Todesursache konnte letztlich nicht mehr eindeutig bestimmt werden, da die Leiche zu lange im Wasser lag und bei der Obduktion des Körpers in der Pathologie bestimmte Standards nicht eingehalten wurden.

Laut Staatsanwaltschaft handelten die drei Angeklagten grausam und menschenverachtend. Eigentlich hätte die 19-Jährige dringend einer medizinischen Behandlung bedurft, da sie an einer paranoiden Schizophrenie litt. Stattdessen soll einer der Angeklagte, ein 41-jähriger Mann, die junge Frau „gekauft“ haben, um sie schließlich als Prostituierte auf den Strich zu schicken. Geplant gewesen sei das Ganze mit seinem damals besten Freund und seiner früheren Lebensgefährtin.

Als sich allerdings der Gesundheitszustand der jungen Frau immer weiter verschlechterte, soll sie von den Angeklagten in eine Garage gebracht worden sein. Was dort passierte, wird wohl nie ans Licht kommen, denn die Angeklagten schweigen sich zur Tatnacht aus. Fest steht lediglich, dass die 19-Jährige letztendlich mit einem Kabel auf die Betonplatte gefesselt und an der Weserschleuse in Balge (Kreis Nienburg) in der Weser versenkt wurde.

19-Jährige bei Balge in Weser versenkt: Staatsanwaltschaft fordert für alle drei Angeklagten lebenslang

Laut Staatsanwaltschaft ist naheliegend, dass die 19-Jährige lebend versenkt wurde. Möglich ist demnach aber auch, dass sie in der Garage getötet wurde, oder dass sie dort in hilflosem Zustand alleingelassen wurde und starb. Denkbar auch, dass die junge Frau bewusstlos war und die Angeklagten dachten, sie sei tot, als sie sie in die Weser warfen.

In ihrem Plädoyer forderte die Staatsanwaltschaft für die drei Angeklagten lebenslange Haft wegen versuchten Mordes durch Unterlassen und wegen Menschenhandels. Die Nebenklage schloss sich dem an. Die Verteidigung hält indes deutlich niedrigere Strafen für angemessen.

Die Anwältin des 41-Jährigen beantragte eine Freiheitsstrafe unter fünf Jahren wegen Menschenhandels und gefährlicher Körperverletzung durch Unterlassen. Der Anwalt des 54-Jährigen forderte für seinen Mandanten eine Verurteilung wegen Beihilfe zum Menschenhandel und wegen gefährlicher Körperverletzung durch Unterlassen. Die Anwältin der 40-Jährigen beantragte eine Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung durch Unterlassen und wegen unterlassener Hilfeleistung. * kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

++ Transparenzhinweis: Der Text wurde am 21. Oktober 2021 gegen 13:11 Uhr aktualisiert. +++

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