Ute Tietje packt kleine Geschenke für Senioren / Hoffen auf Nachahmer

Bescheidene Wünsche

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Ute Tietje möchten älteren Menschen zu Weihnachten eine Freude machen.

Walle - Weihnachtszeit, das ist auch die Zeit, in der an die Menschen gedacht wird, die nicht auf Rosen gebettet sind. Ute Tietje plündert dann immer ihre Schatztruhe, in der sie übers Jahr ihr Kleingeld gesammelt hat. Von dem Erlös kauft sie kleine Geschenke für Senioren, die sonst nichts bekämen. Und die Wallerin würde sich sehr freuen über ein paar Nachahmer. Denn bei allen Aufrufen zu Spenden werde an die ältere Generation zu wenig gedacht, findet Ute Tietje, obwohl doch gerade diese Menschen das Land nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut hätten.

Die Autorin und Verlegerin weiß, wovon sie spricht. „Meine Großeltern haben im und nach dem Krieg sieben Jahre in einer Waschküche im Keller hinter einem Vorhang gewohnt oder besser gehaust, da sie ausgebombt waren, bis ihnen eine richtige Wohnung in ihrer alten Wohngegend zugeteilt wurde“, berichtet sie. Sie selber, ein Nachkriegskind, sei in Trümmerwüsten aufgewachsen.

„Die Idee, Senioren, denen es nicht so gut geht wie mir derzeit, eine Freude zu machen, kam mir vor drei Jahren, als ich einen alten Freund, auch einen der Vergessenen, besucht und ihm Pralinen mitgebracht habe“, berichtet die Autorin. Der Mann habe sich so gefreut, dass schon am nächsten Tag das gesamte Konfekt weggeputzt war.

Für Ute Tietje der Anlass, sich an ein Verdener Seniorenheim zu wenden mit der Bitte, ihr Bewohner zu nennen, denen niemand etwas schenkt, und diese nach ihren Wünschen zu fragen. „Das mag zwar dem Datenschutzwahnsinn widersprechen, aber die älteren Herrschaften freuen sich, wenn ihr Name auf dem Paket steht, weil sie wissen, dass wirklich sie gemeint sind“, ist Ute Tietje überzeugt.

Die Wünsche der Senioren seien sich sehr ähnlich gewesen, berichtet sie und zählt auf. Häufig würden Pflegeprodukte von Nivea – „damit sind sie aufgewachsen“– genannt oder ganz einfach Socken. „Ein Herr wünschte sich eine schöne Flasche Rotwein und ein bestimmtes Buch dazu“, erinnert sich Ute Tietje. Eine Dame habe sich über eine große Stumpen-Kerze gefreut, um ihr Zimmer in der dunklen Jahreszeit gemütlicher zu machen.

Sie schenke anonym, betont Ute Tietje und fügt hinzu: „Die Gewissheit, dass ich alten Menschen eine Freude machen konnte, ist mir Dank genug.“

„Ich würde mich sehr freuen, wenn viele Menschen dieser Idee folgen würden, denn die Alters-Armut wohnt direkt vor unserer Haustür“, fährt die Wallerin fort. „Jeder kann das in seiner Stadt tun, allein oder mit anderen. Ohne Verwaltungsgebühren oder Verein, ganz direkt.“

„Zaubern sie alten Menschen zu Weihnachten ein Leuchten in die Augen“, appelliert Ute Tietje. „Geben sie Ihnen das Gefühl, wenigstens an diesem einen Tag im Jahr nicht zu den Vergessenen unserer Gesellschaft zu gehören.“

Weitere Informationen unter

Telefon 04230/954489.

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