Abfahrt in Verden

Tierwohl und Klimaschutz: Landwirte auf dem Weg nach Berlin

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Steffen Wagenfeld (l.) und Timo Hannen beim Zwischenstopp auf dem Verdener Rathausplatz.

Verden - Von Erika Wennhold. Aus Lore Meyer sprudelt es nur so heraus. Die Landwirtin mit einem Milchviehbetrieb in Thedinghausen hat erst vor Kurzem auf die Produktion von Biomilch umgestellt und eine Molkerei in Schleswig Holstein gefunden, die dafür bessere Preise bezahlt: „Aber von einer Vollkostenabdeckung kann immer noch keine Rede sein.“

Wer es genauer wissen will, bekommt von ihr den Milchmarker Index in die Hand gedrückt, der Rot auf Weiß in einer Tabelle darstellt, dass Milchbauern seit Jahren nicht mehr kostendeckend arbeiten, geschweige denn für ihre Arbeit angemessen bezahlt werden.

Und dann kümmert sich Lore Meyer um die eintreffenden Landwirte, die sich Donnerstag auf dem Verdener Rathausplatz mit ihren Treckern versammelt haben, um im Konvoi nach Berlin zu fahren. Mit dabei sind auch zwei Junglandwirte. 

Timo Hannen, Gemüsebauer aus Karst bei Düsseldorf und Steffen Wagenfeld aus Thedinghausen (zurzeit auf der Ökofachschule) wollen in Berlin für ihre Zukunft demonstrieren. Das Höfesterben bereitet ihnen Sorgen: „Dadurch sterben ja auch die Dörfer aus.“ Betroffen seien immer die kleinen Betriebe, die schlechte Ernten wie in diesem Sommer einfach nicht mehr verkraften könnten. 

Acht Trecker mit Tempo 40 unterwegs

„Dabei sind die es, die das Tierwohl im Auge haben und ihre Böden schonend bewirtschaften“, ergänzt Johanna Böse-Hartje, die sich als ehemalige Landesvorsitzende des Bundesverbandes deutscher Milchviehhalter bestens auskennt und natürlich dabei ist, als sich acht Trecker und ihre Fahrer nach einem heißen Kaffee in der Bäckerei gegenüber vom Rathausplatz auf den Weg machen. 

Im Konvoi mit etwa 40 Stundenkilometer werden sich unterwegs weitere Landwirte anschließen. Zweimal wird zum Übernachten ein Stopp eingelegt, dann ist Berlin erreicht, wo sich Trecker am Sonnabendvormittag aus Norden und aus Süden einen Weg bis zum Auswärtigen Amt bahnen werden. 

Dort wollen sie eine Petition mit dem Titel „Klimakrise aufhalten - eine Zukunft für die Landwirtschaft“ direkt an Ministerin Julia Klöckner sowie an Vertreter einer internationalen Agrarministerkonferenz zu überreichen. An der Demonstration werden sich über 50 Organisationen aus Landwirtschaft, Verbraucher, Umwelt- und Tierschutz, Entwicklungspolitik und Kirchen beteiligen.

„Die ganze Förderpolitik ist Unsinn“

Hier will Lore Meyer, die Freitag mit dem Bus und vielen Gleichgesinnten den Treckern hinterherfährt, den Verantwortlichen klar machen, was ihr schon lange missfällt: „Die größten Betriebe bekommen das meiste Geld. Wir wollen aber, dass das Geld nach konkreten gesellschaftlichen Leistungen bemessen wird.“ Johanna Böse-Hartje geht noch weiter: „Die ganze Förderpolitik ist Unsinn und wäre nicht nötig, wenn landwirtschaftliche Produkte vernünftig bezahlt würden.“ 

Aber das wolle hierzulande niemand, damit die Industrie weiterhin billige Ausgangsstoffe für ihre Produkte beziehen könne. In Berlin müsse aber endlich begriffen werden, dass sich die Gesellschaft Veränderungen für mehr Tierwohl sowie umweltschonenden und klimaschonenden Ackerbau wünscht. Lore Meyer: „Es geht um die Zukunft unserer Höfe und um die Akzeptanz der Landwirtschaft in der Bevölkerung insgesamt.“

Mit großen Plakaten und bemalten Anhängern hoffen die Landwirte, auf ihrer Fahrt vom Brandenburger Tor bis zur Grünen Woche viele Menschen auf ihre Anliegen aufmerksam machen zu können.

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