Theater im Domherrenhaus beschäftigt sich mit der Vergangenheit

Reise auch ins Ungewisse

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Eine Szene aus „Die Reise nach Jerusalem“.

Verden - Rund drei Wochen vor der Premiere von „Die Reise nach Jerusalem“ hatten Regisseur und Autor Hans König, die Schauspieler Julia Nehus, Birgit Scheibe und Christoph Plünnecke sowie Museumsleiter Dr. Björn Emigholz die Tür zum Domherrenhaus geöffnet und zur öffentlichen Probe eingeladen. Den Besuchern bot sich dabei die Gelegenheit, den Künstlern bei der Arbeit an den einzelnen Szenen zuzuschauen.

Die recht zahlreich erschienenen „Zaungäste“ zeigten sich erstaunt, wie genau das Ensemble auf die insgesamt sechs Aufführungen von „Die Reise nach Jerusalem“ hin arbeitet und wie mühsam der Weg ist, bis das Theaterstück die Bühnenreife erreicht hat.

Die „Reise nach Jerusalem“ ist keine leichte Unterhaltung. Dem Publikum liefert das Theaterstück Einblicke in Vergangenes. „Wir wussten eigentlich nur, dass wir künstlerisch etwas Gemeinsames machen wollen, was sich inhaltlich um das Ende des Krieges vor 70 Jahren ranken sollte. Mehr hatten wir nicht“, erzählen Scheibe und Nehus, die Ideengeberinnen des Projekts.

So konnten die Damen nicht nur ihren Schauspielkollegen Christoph Plünnecke für ihre Theaterpläne gewinnen, sondern auch Hans König, zweimaliger Spielleiter der Verdener Domfestspiele, als Autor und Regisseur. Die Handlung ist fokussiert auf die Geschwister Nico (Julia Nehus), Marianne (Birgit Scheibe) und Michael (Christoph Plünnecke). Ein Trio, das ein distanziertes Verhältnis pflegt und sich anlässlich der Testamtseröffnung ihres kürzlich verstorbenen Großvaters zur Ist-Zeit in Verden aufeinander trifft.

Jeder dieser Kriegsenkel hat seine eigenen Lebensweg individuell beschritten, hat dabei mehr oder weniger Verletzungen und Wunden erlitten und trägt auf unterschiedliche Weise an diesem Paket. Als ihnen eröffnet wird, dass sie ihr Erbe nur unter einer bestimmten Voraussetzung antreten dürfen – sie müssen ein Vermächtnis erfüllen, indem sie in Jerusalem eine Institution aufsuchen, um im Namen des Verstorbenen um Vergebung zu bitten. Was war geschehen? Ein Koffer im Nachlass des Vaters liefert den Geschwistern erste Hinweise darauf, dass der Großvater in weit höherem Maß als bislang von ihnen gewusst, in die Ideologie und Verbrechen der Nazis verstrickt gewesen war. Für die Protagonisten ein Schock, den sie mit Bestürzung, Ratlosigkeit und Wut kontern. Das Erbe zwingt sie in die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit bis hin zur Gegenwart.

„Wir alle sind begeistert von dem Projekt und hoffen, dass sich viele mitreißen lassen“, so Museumsleiter Dr. Björn Emigholz, der erstmals als Veranstalter für eine Theateraufführung agiert. Das Stück, das gleichermaßen für Erwachsene wie für Jugendliche geeignet ist, wird Open Air im Innenhof des Museums und bei schlechtem Wetter im Rathaussaal am 3., 4., 8., 9., 10. und 11. Juli, jeweils um 20 Uhr, aufgeführt. Kartenvorverkauf: Domherrenhaus Verden. Infos auch unter www.diereisenachjerusalem.de.

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